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Boxclub Basel gegen Boxclub Dynamo Moskau!

Angelo Gallina trifft Jahrhundert-Boxer Boris Lagutin in Moskau

Der Stolz ist ihm ins Gesicht geschrieben: Angelo "Speedy Chicken" Gallina trifft Jahrhundertboxer


Bericht von Angelo Gallina

07.06.2012 - Diesen Herbst findet im Rahmen des Kulturfestivals „Culturescapes“ mit dem Thema „Moskau“ am 20.Oktober 2012 in der grossen Markthalle in Basel ein Boxstaffelvergleich zwischen dem russischen Boxclub Dynamo Moskau und dem Boxclub Basel statt.

Zur Vorbereitung dieser Veranstaltung besuchte ich in Moskau den legendären Clubpräsidenten Boris Lagutin, einer der besten Amateurboxer der Geschichte (Wikipedia) unseren Treffen sprachen wir über Boxen und andere spannende interessante Geschichte aus seinem Leben.

24. August 1959 Moskau: Boris Lagutin besiegt im Final der UdSSR-Landes-
meisterschaften Viktor Vasim nach Punkten

Auf den ersten Blick erinnert er mich an meinen ehemaligen Universitätsprofessor. Unscheinbar, diskret und sehr gepflegt im Auftreten, mit einem feinen Anzug,  einer sympathischen Ausstrahlung und einer kleinen feinen Stimme. Der kleine Unterschied lag beim sanft beginnenden und  sehr stark endenden Händedruck. Einen solchen erwartet man eher nicht bei einem fast 75-jährigen. Die leichte Knorpelbildung am Zeigefinger ist ein weiteres Indiz, dass dieser Mann seine Hände in der Vergangenheit als Werkzeug erfolgreich boxerisch eingesetzt hat. Seine Palmarès ist einmalig und bisher noch von keinem anderen Boxer eingeholt worden:

Dreifacher Olympiasieger, siebenfacher russischer bzw. sovjetischer Meister und immer noch mit über 298 Kämpfe bei 11 Niederlagen Weltrekordhalter der Amateurboxstatistik.

Es sind nicht die reinen Boxfakten welche die Aura von Lagutin prägen. Seine Art aufzutreten und seine Engagements neben den Ring machen ihn zum absoluten und mehrfach ausgezeichneten russischen Sport-Superstar. Er hat sein Sportstudium bereits 1964 erfolgreich an der Universität Moskau abgeschlossen und dozierte anschliessend auch an der biologischen Fakultät. Nach drei Jahren Unterbruch holte er 1968 seine dritte Olympische Goldmedaille. Auch engagiert sich Lagutin für zahlreiche Kinderhilfsprojekte und ist Ehrenpräsident des russischen Boxverbandes. Für seine Leistungen hat er mehrere Nationale und internationale Auszeichnungen erhalten. Zudem ist er seit 1996 auch Berater des russischen Präsidenten in Sportfragen.

Nach dem Empfang im Hotel folgte am nächsten Tag der Besuch im Clublokal. Dieses ist eingeschlossen in einem Gebäudekomplex, mit mehreren Trainingshallen für Kampfsportarten wie Karate und Taekwondo, einigen Speiserestaurants, einem grossen und fest installierten Boxeventsaal mit Ring für über 1000 Zuschauer und diversen Nebenräumlichkeiten für Tagungen. Meine Aufmerksamkeit galt dem  kleinen Boxtrainingslokal.

Einfaches, aber sauber eingerichtetes Trainingslokal in Moskau

Ein kleiner unscheinbarer Eingang mit Bildern der erfolgreichsten Clubmitglieder führt zum Boxsaal, welcher sich schlicht, traditionell und von einer unbeschreiblichen Schönheit präsentiert. Ein paar ältere gut genutzte Lederboxsäcke, Lederspringseile, einen kleinen Boxring und ein paar  Medizinbälle - das wär’s dann schon. An der Wand hängen eingerahmt alle russischen Olympiasieger zuoberst und als Einziger in einem grösseren Rahmen eingebunden das Porträt von Boris Lagutin. Darunter Rakhim Chakhiev, Aleksandr Povetkin, Aleksandr Lebziyak, Gaydarbek Gaydarbekov, Oleg Saitov und viele mehr.

Im feinen sauber gepflegten Saal gibt es keine Poster, keine Maschinen und keine proprioreziptive Geräte. Es geht hier offensichtlich erfolgreich auch ohne. Im Trainerraum hingegen zeugen unzählige Wimpeln, Medaillen, Poster und Pokale für die sportlichen Erfolge des Vereins. Für weitere Pokale hat es fast keinen Platz mehr. Auch ein einziges Frauenposter mit Autogramm hat einen Ehrenplatz eingenommen. Es ist dies der Profiweltmeisterin Natalija Ragosina.  Rogosina trainierte auch in diesem Trainingslokal und war 2003 Europameisterin der Amateure. Freundlich erklärt der verantwortliche Trainer die einzelnen Poster und immer wieder die Erfolge von Lagutin.

Bei unserem Lokalbesuch gesellten sich immer mehr Leute zu uns, Verantwortliche, ehemalige Boxer wie auch Schaulustige; auch ein Clubtrainer mit dem englischen Nationaltrainingsanzug kam dazu. Er ist eben von London heimgekehrt, wo er als Trainer die englische Herren-Olympiastaffel unterstützt, erklärte man uns.

Nach dem obligaten Fotoshooting ging es zum Mittagessen, wo die gesamten Moskau-Box-Verantwortlichen, der lokale Boxtrainer und der persönliche Berater von Lagutin teilnahmen.
Auf dem Weg dorthin kam es zu zahlreichen angenehmen Unterbrüchen. Fremde Menschen begrüssen Boris Lagutin und wollen gleich auch ein Erinnerungsbild aufnehmen, man reicht gerne die Hand und dankt Lagutin für seine Verdienste. Das Restaurant ist intern mit dem Boxkomplex erschlossen. Beim Essen ging es freundschaftlich her. Die Flasche mit dem heimatlichen Erwachsenengetränk war umgehend im Einsatz. Es wurde ganz nach Tradition regelmässig auf die unterschiedlichsten Ereignisse angestossen. Auf den Boxsport, auf die Olympiaerfolge, auf die Zusammenarbeit, auf  das Projekt, auf das Treffen und so weiter, bis seine Frau Tatiana die Flasche und die Regie übernahm und die Prostrunden freundlich beendet hat.  Lagutin erzählte unzählige weitere Geschichten. So war er auch als persönlicher Gast beim Besuch von Queen Elisabeth eingeladen oder auch erzählte er stolz von seinen zahlreichen Kinderprojekten. Auch interessierte ihm was boxerisch in der Schweiz läuft. Die Kulturboxanlässe in Basel gefielen ihm, aber vor allem den Delegierten, welche umgehend Ebensolche in Moskau planen möchten.

Auf die Frage nach den schweizerischen Erfolgen an den Europa-, Weltmeisterschaften oder an den Olympischen Spielen konnte  ich ihm eine kurze Antwort geben. Der letzte Teilnehmer war Ruedi Vogel vom Boxclub Basel in München 1972. Seither kam niemand mehr in den Genuss von Auszeichnungen. Die Baslerin Sandra Brügger bleibt die einzige aktive sportliche Referenz. Sie holte Silber an der Europameisterschaften und gewann zahlreiche kleinere Turniere. Bei diesem geplanten Vergleichskampf wird sich jedoch das Basler Team besonders vorbereiten und mit Bestimmtheit mit Herz Kämpfen und dem russischen Gegner alles abverlangen.

Zum Abschluss unseres Treffens fragte mich Lagutin, welche Sehenswürdigkeit oder Ereignis mir von Moskau am meisten Eindruck gemacht hätten. Ich überlegte kurze und sagte ihm, dass es unbestritten das gemeinsame Treffen war, worauf er kurz schmunzeln musste, mir die Hand reichte und sichtlich erfreut war.  Zum Abschluss gab es noch den obligaten Austausch von Wimpel und Pin’s. Seit heute hängt ein Bild des Boxclubs Basel in der Moskauer Sammlung.

Ob Boris Lagutin uns beim Städtekampf am 20.Oktober 2012 in Basel besuchen wird ist noch offen, seine Boxstaffel wird ihn mit Sicherheit ehrenvoll vertreten.




 




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