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Von der Backstube an den Boxring

Basler Zeitung – Daniel Aenishänslin

Frenkendorf – Der neue Trainer des Schweizer Damen-Nationalteams heisst Michael Sommer. Der 40-jährige Frenkendörfer folgt auf den Basler Angelo Gallina. Sommer betreut bereits den Schweizer Nachwuchs. Stützpunkt der Boxerinnen-Elite wird das Noble Art Boxing Center in Frenkendorf, das schon dem Nachwuchs als Stützpunkt dient. Das Noble Art Boxing Center ist das aktuell modernste der Schweiz.

YB-Fan Michi Sommer (r.) mit Scott Chipperfield

«Ziel ist es, einigermassen den Anschluss an andere Nationen Europas herzustellen und möglichst jemanden an olympische Spiele zu führen», sagt Sommer, «ob das nun schon 2016 ist oder erst 2020.» Im Moment ist sein Kader nicht gerade gross. Mit Sandra Brügger, Evelyne Ziegler und Anaïs Kistler figurieren nur drei Athletinnen darin. «Über mehr Boxerinnen von internationalem Niveau verfügt die Schweiz heute noch nicht», erklärt Michael Sommer. Im Hinterkopf dürfte er jedoch bereits die 14-jährige Eliana Pileggi haben, die er betreut seit sie sechs Jahre alt war und der er grosses Talent bescheinigt.

Sommer ist kein klassischer Box-Zampano. Im Boxring stand er nie. Kickboxen, Karate und Judo hingegen betrieb er wettkampfmässig. Schnell war er als Jugendlicher auf den Ski unterwegs. Als Zehnjähriger spielte er im FC Wabern mit einem gewissen Andres Gerber, der später vier Spiele für die Nationalmannschaft machen sollte und heute Sportlicher Leiter des FC Thun ist. Das war zu jener Zeit, als er auch für Marzili Bern Eishockey spielte und in zwei Turnvereinen gleichzeitig war. Er versuchte sich in Breakdance und Kart-Rennen. Letzteres, weil er nach einem Autounfall dachte, er können andere Sportarten nicht mehr ausüben. Sein linkes Fussgelenk ist seit diesem Vorfall versteift. Michael Sommer ist vielseitig, arbeitet nicht nur als Box-, sondern auch als Fitnesstrainer. «Vom Boxen alleine kannst du in der Schweiz nicht leben.»

Seinen erlernten Beruf musste Sommer 2008 an den Nagel hängen. Der Bäckermeister musste wegen einer Mehlallergie das Handtuch werfen. Da traf es sich prächtig, dass er vor neun Jahren mit 15 Kollegen den Verein Noble Art Boxing Frenkendorf ins Leben gerufen hatte. Die Boxkurse waren bestens belegt, die Kindertrainings genauso. Sommer brachte zu dieser Zeit schon Schweizermeister Fabian Hartmann heraus. Später arbeitete er mit Blas-Miguel Martinez oder dem ungarischen Profi Istvan Szili. «Früher wollte ich nie mit Profis zusammenarbeiten», erinnert sich Michael Sommer. Aber zu Szili mit seinen über 300 Amateurkämpfen in den Fäusten, seinem eisernen Trainingswillen habe er nicht nein sagen können. «So einen Boxer findest du in der Schweiz kaum», sagt Sommer, «es war eine gute Lehre für mich.»

Sommer ist ein Zeitgenosse mit klaren Vorstellungen. Versteht sich, dass der ehemalige Bäcker Brot nur in der Bäckerei kauft, das Fleisch in der Metzgerei und den Käse in der Käserei. Klare Vorstellungen hatte er auch davon, wie sein Stützpunkt auszusehen hat. Und beinahe wäre der im aargauischen Spreitenbach gelandet. Geschäftspartner Gregor Stadelmann wollte ihn dorthin locken. Das Zünglein an der Waage für den Verbleib in Frenkendorf spielte das Baselbieter Sportamt. Während die Zuständigen in Aarau wenig Gehör für das Konzept der beiden entwickelten, «motivierten uns die Baselbieter und unterstützten uns zudem mit guten Ideen».

Vor 30 Jahren stieg Sommer oft mit seinem Bruder in den Estrich hinauf, wo sie gemeinsam mit ihren ersten Handschuhen ihren ersten Sandsack bearbeiteten. Inzwischen gehts hinunter in den Keller, wo an der Zukunft des Schweizer Boxsports geschliffen wird. Ein Aufstieg ist es dennoch.




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