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Das Ostermeeting in Palézieux: Erfolgsmodell mit oder ohne grosse Affichen

Bericht von Gérald Kurth

08.04.2012 - Dem traditionellen Ostermeeting des BC Châtel-St.-Denis war einmal mehr ein voller Erfolg beschieden: Die Halle in Palézieux war bis zum letzten Platz besetzt, und dies trotz eines reinen Amateurprogramms oder den üblichen österlichen Abwesenheiten. Der Aufmarsch ist mit Sicherheit Ausdruck der Verbundenheit der Region mit dem Boxklub. 

 Foto: John Hottinger

Bei aller Fairness feuern die Zuschauer die Boxerinnen und Boxer aus Châtel-St.-Denis jeweils lautstark an. Das Publikum honoriert aber auch bewusst die Organisationsarbeit, die Präsident François Gilliand und sein Team vom BC Châtel-St-Denis seit Jahren konsequent leisten. Treue Sponsoren sind ein weiterer Ausdruck des lokalen Zusammenhalts zwischen der freiburgischen Veveyse und dem Waadtländer Oron-Lavaux. Das Zusammenspiel dieser Faktoren ermöglicht so auch abseits der grossen Städte am Genfersee eine auf gesunden Füssen stehende Kampfschau, die ganz bewusst ihre familiäre Atmosphäre pflegt. Die Leute kommen deshalb auch, wenn die rein sportliche Qualität der Darbietungen – wie diesmal - insgesamt durchschnittlich blieb und kein zugkräftiger Profikampf winkte. Das Publikum widmete dafür auch den Einlagen in den Pausenblöcken gerne seine Aufmerksamkeit: Spektakuläre Tuchakrobatik kontrastierte mit zwei knackigen Demonstrationen in Krav Maga, dem für die israelische Armee vervollkommneten Nahkampfsystem.
 

Weltergewicht:

Anaïs Kistler (BC Lausanne) vs. Ornella Domini (BC Genevois)

Ein ansehnlicher Frauenkampf, in dessen Verlauf Kistler letztlich ihre Gegnerin Domini zermürbte. Beide waren zu Beginn sehr leichtfüssig unterwegs. Die Genferin, obwohl meist aus der kontrollierten Defensive, war fleissiger am Punkten. Die Lausannerin konnte aber dank ihrer konditionellen Überlegenheit immer mehr Druck entfalten. Das erlaubte ihr, Domini durch ganze Serien von Jabs den Seilen entlang zu treiben und sie dann in den Ecken mehrfach mit Rechts abzukontern. Am Ende zollte aber auch Kistler ihrem aufwändigen Stil Tribut und lehnte sich mehrfach klammernd an ihre Gegnerin. Insgesamt war ihr klarer Sieg aber absolut gerecht. Die Genferin hatte zuvor über zwei Jahre keinen Kampf mehr bestritten, was sich nicht nur im konditionellen Abbau zeigte, sondern auch in der oft mangelnden Konsequenz beim Abschluss einfacher Kombinationen. 

Bojan Todosijević (BC Châtel-St-Denis) vs. Robert Barbezat (BC Martigny)

Todosijević, einer der  Lokalmatadoren, traf auf einen hervorragend disponierten Barbezat und lieferte sich mit diesem zwei Runden lang einen Kampf auf überdurchschnittlichem Niveau. Eingangs der dritten Runde flog dann aber das Handtuch aus Todosijevićs Ecke, als dieser durch starkes Nasenbluten immer stärker behindert wurde. Auch wenn die Nase nicht gebrochen war: Barbezat hatte dem Freiburger durch äusserst variable und harte Schläge zu Körper und Kopf so zugesetzt, dass dieser zurecht durch Aufgabe aus dem Kampf genommen wurde. Schon die zweite Runde hatte er nach dem Anzählen nur überstanden, weil gleich danach der Gong ertönte. Barbezat verdiente sich mit seinem attraktiven, technisch hoch stehenden und effizienten Auftritt auch die Prämierung für den besten Kampf des Abends. 
 

Schwergewicht:

Steve Baudin (BC Lausanne) vs. Riza Zeqa (BU Winterthur)

Baudinund Zeqa boten einen intensiven Fight, der bei aller Härte jederzeit fair blieb. Insgesamt beeindruckend waren vor allem die Nehmerqualitäten des Winterthurers, der oft zu offen und mit hängender Deckung auf Baudin losmarschierte. Der Lausanner stach regelmässig mit seinem Jab zu oder schlug schöne lange Rechte, die durchaus Wirkung erzielten. Zeqa meldete sich aber nach den präzisen Trefferserien Baudins immer zurück und feuerte seinerseits harte Salven ab. Diese trafen zwar aus der Distanz kaum, belegten aber vor allem das eindrückliche Stehvermögen des Winterthurers. Obwohl viel weniger getroffen, wirkte Baudin am Ende ausgepumpter und gezeichneter als Zeqa. Der steckte einfach alles weg, was Baudin schlug: perfekt gesetzte Körperhaken, blitzschnelle Jabs über die Deckung, Upper Cuts. Man gewann fast den Eindruck, Zeqa hätte noch lange so weitermachen können. Nach drei Runden lautete aber das gerechte Verdikt 3:0 Richterstimmen für Baudin.
 

Superschwergewicht :

Stéphane Oberson (BC Châtel-St-Denis) vs. Sabaratnam Janakan (BC Lugano)

Nicht wenige im Publikum waren sich sicher, dass der einheimische Oberson hier leichte Beute machen würde: Janakan, der Tamile aus dem Tessin, war ganz offensichtlich nicht austrainiert. Das hinderte ihn aber nicht daran, mutig nach vorne zu marschieren. Und er liess bald einmal erahnen, dass er nicht hergereist war, um vorzeitig k.o. zu gehen. Oberson traf ihn zwar regelmässig zum Körper oder durch die etwas löchrige Deckung am Kopf. Janakan schüttelte sich jeweils nur, schlug sich den Kopfschutz zurecht und landete seinerseits knallharte Konter: über die Aussenbahn, aber auch als gefährliche Uppercuts. Immer wieder brachte er einzelne Hände ins Ziel, und Oberson, obwohl mit klar besserer Grundschnelligkeit ausgestattet, fand sichtlich kein Mittel, um den Tessiner endgültig auszuknocken. Auch wenn sich der bedrängte Janakan in der dritten Runde zur Erheiterung des Publikums mal eben auf die Ringseile setzte – der Niederschlag kam einfach nicht. Der Luganese hielt durch und verdiente sich, trotz der eindeutigen Punkteniederlage, die Anerkennung des Publikums. 

Djodji Evariste (BC Villars/Glâne) vs. Seid Džemaili (BC Zürich)

Der routinierte Zürcher Džemaili lieferte eine Lehrstunde in strategischem Boxen ab. Gegen einen physisch furchteinflössenden, aber um einen Kopf kleineren Gegner behielt er konsequent die Distanz bei und konnte sich so den blitzschnellen, druckvollen Schwingern Evaristes meist entziehen. Dabei war Evaristes Rezept durchaus sinnvoll: Er hatte wenig andere Möglichkeiten, an Džemaili heranzukommen als über die Aussenbahnen. Der Zürcher durchschaute dies jedoch, liess Evariste auch mal schlagen, um ihn dann durch die Mitte mit zwei langen, trockenen Händen abzukontern. Es hätte aber für Džemaili durchaus gefährlich werden können, wenn der Kampf eine weitere Runde gedauert hätte. Evariste stieg in der dritten Runde dem Zürcher immer entschlossener nach und brachte häufiger seine krachenden Schläge zum Mann. Aber es reichte nicht mehr: Džemaili hatte zuvor dank seiner klugen Strategie schon zu viele Punkte gesammelt und konnte nicht mehr eingeholt werden. Am Ende gewann er deshalb verdient mit 2:1 Richterstimmen. 

 

Resultatübersicht

Robert Nicolet Ranking

  




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