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Sofiane Sebihi kehrt in Genf auf Siegesstrasse zurück

Bericht von Gérald Kurth (Text) und Deborah Polasek (Fotos)

27.01.2013 - Nach einem Zwischentief Ende 2012 (Niederlagen gegen zwei allerdings hochklassige Gegner) ist der in Carouge ansässige Algerier Sofiane Sebihi auf die Siegestrasse zurückgekehrt. Jozsef Orsos, sein aus Ungarn angereister Gegner, machte ihm die Aufgabe vor heimischem Publikum allerdings auch nicht allzu schwer. Es war absehbar, dass Sebihis präzis zwischen die Deckung geschlagene einzelne Hände und regelmässige Körperhaken bald zum Ziel führen würden.

Sofiane Sebihi (l.) besiegt seinen Aufbaugegner Jozsef Orsos durch Technischen K.o. in der 3. Runde

Und so kam es denn auch: Nachdem Orsos nach genau gesetzten Schlägen zu Kopf und Körper zweimal zu Boden gegangen war, legte er sich nach einem Leberhaken in der dritten Runde endgültig hin. Ringrichter Pierre-Alain Schneeberger blieb nichts anderes übrig, als den Kampf vorzeitig abzubrechen. Sebihi bekam diesmal aus Aufbaugründen berechtigterweise keinen wirklich starken Gegner vorgesetzt. Dennoch war deutlich zu spüren, dass er an seinen Ambitionen auf einen europäischen Titelkampf im Halbschwergewicht festhält und in absehbarer Zeit die Gelegenheit dazu erhalten könnte. Sebihi macht gegenwärtig Halt bei 20 Siegen in 24 Kämpfen.

Auch wenn der Hauptkampf sportlich keine Begeisterungsstürme erzeugte, erlebte das Genfer Publikum einen weiteren, vom Boxing Club Genevois bestens organisierten und atmosphärisch stimmigen Kampfabend. Der BCG ist zum zweiten Mal mit dem Hotel Ramada Encore in Carouge eine Kooperation eingegangen, die sich klammheimlich zum Erfolgsmodell mausert. Der von Präsident Ilario Luongo, Chefcoach Samir Hotić und vielen freiwilligen BoxerInnen des BCG organisierte und betreute Event fand diesmal vor fast ausverkauften Rängen statt. Dies beweist eindrücklich, dass spürbare Begeisterung und Einsatz seitens der Beteiligten Publikum und Sponsoren anlocken können. Und auch die mediale Resonanz liess sich sehen: Neben der Télévision Suisse Romande standen Vertreter sämtlicher Printmedien am Arc Lémanique im Einsatz.

Die weiteren Profikämpfe

-65 kg:

Ornella Domini (CH/ITA) vs. Daniela Bickei (SRB)

Die Lokalmatadorin Domini trat zu ihrem Début als Professional an. Und erledigte ihre Arbeit insgesamt sehr gut, auch wenn die Ungarin aus Serbien keine ebenbürtige Gegnerin war: Bickei ging mehrmals zügig zu Boden, auch wenn die Schläge offensichtlich keine Wirkungstreffer waren. In der dritten Runde des auf sechs Runden angesetzten Kampfs war denn auch schon Schluss, Bickei konnte oder wollte nicht mehr weitermachen.

Strahlende Siegerin nach überzeugender Vorstellung: Italo-Eidgenossin Ornella Domini

Trotz ihrer nicht wirklich kampfeswilligen Gegnerin ist die Entwicklung Dominis seit ihren letzten Auftritten als Amateurin beeindruckend: Sie wirkte sehr beweglich, topfit und gleichzeitig druckvoll. Dass sie zu Beginn die Phase des gegenseitigen Abtastens unnötig lange ausdehnte, ist mit einer gewissen Nervosität im ersten Profikampf zu erklären. Sobald sie aber begann, ihre einfachen Links-Rechts-Kombinationen zu Kopf und Körper zu schlagen, begann sie zu punkten. Domini hat durchaus das Potenzial, sich unter Coach Hotićs Führung zu einer neuen Attraktion im ganzen Schweizer Boxsport zu entwickeln.

-76 kg:

Enes Zećirević (CH/BiH) vs. Férenc Zold (UNG)

Der beim BC Bad Ragaz beheimatete Bosnier machte nicht den erwarteten kurzen Prozess mit seinem nicht austrainierten Gegner aus Ungarn. Zećirević klingelte zwar Zold schon in der zweiten Runde mit einer harten Serie kräftig an. Obwohl der Ungare sichtlich beeindruckt war, verpasste es Zećirević in den darauf folgenden Runden, den Sack zuzumachen. So dauerte es bis in die siebte Runde, bis Zold nach zweimaligem Anzählen in der Ringecke stehend k.o. ging und zurecht aus dem Kampf genommen wurde.

Hat noch Entwicklungspotenzial: Der schlagstarke Enes Zećirevićs (r.) im Kampf gegen Férenc Zold

Zećirevićs durchgezogenes Konzept überzeugte ebenso wie das sichtbare Bewusstsein, den Kampf jederzeit zu kontrollieren. Dennoch vernachlässigt der Rheintaler die Arbeit mit Beinen und dem Oberkörper. Zećirević kann zwar, das hat sich mittlerweile weit herumgesprochen, mit einem Schlag jeden Gegner ausknocken, bleibt aber aufgrund seiner statischen Kampfanlage ohne Überraschungsmomente und darum berechenbar. Bringt er mehr Variabilität in seine Schläge und besonders in die Arbeit mit dem Körper, verschafft er sich gegen zukünftige Gegner mit Sicherheit sofort mehr Gelegenheiten, um seinen enormen Punch gewinnbringend auszunutzen.

Weitere Elite- und Amateurkämpfe

- 57 kg :

Sandra Roulet (BCG) vs. Eva Abate (Boxing Club Octodure)

Die beiden Boxerinnen boten ein Match, das zwar technisch nicht immer hochstehend war. Umso mehr rissen Roulet und Abate aber die Zuschauer mit ihrem Kampfeswillen mit, den sie während vier Runden ohne Unterlass bewiesen. Beide waren gewillt, über die Leistungsgrenze zu gehen und hatten sich am Ende dementsprechend verausgabt. Das Unentschieden war der gerechte und verdiente Lohn für eine jederzeit faire Darbietung. Am Anfang sah es allerdings nicht nach einem solchen Kampfausgang aus: Zu aggressiv, zu dominant trat die einheimische Roulet in den ersten beiden Runden auf. Sie schlug härter und öfter. Abate aber setzte dazwischen aber immer wieder gute Konter, vor allem zum Körper. Ab der dritten Runde entwickelte sich ein hoch intensiver Schlagabtausch, in dem die beiden Frauen sämtliche taktische Zurückhaltung fallen liessen und beherzt die Offensive suchten. Das Publikum hatte zurecht seine helle Freude daran.

- 81 kg :

Dardan Ismajli (BCG) vs. Jérémie Claden (Boxe Olympique Cernay, FRA)

Der Genfer liess dem Gastboxer aus Frankreich von der ersten Sekunde an keine Chance. Ismajli überzeugte in fast jeder Beziehung: Er umschlich seinen Gegner, arbeitete sich mit dem Jab permanent an diesen heran, um dann in längeren Abständen seine knallharte Rechte unterzubringen. Distanzgefühl, Punktevorbereitung, Abschluss: bei Ismajli stimmte alles. Schon in der ersten Runde tat er Claden ziemlich weh. Dieser konnte sich aber dank dem Gong in die erste Pause retten. Bald wurde Claden nach einer harten Serie von Ringrichter Fabian Guggenheim wieder angezählt. Der Kampf wurde trotzdem noch einmal freigegeben. Erst nachdem Ismajli erneut eine Salve harter Körper- und Kopftreffer abgefeuert hatte, flog das Handtuch durch den Ring. Die Aufgabe kam im letztmöglichen Augenblick, denn Claden war, obwohl er nicht zu Boden ging, schon verteidiungsunfähig.

- 69 kg :

Stefano Ciriolo (Ring Star de Vernier) vs. Loris Barberio (Boxe Olympique Cernay, FRA)

Der Genfer Ciriolo, mittlerweile ein erfahrener Eliteboxer, zeigte sich in ebenso guter Verfassung wie sein Kontrahent aus Frankreich. Auch Barberio verriet eine solide Schule: Distanzgefühl und harte Konter mit langen Händen zeichneten ihn aus. Am Mann hingegen schlug er jedoch immer mal Innenhände, die ungeahndet blieben. So lag er am Ende der zweiten Runde nach Punkten in Führung, obwohl Ciriolo im Vorwärtsgang war und den Kampf optisch dominierte. Im Schlagabtausch im Ringeck kniete dann aber Barbero nach einem Treffer mit schmerzverzerrtem Gesicht zu Boden. Der Gong zur dritten Runde erfolgte zwar noch, aber der Franzose musste umgehend aufgeben: Seine linke Hand war gebrochen, ein Weitermachen definitiv nicht mehr möglich. Die verletzungsbedingte Aufgabe beendete einen athletischen und harten Kampf leider vorzeitig.

 




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