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Abraham vs. Stieglitz

Der Tote vom «Tatort» wurde auch im Boxring übel zugerichtet

Von Thomas Niggl

25.03.2013 - «Hau dazwischen, lass ihn leerlaufen, sonst wird das nichts.» Arthur Abraham nahm die Warnungen seines Trainers Ulli Wegner nicht ernst und verlor den WM-Fight gegen Robert Stieglitz durch technischen K. o.

«Ich wollte ihn ein bisschen schlagen lassen. Unsere Taktik war, dass der Motor ab der vierten, fünften Runde läuft», sagte der schwer gezeichnete Arthur Abraham am Samstag nach dem verlorenen WM-Kampf im Supermittelgewicht. Doch zur fünften Runde war es schon gar nicht mehr gekommen. Der Ringrichter hatte in der vierten Runde auf Empfehlung von Ringarzt Professor Walter Wagner den Kampf abgebrochen, weil Abrahams linkes Auge völlig zugeschwollen war. 7000 Fans feierten in Magdeburg ihren Lokalmatadoren Robert Stieglitz und der Ringarzt gab zu Protokoll: «Ich fragte Arthur: ‹Siehst du die Schläge kommen und kannst du dich verteidigen?› Er antwortete mit einem klaren Nein.»

Der ehemalige Weltmeister Graciano Rocchigiani kann das nicht nachvollziehen: «Arthur hätte weiterboxen müssen. Aber ihm fehlt der Wille und die Motivation. Er hat kein Boxerherz mehr. 1991 stand ich gegen den Holländer Alex Blanchard mit zwei geschwollenen Augen im Ring und siegte am Schluss in der neunten Runde durch technischen K. o. Abraham soll aufhören.»

Im «Tatort» erschlug Til Schweiger Arthur Abraham mit einem Toaster

Vor zwei Wochen sahen 12,5 Millionen TV-Zuschauer, wie Arthur Abraham im «Tatort» von Til Schweiger mit einem Toaster erschlagen wurde. Am Samstag hatte Arthur Abraham in der ARD wieder einen Auftritt, diesmal im wahren Leben. Doch dieser dauerte nicht länger als bei seinem Kurzeinsatz im «Tatort». Er ging auch im Ring schon wieder schwer k. o., wurde diesmal nicht von Til Schweiger, sondern von Robert Stieglitz übel zugerichtet. Diesmal hatten sich 4,2 Millionen Boxfans bei der ARD zugeschaltet. Der deutsche Schauspieler Ben Becker wunderte sich am Ring: «Vor sieben Jahren kämpfte sich Abraham noch mit doppelt gebrochenem Kiefer durch.» Trainer Ulli Wegner wiegelte ab: «Beim Augenlicht muss man vorsichtiger als beim Kiefer sein.»

Arthur Abraham hätte bei einem Sieg bei seinem Boxstall Sauerland Event einen neuen Millionenvertrag erhalten. Doch jetzt muss sich der 33-Jährige wohl noch etwas gedulden. Er hofft auf einen Rückkampf gegen Seinen Bezwinger Robert Stieglitz, der nach dem Kampf noch im Ring sagte: «Immer wieder gerne.» (Tagesanzeiger.ch)




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