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Boxszene geht neue Wege

Neue Luzerner Zeitung Online, 5. März 2013

Einer der Lichtblicke der Luzerner Boxszene: Mit einem Finalsieg gegen Christian Silva Ramos wurde Attila Varga (rechts) Schweizer Meister in der Kategorie Jugend bis 63 Kilo. (Bild: Kurt Grüter)


In Luzern finden die Schweizer Jugend-Meister­schaften von Swiss Boxing statt. Sie bestätigen, dass in der Innerschweiz Steigerungspotenzial vorhanden wäre.

Kurt Grüter

Der Krienser Jack Schmidli (55), seit 2006 Präsident der Technischen Kommission von Swiss Boxing und an den Schweizer Jugend-Meisterschaften in Luzern Delegierter des Verbandes, bringt es auf den Punkt. «Boxen ist und bleibt bei uns wohl immer eine Randsportart. Damit müssen wir leben.»

Das heisst nun aber nicht, dass der Faustkampf nicht eine stattliche Anhängerschaft hat. In der Schweiz gibt es aktuell 90 Boxklubs mit durchschnittlich 100 Mitgliedern. «Dabei müssen wir unterscheiden zwischen Profiboxern, olympischen Boxern (Amateuren oder Elite), Leichtkontaktboxern und Fitnessboxern», erklärt Jack Schmidli. «Vor allem die letzte Kategorie hat den Boxklubs in den letzten Jahren grossen Zulauf beschert. In der Schweiz zählen wir im Moment rund 9000 Hobbyboxer. Sie üben diesen Sport für ihre Fitness aus, ohne je einen Ernstkampf bestreiten zu wollen.» Auch die Zahl der Leichtkontaktboxer ist in letzter Zeit gewachsen, wobei einige von ihnen regelmässig auch zu den olympischen Boxern übertreten. «Bei den Eliteboxern ist die Zahl mit 500 Lizenzierten seit Jahren etwa gleich, davon haben 60 bis 70 Prozent einen Migrationshintergrund. In dieser Kategorie hat die Qualität in den letzten Jahren merklich zugenommen. Das zeigen die Schweizer Meisterschaften ganz klar, und mit dem U-22-EM-Dritten Davide Faraci verfügt die Schweiz aktuell über ein grosses Talent.» Keine Stricke zerreissen dagegen zurzeit die 22 Schweizer Profiboxer, denen nach dem Rücktritt von Yves Studer ein Aushängeschild fehlt.

Swiss Boxing in Investitionsphase

Ein Blick auf die Teilnehmerzahl der Schweizer Jugend-Meisterschaften in Luzern ist ernüchternd. Gerade mal 56 Boxer kämpften um die Meistertitel in den 59 Gewichts- und Altersklassen der 11- bis 18-Jährigen. Auch das ist für Jack Schmidli nicht erstaunlich. «In dieser Altersgruppe gab es schon in der Vergangenheit nie viele Athleten. Wir befinden uns aber momentan in einer Investitionsphase. Seit einem Jahr haben wir bei Swiss Boxing in der Person von Michael Sommer einen Jugendverantwortlichen, der mit seinem fast schon professionellen Aufwand neuen Schwung hineinbringt. Das stimmt mich für die Zukunft sehr zuversichtlich.»

Eher durchzogen fällt eine aktuelle Situationsanalyse der Innerschweizer Boxszene aus. Neben Profiboxer Tefik Bajrami, der sich mit seinen Brüdern Xhavit und Ferid auch intensiv um den Nachwuchs kümmert, ist nur der Boxing-Club Luzern nennenswert. «Das ist eine One-Man-Show von Präsident und Cheftrainer Massimo de Filippo», weiss Boxfachmann Schmidli. «Massimo rackert zwar an allen Fronten. Ohne Unterstützung ist es aber für ihn sehr schwer, etwas Erfolgreiches auf die Beine zu stellen. Schade, wenn man bedenkt, dass Luzern 2004 noch Deutschschweizer/Tessiner Mannschaftsmeister war.»

Meistertitel für Attila Varga

Für die Schweizer Jugend-Meisterschaften in Luzern hatten sich vier Innerschweizer Boxer gemeldet. Zwei konnten ihr Können zeigen, zwei erhielten wegen fehlender Gegner keine Einsatzmöglichkeit. In der Kategorie Kadetten kam der Horwer Leon Isek (14) vom BC Luzern zu seinem Kampfdebüt. Er verlor den Final in der Kategorie Papiergewicht bis 44 Kilo gegen den Rheintaler Edin Mustafic knapp nach Punkten. «Angst hatte ich vor meinem ersten Kampf überhaupt keine», meinte er. «Im Gegenteil, es war ein grossartiges Erlebnis, sich öffentlich präsentieren zu können. Nur schade, dass mir nicht mehr Treffer gelungen sind.»

Besser als Leon Isek macht es der Emmenbrücker Attila Varga (15) von der Kickboxschule Bajrami in Littau. In einem Kampf auf gutem Niveau bezwang er in der Kategorie Junioren bis 63 Kilo den Tessiner Christian Silva Ramos nach Punkten. «Es war mein insgesamt vierter Kampf. Mit meiner Leistung bin ich zufrieden, auch wenn ich mich noch mehr hätte bewegen sollen.» Das Ziel des neuen Schweizer Jugend-Meisters ist klar: «Ich will eines Tages Profiboxer werden.» Leon Isek und Attila Varga – zwei Talente, die dem Boxsport in der Zentralschweiz vielleicht eines Tages wieder zu neuem Ruhm verhelfen könnten.

 




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