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Swiss Boxing Team besiegt französische Auswahl in Genf

Swiss Boxing Team v.l.n.r.: Daniel Edgibe, Vahram Khudeda, Davide Faraci, Nawshirwan Barzinje, Samir Hotic  und Federico Beresini

Bericht von Ueli E. Adam

03.06.2012 - Die diesjährigen Westschweizer Meisterschaften wurden mit einem Einsatz des Swiss Boxing Teams SBT aufgewertet. Ein guter Entscheid des Verbandes! Damit wurde die grosse Arbeit von Léman Boxe, dem Ausrichter der Meisterschaften, publikumswirksam belohnt. Dominique Barcellona, der in der legendären Salle Communale de Plainpalais als 15-jähriger seinen ersten Auftritt im Ring hatte, konnte den Genfer Boxfreunden ein attraktives Rahmenprogramm bieten, das mit einem Profi-Kampf von Stéphane Röthlisberger abgerundet wurde. Erfreulich, dass die Stadt Genf den Anlass unterstützte und so dem Boxsport offizielle Anerkennung zollte.

In der 4. Runde konnte der Franzose den wuchtigen Schlägen des Schweizers kaum mehr Stand halten, worauf die Gastecke das Handtuch zum Zeichen der Aufgabe in den Ring warf

Diese Unterstützung ist umso wertvoller, als auch in Genf, der ehemaligen Hauptstadt des Boxens, eher Tristesse angesagt ist. Im ehemaligen Boxtempel von Genf, in dem zu den besten Zeiten Grössen wie Marcel Cerdan oder Maurice Dubois kämpften, ist der Zuschaueraufmarsch bescheidener geworden. Das Gebotene aber konnte sich erfreulicherweise sehen lassen.

Foto: Denis Guyot (photo@mainkind.ch

 
Denis Guyot (photo@mainkind.ch

 

Kampfberichte SBT

62 kg: Daniel Edgibe (SBT) vs. Faycal Rezkhallah (France)

Edgibestartete druckvoll und vermochte den etwas steifbeinigen Franzosen zunächst mit langen rechten Händen zu beeindrucken. Zu Beginn der zweiten Runde durfte noch durchaus mit einem Erfolg des Romands gerechnet werden, aber leider verlor Edgibe die Übersicht und vernachlässigte die Deckung teilweise sträflich.

War Faycal Rezkhallah bis zur 2. Runde ebenbürtig: Daniel Edgibe

Das nutzte Rezkhallah, der vor allem in der dritten Runde mit einer guten Linken, aber auch mit klassisch geschlagenen Rechten punkten konnte, geschickt aus. Das Verdikt für Frankreich war logisch: Sieger nach Punkten mit 12:16 Faycal Rezkhallah.

 

69 kg: Vahram Khudeda (SBT) vs. Mohamed Messioughi (France)

Der Thuner schien in der ersten Runde den etwas passiv wirkenden Franzosen sicher im Griff zu haben. Obschon seine Treffer nicht immer zählbar waren, beherrschte er vorerst das Gefecht. Ab der zweiten Runde zeigte sich aber, dass französische Boxer mit einem guten Rüstzeug anreisen.

Bekam es mit einem durchaus kompetitiven Gegner zu tun: Vahram Khudeda (l.)

Was Messioughi, kleiner und bulliger, in diesem Umgang abzog, brachte Khudeda unerwartet in Schwierigkeiten. Mit Vierhandserien setzte er den Thuner unter Druck und am Schluss konnte Khudeda den Kampf nur knapp aus dem Feuer reissen. Am Verdikt gab es aber nichts zu rütteln. Vahram Khudeda sorgte mit 30:27 Punkten für den ersten Schweizer Sieg.

 

75 kg: Davide Faraci (SBT) vs. Ben Taibaoui (France)

Der Meister aus Baden beeindruckte einmal mehr mit dem besten Kampf des Abends. Ab der ersten Runde liess er dem Franzosen keine Chance. Faraci beherrscht sowohl das effiziente Distanzboxen als auch den Infight. Das wurde Ben Taibaoui schnell zum Verhängnis.

Beeindruckte einmal mehr mit einerTop-Leistung: Davide Faraci (im Bild mit Sport-Manager Federico Beresini und dessen Partnerin Susanna Batavia)

Von Beginn weg überfordert, musste er nach 1.40 in der zweiten Runde die Waffen strecken. Mit einem wuchtigen Körperhaken schickte Faraci den Franzosen zu Boden und der Trainer hatte richtigerweise ein Einsehen: das Handtuch beendete das ungleiche Gefecht. Sieger durch Aufgabe: Davide Faraci

 

91 kg: Nawshirwan Barzinje (SBT) vs. Jonathan Nacto

Der Zürcher liefert im Ring ganz unspektakulär immer wieder Erstaunliches ab. Gegen einen mächtigen Franzosen schien die Aufgabe zunächst nicht einfach. Geschickt wusste sich Barzinje den wuchtigen Schlägen von Nacto zu entziehen, mit solider Arbeit sorgte er für die nötigen Punkte und mit einem fulminanten Schlussspurt für das finale Resultat: Sieger mit 28:20 Punkten Nawshirwan Barzinje. 

Der solide "Handwerker" Nawshirwan Barzinje lässt sich auch von einem physisch imposanten Gegner nicht aus dem Konzept bringen

Coach und Sportmanager Federico Beresini darf mit den Leistungen seiner Schützlinge zufrieden sein. Man erkennt einen soliden Aufbau und die lenkende Hand, beste Voraussetzungen für eine erfolgversprechende Zukunft des Teams.

 

Profikampf

6x3 Rd. Stéphane Röthlisberger, CH, (82,8 kg)  vs. Urim Sylaj, France, (83,1 kg)

Der schlagstarke Lausanner (1 Sieg, 1 KO, 0-0) konnte auch seinen zweiten Kampf als Berufsboxer vorzeitig für sich entscheiden. Der französische Neoprofi Urim Sylaj (0-0-1) musste in der vierten Runde die Waffen strecken und wurde durch Aufgabe aus dem Kampf genommen. Ein weiser Entscheid des französischen Trainers, der seinen Schützling nicht unnötigen Gefahren aussetzen wollte. Trotz dem Verdikt war Sylaj mindestens über drei Runden keineswegs inferior. Es gelang im sogar, teilweise die boxerischen Defizite des Schweizers aufzudecken – im wahrsten Sinne des Wortes: der explosive Hoffnungsträger im schweizerischen Berufsboxen muss noch an seiner Deckung feilen. Röthlisberger beeindruckt genau wie sein Bruder David mit einer Physis von brachialer Urgewalt, die aber nicht immer genügen wird.

Freuen sich über den zweiten vorzeitigen Sieg: Stéphane Roethlisberger und dessen Zwillingsbruder David

Mit seiner Rechten bereitet er den unwiderstehlichen Schlaghagel vor, der dem jungen Sylaj zum Verhängnis geworden ist. Gegen einen wirklich routinierten Gegner könnte es in dieser Gewichtsklasse aber zu unliebsamen Überraschungen kommen. Das soll die Leistung des Romands aber nicht schmälern. Wer am Ring die souveräne Siegessicherheit von Röthlisberger beobachten kann, wird irgendwie an Walter Blaser erinnert, der mit seinen furiosen Kämpfen in Genf unvergesslich geblieben ist. Es ist zu hoffen, dass die beiden – nicht immer einfach zu lenkenden – Brüder endlich ein Umfeld finden, das ihr Potenzial entwickeln kann. Dann hätte auch die Schweiz zwei kleine Klitschkos. 

 

Resultaübersicht

Robert Nicolet Ranking

 

  




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