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Boxeo 26 im Grand Casino in Basel

Arnold Gjergjaj nach K.O. weiter ungeschlagen

Bericht von Gérald Kurth (Text) und Christoph Jermann (Fotos, www.photomaster.ch)

12.05.2013 - Für Arnold Gjergjaj – mittlerweile in Europa Nr. 15 -  ist ein EBU-Titelkampf ein weiteres Stück nähergerückt. Im vollbesetzten Grand Casino Basel schenkte die „Kobra“ aus Pratteln der zahlreich aufmarschierten Fangemeinde einen weiteren frühen K.O., nachdem Ringrichter Beat Hausammann den Kampf nach exakt 2:19 in der dritten Runde beendet hatte. Allerdings wusste niemand besser als Coach Angelo Gallina, was dieser Sieg effektiv wert ist, als er dem Publikum im Anschluss an den Kampf zurief: „In einer Woche wird niemand mehr danach fragen, wie dieser K.O. zustande gekommen ist!“ Diese Worte waren auch als Trost an die Adresse des Publikums gemeint, das einen sportlich uninspirierten und einmal mehr kurzen Hauptkampf erlebt hatte.

Der massiv übergewichtige Gaucho aus Argentinien agierte nicht auf Augenhöhe mit Gjergjaj (r.)

Zuallererst mussten die Fans feststellen, dass sich der Argentinier Nelson Dario Dominguez im November 2012 gegen Francesco Pianeta nicht grundlos schon in der ersten Runde hinlegte. Dominguez hatte geschätzte 15 kg zuviel auf den Hüften, was sofort die Frage aufwarf, was dieser Mann im Schwergewicht verloren hat. Körpergrösse, aber auch die durchaus noch zu erahnende Grundschnelligkeit prädestinieren ihn eigentlich fürs Halbschwergewicht. Sei’s drum: Dominguez hechtete Gjergjaj gleich mit dem ersten Gong an, in der durchschaubaren Absicht, mit einem Lucky Punch das bevorstehende unausweichliche Leiden abzuwenden. Leider ging der Plan nicht auf, und so bewegte sich der Argentinier fortan mit einem Gesichtausdruck durch den Ring, der irgendwo zwischen Angstverzerrtheit und Todesverachtung oszillierte: Mal klebte er zusammengekrümmt im Ringeck und fühlte jeden Moment den Dampfhammer Gjergjajs auf sich niedergehen, dann wiederum sprang er diesen an, schlug mit rudernden Armen, um sogleich wieder zu klammern. Gerne liess er sich auch mal, ohne getroffen worden zu sein, vor dem Basler auf die Knie fallen. Dies im Bestreben, vom Ringrichter angezählt zu werden und so den sicheren Schmerz wenigstens etwas hinauszuzögern.

Es war, gelinde gesagt, ein Graus. So passte es auch zum geradezu bipolaren Auftreten des Argentiniers, dass Gjergjaj beim K.O. durchaus mit einem Körperhaken Wirkung erzielt hatte. Dominguez verbrauchte aber dermassen viel Zeit und Energie, um mit schmerzverzerrtem Gesicht auf seine Niere zu deuten, dass er beim Anzählen schlicht vergass, auf Acht rechtzeitig wieder oben zu sein. Theatralisch legte er sich danach mit Schiedsrichter und Publikum an, weil er den Eindruck vermitteln wollte, er hätte gerne mit Gjergjaj über die Runden gehen können...

Der chancenlose Nelson Dario Dominguez reklamierte bei Ringrichter Beat Hausammann einen Nierenschlag

Gjergjaj selber konnte die kuriose Kampfweise seines Gegners ebenfalls nicht richtig einordnen. Zwar stand sein vorzeitiger Triumph nie in Frage, obwohl er sich nach einem präzisen Schwinger Dominguez’ zum Kopf ebenfalls mal schütteln musste. Dennoch wirkte er eigentümlich ratlos. Er wechselte immer fleissig die Auslage, schaffte es aber nicht, den Argentinier mit langen Händen auszuboxen und sich so gar nicht erst dessen Tricks auszusetzen. Anders ausgedrückt: Der frühe K.O. bewahrte Gjergjaj davor, ein brauchbares Rezept entwickeln zu müssen. Laut Coach Gallina soll ein europäischer Titelkampf noch vor Ende Jahr steigen. Gjergjaj hat sich diesen mehr mit jahrelanger Arbeit mehr als verdient und ist zurecht heiss drauf. Denn er ist am Punkt angekommen, wo Kämpfe gegen boxerische Gaukler vom Schlage eines Dominguez vor heimischem Publikum kaum mehr zu seiner sportlichen Weiterentwicklung beitragen.

Die Elitekämpfe

57 kg

Martina Mercinelli (ASD Chieri, Torino) vs. Nadia Barriga (BC Basel)

Die einheimische Barriga bekam es mit einer jüngeren, aber routinierten Gegnerin zu tun. Mercinelli konterte die anfänglichen Attacken der Baslerin ruhig und mit Übersicht. Selber war sie jedoch nach vorne zu wenig initiativ: Obwohl mit Reichweitenvorteilen und einem guten Auge ausgestattet, suchte sie kaum die Offensive. Vielmehr hüpfte sie in der immer gleichen kerzengeraden Haltung an Ort und wartete auf Barrigas nächste Angriffswelle. Weil Barriga jeweils präzise mit einzelnen Händen zustach, die Italienerin bei ihren Kontern zunehmend an Präzision verlor, verschaffte sich die Baslerin letztlich ein solides Punktepolster. Obwohl ihr einstimmiger Punktesieg trotz einem schönen Aufwärtshaken Mercinellis feststand, startete Barriga am Ende der vierten Runde sogar noch ein furioses Schlussfeuerwerk, das ihr die Sympathien des Publikums sicherte. Ein verdienter Sieg für Nadia Barriga in einem ansehnlichen und fairen Frauenkampf.
 

80 kg

Federico Catania (ASD Chieri, Torino) vs. Robert Arpaz (BC Sissach)

Die erste Runde gehörte zu Beginn dem Italiener: Catania punktete mit seiner langen Rechten, Arpaz hingegen bekundete Mühe mit dem Distanzgefühl. Deshalb endeten seine linken Schwinger zum Kopf mehrfach als harmlose Wischer. Ab der zweiten Runde marschierte dann aber der Sissacher aggressiver  nach vorne und schlug regelmässig lange harte Kombinationen, auch mal zum Körper. Wenn er den Gegner im Ringeck festnageln konnte, wagte der erst 19-jährige Arpaz den einen oder anderen Upper cut. Catania bekundete mit der veränderten Strategie seines Gegners Schwierigkeiten und musste zunehmend klammern. Auch in der letzten Runde arbeitete Arpaz nach vorne, bereitete den Abschluss mit verbessertem Jab vor. Catania schlug zwar noch einmal mit und punktete seinerseits, wurde dann aber von Arpaz hart abgekontert und wurde kurz vor Ende noch angezählt. Obwohl der verdiente Sieger Robert Arpaz erst drei Kämpfe bestritten hat, verriet er sein Talent, das sein Trainer Beat Ruckli in kurzer Zeit aktiviert hat. Arpaz verspricht mit seiner grundsätzlich intelligenten, wenn auch in seltenen Momenten noch impulsiven Kampfgestaltung, Potenzial für die Zukunft.
 

75 kg

Francesco Tartaro (ASD Chieri, Torino) vs. Faton Vukshinaj (BC Basel)

Ein Kampf, dessen Wertung am Ende zahlreiche Buhrufe provozierte – zu Unrecht. Zum Sieger erklärt wurde durch Mehrheitsentscheid der Gast aus dem Piemont. Wie war es dazu gekommen? Vukshinaj begann sehr überzeugend. Er boxte zu Beginn aus der kontrollierten Defensive, lancierte aber vereinzelte hart vorgetragene Kombinationen. Er schlug präzise, variabel und ohne die geringste Hast. Dabei arbeitete er sich jeweils elegant an den etwas eckig wirkenden Tartaro heran. Der Italiener machte sich danach aber immer länger und landete so vermehrt Crosses am Kopf des Baslers. Weil Vukshinaj nicht mehr so leicht an den Gegner herankam, wuchs die Nervosität, er wollte es zu gut machen – und behalf sich immer mehr seiner Innenhände. Das Publikum sah zwar durchaus immer wieder die Hände Vukshinajs am Kopf Tartaros einschlagen. Die Punktrichter gehorchten aber das Reglement, wenn sie im Gegensatz zum Publikum bei solchen Schlägen konsequent keine Punkte registrierten. Die Niederlage Vukshinajs am Ende war knapp. Dennoch ging sie in Ordnung, obwohl er seinem Gegner aus Chieri eigentlich technisch überlegen war. Trotz den häufigen Innenhandschlägen präsentierte er sich als vorbildlicher Kämpfer und Verlierer. Vukshinaj verfügt über eine überdurchschnittliche Motorik, Schnelligkeit und variables Schlagrepertoire – er wird dieses in Zukunft sogar gegen Gegner eines grösseren Kalibers zu seinen Gunsten nutzen, wenn er sich auf diese Vorzüge besinnt und die Brechstange beiseite lässt.

 




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