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Nicole Boss überzeugt trotz Unentschieden

Bericht von Ueli E. Adam (Text) und Christian Heinzer (Fotos)

26.02.2012 - Die Berner Profiboxerin bewies in ihrem elften Kampf im Leichtgewicht (6-3-2) im Sternensaal in Bümpliz, dass ihre Titelambitionen intakt sind. Gegen die in der WEBF-Rangliste (Women’s European Boxing Federation) drei Plätze vor ihr gerankte Spanierin Loly Munoz (10-9-3) reichte es nach einem harten Gefecht über 8 Runden zwar nur zu einem Unentschieden, was aber durchaus als Erfolg gewertet werden darf.

Lieferten sich einen Kampf auf Biegen und Brechen: Loly Munoz (l.) und Nicole Boss

Es war nämlich Munoz, die der Bernerin ein Unentschieden abtrotzte, während Boss als Lokalmatadorin mit dem Verdikt durch die Punktrichter hart beurteilt wurde. Im gleichen Meeting kam der frühere Berner Star Riad Menasria zu einem ungefährdeten Punktsieg, ohne allerdings an seine frühere Brillanz anknüpfen zu können. Die Berner Box Academy hat als Veranstalter auch mit ihrem dritten Meeting im wunderbaren Sternensaal (nomen est omen) einmal mehr überzeugen können.
 

8x2: Nicole Boss (60,4 kg) Box Academy BE (6-3-1) vs. Loly Munoz (59,9 kg), Spanien (10-9-2)

Die Enttäuschung im Lager der Berner Box Academy war gross, als es für Nicole Boss nach einem sehr guten Kampf nur für ein Unentschieden reichte. Genau wie das Publikum sah Manager und Trainer Sascha Müller seine Kämpferin eindeutig vorne und einmal mehr wurde über die unerbittliche Strenge der schweizerischen Punktrichter bei Heimspielen gehadert. Diese subjektive Sichtweise ist verständlich, darf aber den Blick auf die Realitäten nicht verstellen. Nicole Boss ist reifer geworden, kann den Kampf besser lesen und hat die von Experten geforderten Rhythmuswechsel optimal umgesetzt. Was vielleicht fehlte und für das Verdikt entscheidend war, ist die absolute Präzision der Schläge. Dazu kam, dass Munoz eben eine Gegnerin war, die zu den Top-Ten im Leichtgewicht nach Ranking WEBF zählt. Die Spanierin forcierte den Angriff ab der ersten Runde und war die wie erwartet schwer zu boxende Gegnerin. Für Boss sind die Perspektiven aber trotzdem absolut intakt. Im Leichtgewicht, einer hart umkämpften Gewichtsklasse im Frauenboxen, hängen die Trauben entsprechend hoch und deshalb darf trotz dem Unentschieden mit einem weiteren Karrieresprung der Bernerin gerechnet werden. Manager Sascha Müller und Trainer Vito Rana haben bewiesen, dass sie den Weg zu höheren Zielen kennen. Nicht zuletzt beweist das auch die Statistik: Munoz stand bereits 155 Runden als Berufsboxerin im Ring, während Nicole Boss vor dem Kampf erst 44 Runden geboxt hatte. Das Verdikt der Kampfrichter: Beat Hausammann 77:76; Domenico Gottardi 76:76; Thomas Zimmermann 76.
 

8x3: Riad Menasria (72,2 kg) BA Bern (30-2-1) vs. Zoran Cvek (71,6 kg), Kroatien (7-17-3)

Riad Menasriatrat topfit und hochmotiviert zu seinem 34. Kampf als Profi an. Wie so oft im Profigeschäft sagte der ursprünglich vorgesehene Gegner Vasile Surcica in letzter Minute ab und wurde durch den Kroaten Cvek ersetzt. Das war insofern bedauerlich, als Surcica zu den spektakulärsten Journeymen Europas zählt und Cvek vor nur einem Monat eine KO-Niederlage gegen Jackson Osei Bonsu (einem Top-Shot, der seinerzeit auch als Gegner in einem Titelkampf für Menasria gehandelt wurde) hinnehmen musste. 

Siegte überlegen, konnte aber nicht an den Glanz früherer Tage anknüpfen: Riad Menasria (r.)

Davon war allerdings im Kampf wenig zu merken. Der kleine Kroate kämpfte mit Elan und war bis zur letzten Runde gewillt, das Gefecht zu seinen Gunsten zu drehen. Es sollte ihm nicht gelingen. Die Klasse von Menasria war für einen ungefährdeten Sieg des Berners ausschlaggebend, obschon dieser zu keinem Zeitpunkt brillieren konnte. Mit einer zeitweilig zu lässigen Deckungsarbeit und langsameren Reflexen ist Menasria für fatale Schläge anfälliger geworden. Hier werden Trainer Vito Rana und Sven Losinger ansetzen müssen, um ihren Schützling nicht unnötigen Gefahren auszusetzen. Menasria bietet dem Publikum immer noch gute Unterhaltung – mehr aber nicht.  Das Verdikt der Kampfrichter: Pierre-Alain Schneeberger 79:73; Domenico Gottardi 78:74; Thomas Zimmermann 80:72.

 

Die Kämpfe der Amateure

Durchaus sehenswerte Kämpfe lieferten auch die Amateure ab. Dabei ist bemerkenswert, dass die Box Academy 7 Vorkämpfer stellen konnte – ein erstklassiges Zeugnis für die solide Aufbauarbeit von Vito Rana und Savas Iskender. Für die teilweise noch unerfahrenen Kämpfer wurden zudem Gegner aufgeboten, die es in sich hatten: Wenn Fouad Ben Saoud mit seinen Schützlingen aus Lausanne anreist, darf mit Qualität gerechnet werden!

 

Resultatübersicht

Robert Nicolet Ranking

 

 

 

 

 

  




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