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Frauenboxen olympisch

Frauen-Boxen wird olympisch



14.08.2009 - Die Skispringerinnen sind bei Olympia abgeblitzt, die Boxerinnen hofften und dürfen aufatmen. Und mit ihnen der Thurgauer Andreas Anderegg als Präsident des Schweizerischen Verbandes.

Bethelhausen – Dass der internationale Amateur-Box-Verband dem Olympischen Komitee einen weiteren Antrag zur Aufnahme des Frauen-Boxens ins olympische Programm stellte, begrüsst der 52-jährige Thurgauer Andreas Anderegg: «Boxen ist eine der Ur-Sportarten bei Olympia. Also haben auch die Frauen eine Berechtigung, endlich mitmachen zu dürfen. Dass gestern in Berlin ein positiver Entscheid fiel, ist phänomenal.» Dem Präsidenten des Schweizerischen Verbandes war aber klar, dass sich viele andere Interessenten 2012 in London ebenfalls gerne präsentiert hätten: «Dass Frauen-Boxen obenaus schwang, ist ein Glücksfall.»

Dass das Olympische Komitee seinen Sitz in Lausanne hat, machte laut Anderegg die ganze Angelegenheit nicht einfacher: «Ich war schon zu Besuch im Waadtland, aber die dürfen nicht auf sentimental machen, sondern müssen halt knallhart entscheiden.» Dass Frauen-Boxen nun die olympische Weihe erhielt, dürfte auch hierzulande für einen zusätzlichen Aufschwung sorgen.

Höchststand in der Schweiz

In der Schweiz hat sich das Frauen-Boxen in den letzten Jahren bestens entwickelt. Im Moment sind bis gegen 50 Frauen aktiv. Der ehemalige vierfache Amateur-Meister hintereinander (ab 1980) Anderegg vermerkt nicht ohne Stolz: «Auch bei den Amateuren läuft es sehr gut. Mit 390 Lizenzierten haben wir den Höchststand der letzten zehn Jahre erreicht.» Diese Entwicklung liess hoffen, dass sich das IOC bezüglich des Frauen-Boxens für London erkenntlich zeigte. Aber warum ist Boxen plötzlich wieder in aller Munde: «Erfreulicherweise erhält unser Sport auf verschiedenen Fernseh-Kanälen unheimlich viel Präsenz. Das inspiriert viele Personen, sich mit Boxen vermehrter auseinanderzusetzen. Oder gar selbst als Fitness-Programm zu nutzen.»

In diesen Tagen hat der deutsche Verband verlauten lassen, dass er in der grössten finanziellen Krise seiner Geschichte steckt. Auf seiner Homepage platziere er einen Hilferuf: «Auch die kleinste Spende ist willkommen.» Wie sieht es in Sachen Geld hierzulande aus? Andreas Anderegg darf frohlocken: «Schon bei meinem Amtsantritt vor drei Jahren wiesen wir ein Vermögen von 130 000 Franken auf. Mittlerweile haben wir das bereits auf 240 000 Franken gesteigert. Uns geht es glücklicherweise sehr gut.» Der dreifache Familienvater Anderegg hat in seiner Karriere stattliche 104 Amateurkämpfe und immerhin 12 Profi-Fights hinter sich gebracht. Seinen Rücktritt erklärte er am 27. Dezember 1986. 20 Jahre später kehrte er zurück und leitet seit April 2006 den Schweizer Verband.

Weitere Box-Night

Auch in der Region und bei seinem Verein BC Frauenfeld übernahm er vermehrt das Kommando. Unter ihm und seinen Clubkollegen fanden nach vielen Jahren Unterbruch im 2007 und 2008 sogenannte Frauenfelder Box-Nights statt. Die 5. steht am 26. September auf dem Programm. Selbstverständlich sind dabei auch zwei Frauen-Kämpfe vorgesehen. Der Bethelhauser bekommt fast ein wenig glänzende Augen, wenn er anmerkt: «Wir haben einiges vor. Im Casino wollen wir diesmal neben hochklassigem Sport auch ein ganz spezielles Rahmenprogramm präsentieren.» RUEDI STETTLER - © Thurgauer Zeitung


Hoffnung erfüllt und eine Absage

Der Internationale Amateur-Box-Verband (Aiba) hatte dem IOC einen zweiten Antrag unterbreitet, Frauen-Boxen 2012 ins Olympia-Programm aufzunehmen. Diesen Entschluss verabschiedete die Aiba in Peking 2008. Im Oktober 2005 war der erste Antrag auf Aufnahme von Frauen-Klassen durch die Exekutive abgelehnt worden. Gestern hat es in Berlin geklappt.

Ein Gericht in Kanada hat den Versuch einer Gruppe von 15 Skispringerinnen aus Europa, den USA und Kanada zurückgewiesen, einen Frauenbewerb im Skispringen bei den Olympischen Spielen 2010 zu erzwingen. Die Klägerinnen beriefen sich auf die gesetzlich verankerte Gleichberechtigung in Kanada.

In diesem Jahr wurde in Liberec (Tsch) erstmals bei einer WM ein Frauenwettbewerb im Skispringen ausgetragen. Auch in zwei Jahren, in Oslo, ist ein Bewerb für Frauen im Programm vorgesehen. (si)

 

 

 

 


 

 

 




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