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London 2012 – Die Finalkämpfe vom Sonntag

13.08.2012 – Die olympischen Wettkämpfe im Boxen fanden gestern Nachmittag in der einmal mehr bis auf den letzten Platz ausverkauften ExCel-Arena in London ihren Abschluss. Gekämpft wurde um die Goldmedaillen in den Gewichtsklassen Fliegen, Leicht, Welter, Halbschwer und Superschwer. Olympischer Champion in der Königsklasse wurde die grosse britische Hoffnung Anthony Joshua. Es ist zu vermuten, dass er künftig im Preisring für Furore sorgen wird.

Bericht von Jack Schmidli



Robeisy Ramirez Carrazana aus Kuba ist Goldmedaillengewinner im Fliegengewicht (52kg)

Beide Boxer wussten, worum es ging, als sie nach dem ersten Gongschlag in den Kampf stiegen, denn den höchsten Titel im Eliteboxsport gewinnt man nicht alle Tage. Dementsprechend determiniert gingen die beiden Kombatanten zu Werke. Obschon der 30-jährige Mongole Tugstsogt Nyambayar einige gute Treffer ins Ziel brachte, konnte der erst 18-jährige Robeisy Ramirez Carrazana aus Kuba den ersten Durchgang mit 6:5 für sich entscheiden. Die zweite Runde wurde unentschieden gewertet und im letzten Drittel des Kampfes zeigte Ramirez Carrazana all sein brillantes Können und siegte schliesslich klar mit dem Gesamtscore von 17:14.

Goldmedaille: Robeisy Ramirez Carrazana (Kuba)
Silbermedaille: Tugstsogt Nyambayar (Mongolei)
Bronzemedaillen: Misha Aloian (Russland) und Michael Conlan (Irland)



„Pound4Pound-King“ Lomachenko wird seiner Favoritenrolle gerecht. Er holt Gold im Leichtgewicht (60kg)

Der 24-jährige Vasyl Lomachenko (Ukraine), der im bisherigen Turnierverlauf souverän agierte und als klarer Favorit in den Kampf gegen den Südkoreaner Soonchul Han stieg, dominierte die erste Runde fast nach Belieben und gewann diese mit 7:2. In der zweiten Runde konnte sich Han etwas besser in Szene setzen, zumindest musste er lediglich einen Punkt an den Olympiasieger im Federgewicht von 2008 abgeben. Doch in der letzten Runde legte der Ausnahmeboxer aus der Ukraine nochmals zu und gewann klar mit 19:9.

Goldmedaille: Vasyl Lomachenko (Ukraine)
Silbermedaille: Soonchul Han (Südkorea)
Bronzemedaillen: Yasniel Toledo Lopez (Kuba) und Evaldas Petrauskas (Litauen)



Der Champion im Weltergewicht (69kg) kommt aus Kasachstan

Eigentlich galt Europameister Fred Evans (Grossbritannien) im Kampf gegen Serik Sapiyev dank dem Umstand, dass er den Topfavoriten aus dem Turnier warf, als leichter Favorit. Doch der Kasake liess sich davon nicht beeindrucken. Mit grosser Vehemenz und einer Vielzahl von Schlägen attackierte er seinen Gegner unablässig und machte mächtig Druck, sodass sich Evans fast ausschliesslich auf die Verteidigung konzentrieren musste. Der zweite Durchgang spielte sich sehr ähnlich ab und der 2-fach-Weltmeister aus Kasachstan lag vor der Schlussrunde bereits mit 10:5 vorne. Zwar versuchte sich der Rechtsausleger aus Grossbritannien in der dritten Runde nochmals aufzubäumen, doch sein 28-jähriger Gegner dominierte bis zum Schluss, liess Evans keine Chance und siegte klar mit 17:9. Der Kaske nach dem Kampf: „Ich bin überwältigt. Auf diesen Moment habe ich lange gewartet. Nach meinem Ausscheiden in Peking vor vier Jahren galt meine ganze Aufmerksamkeit sofort den Olympischen Spielen in London“. Sapiyev wurde von den akkreditierten Medienleuten mit der „Val Barker Trophy“ als bester der Boxer des Turniers ausgezeichnet.

Goldmedaille: Serik Sapiyev (Kasachstan)
Silbermedaille: Fed Evans (Grossbritannien)
Bronzemedaillen: Taras Shelestyuk (Ukraine) und Andrey Zamkovoy (Russland)



Mekhontcev sichert sich Gold im Halbschwergewicht (81kg)

Der Favorit für den Titel, Egor Mekhontcev aus Russland, übernahm gegen Adilbek Niyazymbetov (Kasachstan) unmittelbar nach dem ersten Gongschlag die Initiative. Seine Angriffe wurden aber vom Gegner immer wieder abgekontert und Niyazymbetov konnte die erste Runde mit 4:3 für sich entscheiden. Doch in der zweiten Runde zeigten die Angriffsbemühungen des AIBA-Weltmeisters von 2009 erste Erfolge, denn Mekhontcev kam mit einigen kraftvollen Schlägen durch die Deckung seines Gegners. Im dritten Durchgang kämpften beide Weltklasseathleten von der Ringmitte aus Fuss an Fuss und versuchten, den Sieg zu erzwingen. Am Schluss stand das Score bei 15:15. Auch nach der Nachzählung konnte kein Sieger ermittelt werden, sodass sich die Punktrichter gemäss Reglement für einen der beiden Boxer entscheiden mussten. Der Sieg wurde schliesslich Mekhontcev zugestanden, womit Russland an den diesjährigen Olympischen Spielen wenigstens eine Goldmedaille gewinnen konnte.

Goldmedaille: Egor Mekhontcev (Russland)
Silbermedaille: Adilbek Niyazymbetov (Kasachstan)
Bronzemedaillen: Esquiva Falcao Florentino (Brasilien) und Oleksandr Gvozdyk (Ukraine)



Spannung pur im Superschwergewichtsduell (91kg+). Anthony Joshua löst Roberto Cammarelle als Olympiasieger ab

Der Lärmpegel stieg fast ins Unermessliche, als der Ringsprecher die beiden Finalisten der Königsklasse, Anthony Joshua (Grossbritannien) und Roberto Cammarelle (Italien), 2-fach-Weltmeister und Olympiasieger von Peking, in den Ring rief. Der 22-jährige Joshua startete gut in den Kampf, musste aber gegen Ende der ersten Runde einige brenzlige Momente und einen Rückstand von einem Punkt in Kauf nehmen. Auch im zweiten Durchgang schien Joshua mächtig Respekt vor dem 10 Jahre älteren Italiener zu haben. In der dritten Runde waren die beiden Protagonisten – und auch das Publikum – nicht mehr zu halten. Joshua setzte seine letzten Kräfte frei, landete nacheinander vier präzise Treffer und holte den Punkterückstand aus den ersten beiden Runden auf. Am Schluss stand das Score bei 18:18 und nach der Detailauswertung wurde Anthony Joshua zum Olympiasieger im Superschwergewicht erklärt. Nicht alle Beobachter waren mit der Entscheidung einverstanden. Doch von einem Fehlurteil kann nicht die Rede sein. An diesem Nachmittag hätten wohl beide Boxer den Sieg verdient.

Joshua schlüpft nach seinen Triumph nun in die Fussstapfen von Joe Frazier, Georg Foreman und Lennox Lewis, welche ebenfalls Gold an Olympischen Spielen (Frazier 1964 in Tokyo, Schwergewicht, Foreman 1968 in Mexiko, Schwergewicht, und Lewis 1988 in Seoul, Super-Schwergewicht) erkämpften. Cammarelle darf sich damit trösten, dass er nach dem Gewinn der Silbermedaille nun über einen kompletten olympischen Medaillensatz verfügt (Bronze in Athen, Gold in Peking).

Goldmedaille: Anthony Joshua (Grossbritannien)
Silbermedaille: Roberto Cammarelle (Italien)
Bronzemedaillen: Ivan Dychko (Kasachstan) und Magomedrasul Medzhidov (Asarbeitschan)=

  




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