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Ehrungen am 100-Jahr-Jubiläum von SwissBoxing

22.04.2013 (UEH) - Höhepunkt der Festlichkeiten zum 100-jährigen Jubiläum waren die bereits beschriebenen Ehrungen. Jack Schmidli hat den legendären Titelhalter aus Winterthur mit einer sorgfältigen Laudatio geehrt, die wir der Boxgemeinde nicht vorenthalten möchten und für Ruedi Meier auf unserer Website publizieren. Peter Stucki hat mit Fritz Chervet einen Weggefährten geehrt, der zu Recht als Boxer des Jahrhunderts bezeichnet werden darf. Mit seinen Detailkenntnissen hat  Peter Stucki ein Bild des legendären Berner Boxers gezeichnet, das unvergesslich bleiben wird. Ueli E. Adam, der bereits als Knabe zu den Schülern des legendären - und damals noch blutjungen - Trainers zählte, hat in seiner Laudatio begründet, wieso Charly Bühler zu einer absoluten Ausnahmeerscheinung im schweizerischen Boxsport geworden ist: Talente erkennen, die richtigen Fragen stellen, die Gegner analysieren und Netzwerke knüpfen waren Stärken, die nur ganz wenigen gegeben sind. 


Laudatio für Ruedi Meier von Jack Schmidli



Liebe Box-Aficionadas und Box-Aficionados
Sehr geehrte Damen und Herren

Es ist mir eine grosse Ehre, die Laudatio für einen Boxer halten zu dürfen, von dessen Erfolgen im Ring, dessen Gradlinigkeit und trockenen Humor ich in hohem Mass beeindruckt bin.

Als ich mich vor Jahren im Dorf Neschwil bei zwei Buben für ein Interview nach dem „Boxer Meier“ erkundigte, wiesen mir diese zu meinem grossen Erstaunen ohne zu zögern den Weg.

Der Bekanntheitsgrad der Ausnahmeerscheinung Ruedi Meier kommt allerdings nicht von ungefähr: Meier, der im Juni 74 Jahre alt wird, hat etwas Einmaliges erreicht: Der Rechtsausleger aus Winterthur wurde 10 Mal Schweizermeister bei den Amateuren im Schwergewicht, der Königsklasse des Boxens. Er war in den 60-er und 70-er-Jahren das Mass aller Dinge im Schweizer Boxsport.

Ruedi Meier, der auf dem elterlichen Bauernhaus aufwuchs, begann im Alter von 20 Jahren mit dem Training beim Box-Club Winterthur, bei dem er heute noch Ehrenmitglied ist. Die Kondition holte er sich bei der täglichen Arbeit auf dem Hof. Die Bäume wurden damals nicht mit der Motorsäge, sondern mit der Axt gefällt. Zudem verfügte er über einen mörderischen Schlag. Sehr viele Gegner besiegte er mit dem linken Leberhaken, seinem Spezialschlag.

Drei Mal wurde Ruedi Meier vom Schweizerischen Boxverband an die Europameisterschaften aufgeboten, an denen er jeweils im Viertelfinale ausschied. 1964 nahm „Schnupfruedi“, wie er von seinen Freunden wegen seiner Vorliebe zum Tabakschnupfen liebevoll genannt wird, an den Olympischen Spielen in Tokyo teil und zwar am gleichen Turnier wie der legendäre und vor zwei Jahren leider verstorbene Ex-Weltmeister Joe Frazier. Meier verlor gegen den Argentinier Lovell und kommentierte sein Ausscheiden gegenüber dem „Sport“ damals wie folgt: „Schon bei meinem ersten Schlag erhielt ich vom russischen Ringrichter eine unerklärliche Verwarnung. Anfangs der zweiten Runde brachte ich am arg benommenen Lovell einige wirkungsvolle Leberhaken an, als mich der Ringrichter plötzlich völlig zu Unrecht disqualifizierte“. In seiner gesamten Karriere stieg Ruedi Meier nicht weniger als 137 Mal in den Ring und gewann 97 Kämpfe vorzeitig. Dies ergibt eine KO-Quote von unglaublichen 70,8%. Seine enorme Schlagkraft bekamen auch jene zu spüren, die ihn privat anfeindeten. Dazu kommentierte Ruedi im Interview mit mir vor 7 Jahren:

„Ich suchte nie eine Schlägerei, war ein friedlicher Typ. Aber einmal an einem Fest zu Ehren des Nationalfeiertags hat mich einer fies provoziert und mir eine runtergehauen, da hab ich halt zurückgegeben“. Das Ergebnis: Der übermütige Angreifer musste nach Meiers Verteidigungsschlag mit einem fünffachen Schädelbruch ins Spital eingeliefert werden. Meier selbst wurde beim anschliessenden Gerichtsprozess zur Bezahlung von 12‘000 Franken Busse verdonnert. Im Gerichtsprotokoll stand später: „Der Angeklagte meinte, dass der Kläger über eine weiche Birne verfügt“.

Ruedi Meier wollte nie Profiboxer werden, obschon er dazu prädestiniert gewesen wäre. Auf die entsprechende Frage eines Journalisten sagte er einmal: „Nationaltrainer Charly Bühler wollte mich unbedingt zu den Profis holen. Da ich das Boxen aber immer nur zum Plausch ausübte, kam für mich ein Wechsel zu den Berufsboxern nicht in Frage; ich wollte aus meinem Leben etwas machen und nicht nur rumsaufen“.

Sehr gut erinnert sich Ruedi Meier an seinen letzten Kampf im Jahr 1973 gegen den aufstrebenden François Fiol aus Morges. Der Fight wurde sogar im Fernsehen übertragen. Fiol, der anschliessend zu den Profis wechselte, kämpfte später übrigens gegen den Kroaten Mate Parlov um die Weltmeisterschaft.

Ruedi Meier wohnt mit seinem Berner Sennenhund im selbst erbauten Haus in Neschwil bei Weisslingen. Er ist nicht nur stolz auf seine sportlichen Erfolge im Ring, sondern auch auf seine beiden Söhne Ralph und Roger, die er mit seiner leider zu früh verstorbenen Ehefrau Hedi aufgezogen hat. Zeit seines Lebens war Ruedi ein Chrampfer. Er betätigte sich neben seinem angestammten Beruf als Schlosser, Giesser, Forstwart, Zimmermann und Bauarbeiter.

Im Namen von SwissBoxing gratuliere ich dir, lieber Ruedi, herzlich zur Auszeichnung „Herausragender Amateurboxer 1913 – 2013“. Schade, dass man so bodenständige und naturnahe Kämpfertypen wie du einer bist nur noch selten antrifft. Für den Spitalaufenthalt von nächster Woche – Ruedi muss sich das Knie operieren lassen – wünsche ich dir heute schon alles Gute.

Ruedi "Der letzte Bär aus dem Tösstal" Meier zusammen mit SwissBoxing-Präsident Andreas Anderegg an einer Box-Veranstaltung in Winterthur

 

 




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