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Ornella Domini verbucht in Nyon zweiten Profitriumph

Bericht von Gérald Kurth (Fotos folgen)

10.03.2013 - Nach ihrem erfolgreichen Début im Januar fuhr die Genferin Ornella Domini in Nyon vor vollen Rängen ihren zweiten Sieg als Professional ein. Ihre Gegnerin, Maša Bačanov aus Bosnien-Herzegovina, war zwar kein echtern Gradmesser, weil ihr Widerstand zu schnell erlahmte. Ringrichter Pierre-Alain Schneeberger musste nach 1:55 in der dritten Runde den Kampf zurecht abbrechen, weil die Bosniern nach mehreren präzisen Kopftreffern Dominis die Deckung nicht mehr nach oben brachte und verteidigungsunfähig im Ringeck stand.

Eine Fortsetzung des Kampfes wäre verantwortungslos gewesen. Dennoch bewies die Genferin zuvor, dass sie unter der Ägide von Coach Samir Hotić in kurzer Zeit beträchtliche Fortschritte gemacht hat. Seit ihren letzten Auftritten als Amateurin hat sie Fitness und Beweglichkeit entscheidend verbessert und steht sehr robust auf den Beinen. Auffällig ist auch die Stilsicherheit, die Domini im Ring mittlerweile an den Tag legt: Sie wirkt fokussiert und gleichzeitig unaufgeregt. Sobald sie beginnt, ihre einfachen Links-Rechts-Kombinationen zu Kopf und Körper der Gegnerin zu schlagen, sammelt sie Punkte. Boxt sie hingegen aus der Distanz, hat sie bei ihren Kontern zumeist eine Hand im Ziel. Verfolgt die Genfern weiter zielstrebig den eingeschlagenen Weg, dann kann sie auch international in geraumer Zeit weit vorne mitmischen. Dem Schweizer Frauenboxen wäre eine ambitionierte Newcomerin mit seriösen Perspektiven sehr zu wünschen.

Das gut gelaunte Publikum in Nyon quittierte jedenfalls Dominis Auftritt mit grossem Beifall, auch wenn der Hauptkampf des Abends von kurzer Dauer war. Dennoch kamen die Boxfans im für eine Veranstaltung dieser Grössenordnung idealen Rahmen der Salle Communale auf ihre Kosten, weil das Veranstalterteam des BC Nyon ein reichhaltiges Programm mit insgesamt 13 Kämpfen bot. Die einheimischen Kämpfer – insbesondere der Leichtgewichtler Dat Tai Pham – lösten mit ihrem Auftritt Begeisterung im Publikum und sorgten immer wieder für atmosphärische Höhepunkte.
 

Elite- und Amateurkämpfe

Halbwelter:

Arber Ibishi  (BC Versoix) vs. Mohammed Yassine (RS Vernier)

Die Sympathien im Publikum waren ungefähr gleich verteilt: Sowohl Ibishi wie auch Yassine hatten eine lautstarke Anhängerschar mitgebracht, die den jeweiligen Liebling nach vorne peitschten. Der feingliedrige Yassine bestritt erst seinen dritten Kampf. Auch wenn er ihn diesmal verlor, verriet er erneut seine überdurchschnittlichen Anlagen. Er hält grundsätzlich seine Distanz aufrecht und schlägt mit langen Händen trockene Konter. Mit Ibishi hatte er diesmal allerdings einen Gegner, der zwar einen Kopf kleiner, aber enorm beweglich und blitzschnell am Mann war. Mehrfach sprang er sogar regelrecht in Yassine hinein, nachdem er zuvor präzise mit dem Jab zugestochen hatte. Ibishi hatte letztlich Erfolg mit dieser Taktik, weil Yassine auch konditionell Mühe bekundete und es nicht schaffte, seinen immer wieder nach vorne preschenden Gegner abzuschütteln. Am Ende der drei Runden war deshalb der klare Sieg (3:0) für Ibishi der verdiente Lohn für die hartnäckige Überwindung der Distanz zum Gegner, der eigentlich über grosse Reichweitenvorteile verfügt hätte.
 

Bernardino de Brito (NAB Montreux) vs. Daniel Egide

Die beiden Boxer kennen sich gegenseitig auswendig, und das zeigte sich sofort: de Brito und Egbide verfügen nicht nur über einen identischen Körperbau, sondern auch eine ähnliche technisch hochstehende Kampfanlage der kontrollierten Offensive mit explosiven Intervallen. Für die Zuschauer bedeutete dies überdurchschnittliches Boxen für den Kenner. Die beiden Boxer schlugen variabal und verrichteten viel Fussarbeit, ohne je die Grenzen sportlicher Fairness zu verlassen. Letztlich hatte de Brito im optisch ausgeglichenen Kampf allerdings ein paar Hände mehr im Ziel, kam mit ein paar Aufwärtshaken zu zusätzlichen Punkten, was zu Recht den Ausschlag zu seinen Gunsten gab.
 

Stefano Ciriolo (Ring Star de Vernier) vs. Toufik Lekhehal (FRA)

Ciriolo ist immer für einen attraktiven Kampf gut. Der erfahrene Genfer marschierte, zur Freude des mitgereisten Anhangs, auch gegen seinen Kontrahenden aus Frankreich sofort vorwärts. Während Ciriolo beweglicher wirkte als Lekhehal, bewies dieser seine Entschlossenheit mit hart geschlagenen Konterhaken. Damit konnte der Franzose Ciriolo in den ersten beiden Runden tatsächlich weitgehend neutralisieren. Ciriolo belagerte aber seinen Gegner hartnäckig und sammelte ab der letzten Runde die entscheidenden Punkte, als Lekhehal sichtlich ermüdete. Er schlug mehrfach kräfteraubend ins Leere, während sich der Genfer noch immer flink wegducken konnte. Ciriolo gewann aufgrund einer über die ganze Distanz konzentrierten Leistung seinen Kampf gegen einen athletisch überlegenen Gegner knapp. Letztlich war dafür die Variabilität und technische Klasse des Genfers ausschlaggebend, der seinen extrem hart schlagenden Gegner über die Distanz zunehmend kontrollierte und trotz knapper Wertung (2:1) hochverdient gewann.
 

Leicht:

Dat Tai Pham (BC Nyon) vs. Jordan Boudier (FRA)

Dat Tai Pham ist der erklärte Liebling des Publikums. Angesichts seines Auftritts ist dies alles andere als verwunderlich: Pham beeindruckt, trotz seines jugendlichen Alters, mit einer Reihe von Vorzügen. Sehenswert sind seine instinktiven Wechsel zwischen dosierter Kontrolle und überfallartigen – aber nie kopflosen – Attacken. Vielmehr bürstet er seine Gegner buchstäblich gegen den Strich: Pham schlägt in der Rückwärtsbewegung oder auch gegen die Laufbewegung blitzschnelle und deshalb überraschende Einzelhände. Dabei hebelt er die stereotype und berechenbare Abfolge von Auslage und Schlaghand komplett aus, was auch den gestrigen Gegner Boudier verwirrte, obwohl der sich tapfer wehrte. Die beiden Boxer lieferten sich so ein hoch animiertes Gefecht, in dem die motorischen und technischen Geistesblitze und der offensichtliche Schalk den Ausschlag zu Gunsten des einheimischen Pham gaben. Der liess sich anschliessend mit einem Augenzwinkern von seinen Fans feiern und genoss verdientermassen die gute Laune.
 

Halbschwer:

Jeton Morina (BC Nyon) vs. Marco Miano (Lauri Panthers, Varese, ITA)

Der einheimische Boxer ist gewiss kein Kind von Traurigkeit: Morina ist ein erfahrener Halbschwergewichtler, der schon in mancher Elitebegegnung den Sieg davontrug und ordentlich zuhauen kann. Gegen den Lombarden Marco Miano war aber kein Kraut gewachsen. Der Italiener hämmerte während drei Runden pausenlos auf Morina ein. Speziell die über die Aussenbahn geschlagenen Körperhaken – einiges davon ging auch auf die Nieren – liessen Morina sichtlich leiden. Obwohl er zumindest in den ersten zwei Runden noch mehrfach versuchte, den anstürmenden Italiener mit schnellen Aufwärtshaken zu stoppen, musste er pausenlos einstecken. Das Nasenbluten verstärkte sich, weil Miano auch bei Gegentreffern seine Bewegungsabläufe nicht unterbrauch und Morina unbeirrt eindeckte. Keine technische feine Klinge, aber unheimlich viel Kraft, mit der er den Einheimischen letzlich platt machte und verdient mit 3:0 Richterstimmen gewann. Als er aus dem Ring stieg, war Lokalmatador Morina zwar enttäuscht über die Niederlage, aber auch sichtlich erleichtert, dass dieses Martyrium ein Ende gefunden hatte...


Resultatübersicht




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