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Pacquiao verliert Titel. Skandalurteil in Vegas

10.06.2012 - Das in Las Vegas abgehaltene Duell zwischen Manny Pacquiao (54-4-2, 38 K.o.’s) und Timothy Bradley (29-0, 12 K.o.’s) sorgte für die bislang mit Abstand größte Überraschung in diesem Jahr. Nach einer eigentlich recht dominanten Vorstellung Pacquiaos, für die es vom übertragenden Sender HBO auch großes Lob gab, war es – für die meisten Zuschauer unverständlich – aber der krasse Außenseiter Bradley, der auf zwei von drei Punktezetteln am Ende voran lag.

Bradley (l. im Bild) war eigentlich recht gut in die erste Runde gestartet, kassierte aber gegen Ende drei harte linke Gerade des 33-jährigen WBO-Champions, die Pacquiao die Runde gesichert haben dürften. In der zweiten Runde kam es einige Male zum Schlagabtausch, es war aber klar sichtbar, dass Pacquiaos Treffer bei weitem mehr Schaden anrichteten. Auch in der dritten Runde brachte Pacquiao die klar härteren Schläge ins Ziel, besonders die linke Gerade kam gegen den sehr aufrecht boxenden Bradley immer wieder durch.

In der vierten Runde war Bradley nach einer Kombination Pacquiaos in leichten Schwierigkeiten, der Amerikaner knickte dabei bei einem unglücklichen Schritt mit dem rechten Knöchel ein, was auf den Kampf aber keine große Auswirkungen haben sollte. Auch in der fünften Runde hatte Bradley, der sich nun erstmals zurückdrängen ließ, wieder sichtbare Probleme, überstand die Situation aber mit Klammern.

In der sechsten Runde hielt sich Pacquiao in den ersten zwei Minuten noch etwas zurück, drehte aber gegen Ende so richtig auf und sollte sich damit auch diesen Durchgang gesichert haben. In der siebten Runde suchte Bradley erneut den Schlagabtausch, was gegen den klar härteren Puncher Pacquiao aber keine besonders gute Idee war. Bradleys ansonsten unerschütterliches Selbstvertrauen schien einen ersten Knacks abbekommen zu haben, in seiner Ecke herrschte bereits leichte Panik.

Die achten Runde verlief etwas ausgeglichener, da sich beide Boxer mehr oder weniger eine Auszeit nahmen. Im neunten Durchgang hatte Bradley im Schlagabtausch erstmals nennenswerten Erfolg, die härteren Treffer schienen aber erneut von Pacquiao zu kommen. Die zehnte Runde war die erste Runde, die man guten Gewissens Bradley geben konnte, der 28-Jährige kam einige Male sehr gut mit seinen Kontern durch und landete erstmals in einer Runde mehr Treffer.

In der elften Runde jagte Pacquiao aber seinen Gegner wieder durch den Ring und versuchte, mit seiner Linken den K.o.-Schlag zu landen. Die zwölfte Runde lief hingegen für Bradley, der sich nun deutlich seltener von Pacquiao treffen ließ, wieder recht gut. Das Team von HBO hatte an dieser Stelle mit einem klaren Punktsieg gerechnet, der erfahrene ehemalige Punktrichter Harold Lederman hatte Pacquiao die zwölfte Runde gegeben und den Kampf 119-109 gewertet. Die drei Punktrichter hatten jedoch einen komplett anderen Kampf als die meisten anderen Beobachter gesehen: Punktrichter Jerry Roth hatte den Kampf 115-113 für Pacquiao gewertet, beim Verlesen des Urteils der relativ unerfahrenen Punktrichterin C.J. Ross (115-113 für Bradley) ging bereits ein lautes Raunen durchs Publikum. Als auch noch der dritte Punktrichter Duane Ford den Kampf bei Bradley gesehen hatte (115-113), war die Sensation schließlich komplett und laute Buhrufe hallten durch den Saal.

Auch Manny Pacquiao verstand bei diesem ungerechten Urteil die Welt nicht mehr und schüttelte nur ungläubig seinen Kopf. Jemand, der aber nicht sonderlich entsetzt zu sein schien, war Promoter Bob Arum, der nun das von Bradley für November angekündigte Rematch auf die Beine stellen wird. Das von allen Boxfans weltweit ersehnte Mega-Duell zwischen Pacquiao und Floyd Mayweather Jr. ist damit fürs Erste wohl vom Tisch und könnte erst frühestens im Frühjahr 2013 kommen.

“Es war ein guter Kampf, es gab viele enge Runden”, sagte Bradley im Interview mit HBO. “Ich habe die späten Runden mit meinem Jab dominiert. Ich muss mir das Video ansehen, um zu sehen, ob ich wirklich gewonnen habe. Manny ist ein starker Puncher, er hat mich einige Male ordentlich durchgerüttelt. Ich bin aber stehengeblieben und habe gefightet. Das ist Boxen. Wir können nun am 10. November ein Rematch machen. Ich bin nicht zufrieden, man kann in der Halle die Buhrufe hören. Alle hier glauben, dass ich verloren habe. Lasst es uns also nochmal machen.”

Pacquiao nahm das merkwürdige Urteil einigermaßen gefasst auf. “Ich respektiere das Urteil der Punktrichter, das ist Teil des Sports”, so der Philippino, der nun möglicherweise seine Position an der Spitze der Pound-for-Pound-Ranglisten einbüßen wird. “Ich habe mein Bestes gegeben, es war aber nicht gut genug. Bradley hat sich gut geschlagen, ich respektiere ihn.” Auf ein mögliches Rematch angesprochen meinte der Philippino:  “Kein Problem.” © adrivo Sportpresse GmbH

  




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