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Boxen in Carouge: Kanigamazi und Tavares siegreich

Bericht von Ueli E. Adam

12.02.2012 - Genf ist die Geburtsstadt des schweizerischen Berufsboxens und die Region wird auch hundert Jahre nach der Gründung des schweizerischen Boxverbandes (Jubiläum SwissBoxing 2013) diesem Ruf gerecht. Das hat einmal mehr der CP Carouge (Club Pugiliste Carouge) bewiesen.

Mit einer attraktiven Affiche und dem Konzept „Boxing and Dining“ ist es dem Team um Präsident Philippe Rossel, Silvio Chanton und Bertrand Duboux gelungen, die legendäre Salle des Fêtes mit einem begeisterten Publikum zu füllen.
 

6x3: Bruno Tavarez (78,8 kg) Schweiz (4-0-0) vs. Yohan Carteret (77,8 kg), France (2-4-1)

Der erst 21-jährige Tavarez aus Villars-sur-Glâne wird wahrscheinlich nicht ganz zu Unrecht als neue Hoffnung im schweizerischen Profiboxen gehandelt. Seit September 2011 hat der Youngster bereits vier Kämpfe erfolgreich und mit Zukunftsperspektiven gestalten können. Im Ring erinnert er an den jungen Amateur Cassius Clay, was vielleicht den Blick auf die Realität etwas zu hoffnungsvoll verstellt.  Das hat der Kampf gegen den 34-jährigen Franzosen mit dem auf dem Papier eher bescheidenen Palmarès jedenfalls aufgedeckt. Zweierlei hat sich gezeigt: gut ausgebildete Franzosen sind nie einfach zu boxen und Tavarez muss aufpassen, dass er gegen einen jüngeren Gegner nicht zu früh in einen KO läuft. Seine Deckungsarbeit ist zu wenig solid und die jugendliche Angriffslust sollte nicht mit Nehmerqualitäten ausgeglichen werden müssen.

 
Im Ring erinnert er vom Aussehen her an den jungen Amateur Cassius Clay: Bruno Tavares (r.) :

Eine frappante Lockerheit, die nie leichtsinnig wirkt, ein klar erkennbarer Profiinstinkt und eine erstaunliche Abgeklärtheit unterstreichen hingegen das ohne Zweifel vorhandene Potenzial. Tavarez konnte den sehr gut boxenden Carteret zwar nie richtig dominieren, brachte aber den Punktsieg gegen einen konsequent vorwärts marschierenden Gegner relativ sicher über die Runden. So urteilten die Punktrichter: 

Claudine Pascale 58:56; Armin Bracher 58:56; Domenico Gottardi 58:56
 

8x3: Patrick Kinigamazi (61,0 kg) CH (16-1-0) vs. Andreï Staliarchuck (60,8 kg), WRus (8-14-2)

Nicht ganz zu überzeugen wusste der Lokalmatador. Patrick Kinigamazi bekundete gegen den für Tschechien startenden Weissrussen Andreï Staliarchuck mehr Mühe als ihm lieb gewesen sein dürfte. Es gelang ihm nie, seinen Gegner klar zu dominieren. Staliarchuck bestätigte jene Qualitäten, die er schon mit einem Unentschieden gegen Martino Ciano am 26. Dezember 2011 in Bern unter Beweis gestellt hatte.

  
Wusste gegen den Weissrussen Andreï Staliarchuck nicht ganz zu überzeugen: Patrick Kinigamazi

Mit technisch gutem Boxen liess er Kinigamazi nie richtig aufkommen und dieser verpasste es, variablere Serien zu schlagen. Mit nur zwei rechten und linken Händen, ohne Aufwärtshaken, ist einem Mann wie dem 26-jährigen Wanderarbeiter nicht beizukommen. Positiv ist, dass Kinigamazi zwar nie Gefahr lief, den Kampf zu verlieren, aber für einen Mann mit seinen Ambitionen konnte er eindeutig zu wenig überzeugen. Dass das Publikum ihn trotzdem frenetisch feierte, sei ihm gegönnt und das Urteil der Punktrichter entspricht durchaus dem Kampfverlauf: 

Claudine Pascale 78:74; Armin Bracher 78:74; Domenico Gottardi 77:75
 

8x3: Johann Duhaupas (107,0 kg) France (26-1-0) vs. Gabor Farkas (111 kg), Ungarn (6-21-5)

Der als möglicher Herausforderer im Schwergewicht gehandelte Duhaupas dürfte die Experten am Ring ebenfalls nicht überzeugt haben. Sein Gegner Gabor Farkas, der kurzfristig für den erkrankten Engländer Danny Hughes einspringen musste, brachte zwar eine beeindruckende Physis in den Ring, war aber keinesfalls ein echter Prüfstein für den hoch kotierten Franzosen.

War kein echtter Prüfstein für den französischen Hoffnungsträger Duhaupas(r.): Gabor Farkas

Duhaupas, der 15 seiner 27 Kämpfe vorzeitig für sich entscheiden konnte, schien den Ungarn mit ein paar harten Treffern gewaltig zu beindrucken, ohne allerdings den Hammer je auspacken zu können. Schon ab der zweiten Runde legte der überforderte Farkas den Rückwärtsgang ein und schien beim Gong jeweils heilfroh, dass der Blitz noch nicht eingeschlagen hatte. In der fünften Runde war es erwartungsgemäss dann soweit und Farkas wurde nach einigen harten Händen des Franzosen von Beat Hausammann aus dem Kampf genommen, ein Entscheid, der mit dem fliegenden Handtuch bestätigt wurde. Sieger durch TKO Johann Duhaupas. 

Ein gutes Konzept wählte der CP Carouge, indem er den Profikämpfen jeweils einen Amateurkampf voransetzte. Das sorgte für einen flüssigen und interessanten Ablauf und bot Light-Contact Boxern, Frauen und Eliteamateuren einen Auftritt, der vom Publikum mit viel Applaus gewürdigt wurde. Den besten Kampf lieferten sich Stefano Ciriolo (RS Vernier) gegen David San-Antonio (CP Carouge). Ciriolo entschied den Kampf mit 3:0 für sich.
 

Kommentar:

Der CP Carouge hat mit seinem Meeting besten Sport geboten, trotz den teilweise nicht in jeder Hinsicht überzeugenden Leistungen der Protagonisten. Das gepflegte Ambiente, die ausgezeichnete Organisation, die Leidenschaft und die Begeisterung des Publikums sind das Salz in der Suppe, das dem Boxen eine zukunftsträchtige Plattform garantiert. Und vergessen wir eines nicht: auch frühere Stars haben nicht jederzeit eine Top-Leistung abgeliefert. 

 

Resultatübersicht

Robert Nicolet Ranking 




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