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Klitschko deklassiert schwachen Thompson

Nach 2’56 in der sechsten Runde kam für den Herausforderer aus Washington DC das vorzeitige Aus. Nachdem Thompson schon in der fünften Runde erstmals angezählt werden musste, war der Sieg für Wladimir Klitschko nur noch eine Formsache. Thompson konnte die angekündigten Leistungen in keiner Runde bestätigen und brachte den Weltmeister nicht ein einziges Mal mit seiner linken Schlaghand in Verlegenheit. Obschon Klitschko unter dem linken Auge nach einem Jab leicht gezeichnet war, endete der Kampf als ungleiches Gefecht. Selbst wenn der legendäre Klitschko-Trainer Emanuel Steward (der gleichentags seinen 68. Geburtstag feiern durfte) die Leistungen der Kontrahenten in der abschließenden Medienkonferenz mit dem Hinweis auf den Kampfrekord Thompsons positiv relativierte, darf man sich füglich fragen, ob die Klitschkos im Moment tatsächlich über valable Gegner verfügen. Der Stimmung in der Halle tat dies aber keinen Abbruch. Den 22'000 Zuschauern (Zuschauerrekord für die Schweiz) im Stade de Suisse wurde eine gute Show geboten, die zudem durch teilweise gute Leistungen der Schweizer Vorkämpfe positiv abgerundet wurde.   Aniya Seki, Schweiz, (55 kg, 20-2-2) vs. Eva Marcu, Rumänien, (55 kg, 7-5-0) Für einen ersten Höhepunkt sorgte die Bernerin aus dem Stall der Boxing Kings, die in überzeugender Manier die Titel der Verbände WIBF (Women’s International Boxing Federation) und GBU (Global Boxing Union Female) in die Schweiz holte. Nach einem etwas nervösen Start und nach klaren und harten Treffern von Marcu (Nasenbein von Seki) nahm Aniya Seki das Heft in die Hand, überzeugte mit technisch gutem Boxen und setzte die Rumänin Runde für Runde derart unter Druck, dass ihr der Sieg nicht mehr zu nehmen war. Die Jury bestätigte dies mit einem klaren Punktsieg: Otto Lorenz 99:92; Iko Bebic 99-93, Bernd Hupfer 99:92. Herzliche Gratulation Aniya Seki!   Tony Harrison, USA, (70 kg, 8-0-0) vs. Flavio Turelli, Schweiz, (70 kg, 10-6-2) Dass Meistertrainer Emanuel Steward den 21-jährigen Shooting Star aus Detroit nicht zufälligerweise nach Europa mitbrachte, bewies der US-Amerikaner mit vernichtenden Folgen für den Schweizer. Harrison, der als Neo-Profi alle seine bisherigen Kämpfe durch KO gewonnen hatte, setzte auch Turelli bereits nach 1.23 in der ersten Runde schachmatt. Ringrichter Fabian Guggenheim nahm den in der Ringecke angeschlagenen und kampfunfähigen Mann aus Montreux mit einem TKO aus dem Gefecht. Nach dem Kampf war Turelli schwer enttäuscht und glaubte nicht, dass seine kurzfristige Inaktivität den vorzeitigen Kampfabbruch wirklich gerechtfertigt habe. Er hätte gerne mehr gezeigt und verließ deprimiert die Arena. Den Namen Harrison wird man sich aber merken müssen.   Istvan Szili, Schweiz, (72, 2 kg, 16-0-0) vs. Daniel Urbanski, Polen, (71,8 kg, 21-10-3) Für ein absolutes Highlight sorgte der ungeschlagene Frenkendorfer. Gegen den soliden und erfahrenen Polen bewies er eine Klasse, die für die Schweiz Seltenheitswert hat. Urbanski, der 2007 gegen Blas-Miguel Martinez und 2008 gegen Yves Studer angetreten war und keineswegs inferior den Kürzeren zog, hatte gegen Szili keine Chance. Weniger das Resultat, als vielmehr die Tatsache, wie es zustande kam, sprechen für die Leistung von Szili. Mit perfektem Timing, dem für Profis unabdingbaren Rhythmuswechsel und vor allem mit variablen Serien liess er den künftigen Champion erahnen. Über die ganze Kampfdistanz begeisterte Szili mit wirklich gutem Boxen. Kein Wunder also, dass Manager Nic Proschek für seinen Schützling grosse Pläne hat. Das Verdikt der Jury war eindeutig: Iko Bebic 80:70; Fabian Guggenheim 80:70; Pierre-André Schneeberger 80:70   Nuri Seferi, Schweiz, (90,3 kg, 32-6-0) vs. Giulian Ilie, Italien, (88.2 kg 18-6-2) Für einen weiteren Höhepunkt des Abends sorgte der Burgdorfer Nuri Seferi. Nachdem einer Operation, die ihn längere Zeit ausser Gefecht setzte, meldete er sich beeindruckend zurück. Dabei war seine Aufgabe alles andere als einfach: mit Giulian Ilie stand ein Mann im Ring, der schon Hoffnungsträger bezwungen hat, wie zuletzt Salvatore Erittu aus Italien. Dementsprechend ging es auch von Beginn weg hart zur Sache: Seferi teilt aus, musste aber auch nehmen und bald war klar, dass es keine einfache Aufgabe sein würde, den Rumänen aus Italien zu bezwingen. Entscheidend waren einmal mehr die seltenen Profigene, die den Burgdorfer auszeichnen und ihn zum Liebling  nicht nur der Fans, sondern auch der kritischen Presse machen: mit untrüglichem Ringinstinkt, risikoreichem Vorwärtsmarschieren und harten Serien erkämpfte er sich einen Sieg, auf den er zu Recht stolz sein darf. Auch eine höchst zweifelhafte Wertung des deutschen Punktrichters Egidio Piseddu (der Italiener war zweimal am Boden und musste zweimal angezählt werden) konnte nach acht Runden am Resultat keinen Zweifel lassen: Gelungenes Comeback von Nuri Seferi. Die Wertung nach Punkten: Egidio Piseddu 77:77; Beat Hausammann 78:72; Pierre-alain Schneeberger 78:73. Ueli E. Adam, AP Promotion Boxing News


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