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Johnson rehabilitiert

Jack Johnson: Späte Gerechtigkeit für schwarzen Champion

01.08.2009 - Jack Johnson war vor 100 Jahren der erste schwarze Schwergewichts-Boxweltmeister. Seine Schwäche für weisse Frauen brachte ihn zu Fall. Jetzt soll US-Präsident Barack Obama ihn posthum rehabilitieren.


Jack Johnson (1878-1946) war der erste schwarze Schwergewichts-Weltmeister

2008 wurde Barack Obama als erster Schwarzer zum US-Präsidenten gewählt. Exakt 100 Jahre zuvor hatte Jack Johnson eine andere Rassenschranke überwunden: Er war der erste schwarze Boxweltmeister im Schwergewicht. Jetzt liegt auf Obamas Schreibtisch ein Antrag auf posthume Rehabilitierung Johnsons, der am Mittwoch vom Repräsentantenhaus angenommen wurde, nachdem der Senat bereits zugestimmt hatte.


Der «Kampf des Jahrhunderts»: Jack Johnson (r.) gegen James Jeffries

Der Texaner, der als «Galveston Giant» bekannt wurde, gilt bis heute als Ausnahme-Boxer, eine perfekte Verbindung von Kraft und Technik. Lange bemühte er sich vergeblich um einen Titelkampf. Im von Weissen dominierten Boxsport weigerten sich viele, gegen den «Nigger» anzutreten. Am 26. Dezember 1908 gelang es ihm, den kanadischen Weltmeister Tommy Burns in Sydney (Australien) zu besiegen und den Titel zu erobern.

«Kampf des Jahrhunderts»

Der Aufschrei war gewaltig. Rufe nach der «grossen weissen Hoffnung» wurden laut, die den Titel von Johnson zurückholen sollte. Schliesslich wurde der frühere Weltmeister James Jeffries aus dem Ruhestand zurückgerufen. Am 4. Juli 1910 – dem amerikanischen Nationalfeiertag – fand in Reno der erste «Kampf des Jahrhunderts» statt.

Die mehr als 20 000 fast ausschliesslich weissen Zuschauer deckten Jack Johnson mit rassistischen Schmähungen ein. «Töte den Nigger!» wurde Jeffries etwa angefeuert. Doch der Champion liess sich nicht beeindrucken. Nach 15 Runden warfen Jeffries' Leute das Handtuch. Die Menge tobte, und in der Folge kam es im ganzen Land zu Übergriffen von Weissen auf Schwarze. Mehr als 20 Menschen starben, fast ausschliesslich Afroamerikaner.

Teure Autos und weisse Frauen

Jack Johnson dachte nicht daran, sich den Anfeindungen zu beugen. Er provozierte vielmehr damit, dass er seinen Erfolg in vollen Zügen auskostete. Er fuhr teure Autos, und er hatte eine Schwäche für weisse Frauen. Dies wurde ihm zum Verhängnis: 1912 wurde er verhaftet, basierend auf einem Gesetz, dass es unter Strafe stellte, mit einer Frau die Grenze zweier Bundesstaaten zu «unmoralischen Zwecken» zu überqueren.

Eine Prostituierte und Ex-Geliebte wurde dazu gebracht, gegen Johnson auszusagen. 1913 wurde er von einem rein weissen Geschworenengericht zu einem Jahr Gefängnis verurteilt. Johnson flüchtet und boxte in Europa und Lateinamerika. 1915 verlor er mit 37 Jahren den Weltmeistertitel in Havanna. 1920 stellte er sich den US-Behörden und sass zehn Monate im Gefängnis. Danach versuchte er sich ohne grösseren Erfolg weiter als Boxer. 1946 starb Jack Johnson mit 68 Jahren bei einem Autounfall.

McCain für Rehabilitierung

Seit Jahren gibt es Bestrebungen, den einstigen Champion zu rehabilitieren. Zwei Republikaner brachten schliesslich eine Resolution im Kongress ein: Senator John McCain – der letztjährige Gegenkandidat von Barack Obama – und der New Yorker Abgeordnete Peter King, der zuletzt die Schwarzen damit verärgert hatte, dass er Michael Jackson nach seinem Tod als «Pädophilen» bezeichnet hatte.

Im Repräsentantenhaus machte sich King stark für den «Wegbereiter» Jack Johnson, «dessen Boxerkarriere verkürzt wurde durch ungerechte Gesetze und eine rassistische Strafverfolgung». Niemand zweifelt daran, dass Barack Obama die Rehabilitierung unterschreiben wird für «einen stolzen Boxer, dessen einzige Sünde die Verachtung von Vorurteilen und Ignoranz war», so der britische «Independent». Peter Blunschi

 

 

 


 

 

 




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