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Jubiläumsmeeting in St. Gallen

Bericht & Fotos: Ueli E. Adam

28.06.2013 - Zu Ehren der 100-jährigen Swiss-Boxing-Verbandsgeschichte werden dieses Jahr sechs Veranstaltungen als Jubiläumsmeetings ausgerichtet. Nach Zürich (März) und Romanshorn (April)  organisierte St. Gallen am 22. Juni das dritte Meeting der Veranstaltungsreihe. Mit der Durchführung wurde der Box-Club St. Gallen (gegründet 1930) beauftragt. Unter der Leitung von Geraldine Brot fand der Anlass in der legendären Kreuzbleichehalle statt. Mit einem breit gefächerten Angebot boten die Organisatoren dem Publikum neben hochkarätigem Sport auch Unterhaltung mit einem Wettbewerb, mit Leichtkontakt-Kämpfen, Hip-Hop und Rock’n Roll-Einlagen und einer Modeschau. Kernpunkt des Programms war aber eine Begegnung des Swiss Boxing Teams SBT gegen eine Auswahl aus Italien. Die Schweizer überzeugten mehrheitlich mit erstklassigem Boxen und dominierten die Italiener klar.

 

Matchberichte Swiss Boxing Team SBT vs. Italien

Jugend, Frauen, Naomi Gertsch, Rheintal-Au (SBT) vs. Giulia Zanet (Italien)
Die Rheintalerin ging von Beginn weg dezidiert zur Sache. Sie bringt neben Talent auch Durchsetzungsvermögen mit und verstand es bald, die Italienerin in die Defensive zu drängen. Damit schuf sie jene optische Überlegenheit, die schliesslich mit einem klaren 3:0 zu ihren Gunsten belohnt wurde.

 

Elite, Kreshnik Nikq, BC Zürich (SBT) vs. Jozefin Ndreu (Italien)
Der Zürcher tritt immer sehr gut vorbereitet an und neigt dazu, sich selbst unter Druck zu setzen. Dies brachte ihn in diesem Kampf um einen möglichen Sieg. Der Italiener Ndreu ist ein hart und schnell schlagender Mann und verstand es deshalb, regelmässig zu punkten, dies aber nur, weil sich Nikq zu einem Schlagabtausch verleiten liess und so die nötige Angriffsfläche bot. Mit seinem technischen Rüstzeug und einem besonneneren Kampfrhythmus wäre Nikq der Sieg nicht zu nehmen gewesen. So aber musste er sich mit einem gerechten Unentschieden begnügen.

 

Elite, Nawshirwan Barzinje, BC Zürich (SBT) vs. Aleksander Aleksic (Italien)
Der Routinier aus Zürich weiss seine Anhänger immer wieder zu verblüffen. Unspektakulär, aber effizient boxend holt er sich seine Punkte und Siege in seiner Gewichtsklasse mit einer schönen Regelmässigkeit. Sein junger Gegner aus Dornbirn, der für Italien antrat, war nämlich keineswegs ein unterlegener Aussenseiter – im Gegenteil.  Phasenweise vermochte er Barzinje unter Druck zu setzen, ohne allerdings je eindeutig zu dominieren. Damit war das Resultat nach drei Runden klar: Nawshirwan Barzinje verliess den Ring mit einem komfortablen 3:0 Sieg.

 

Elite, Besir Vejseli, BC St. Gallen (SBT) vs. Luca Caiello (Italien)
Ein Mann, der den Unterschied zwischen Sieg und gutem Boxen noch nicht ganz begriffen hat, ist Besir Vejseli. Wahrscheinlich zählt in seiner Vorstellungswelt nur der Sieg und er vergisst, dass das Publikum vor allem gutes Boxen sehen will – und keine Kamikaze-Vorstellung. Das wurde ihm ausgerechnet im seinem Heimmeeting zum Verhängnis. Unbelehrbar Verwarnungen des Ringrichters ignorierend, musste er bereits in der 1. Runde disqualifiziert werden. Schade für den Hitzkopf, dem etwas mehr Durchblick zu wünschen wäre.

 

Jugend, Angel Roque, BC Zürich (SBT) vs. Francesco Tartaro (Italien)
Für eine Glanznummer sorgte der noch nicht 18-jährige Youngster aus Zürich. Hier reift ein Talent der Sonderklasse heran. Gegen den durchaus starken Gegner aus Italien zündete Roque ein Feuerwerk, das ihm den klaren 3:0 Sieg einbrachte. Dabei ist vor allem bemerkenswert, wie der Sieg zustande kam. Der Italiener blockte die sauberen Angriffswellen des Zürchers meistens geschickt ab, versuchte mit gutem Boxen die Balance zu halten – aber es gelang ihm trotz seiner boxerischen Qualitäten nicht. Glücklicherweise ist Roque in Zürich in guten Händen. Es ist zu hoffen, dass er nicht zu früh mit unnötig schweren Kämpfen verheizt wird – er wird es mit einer beeindruckenden Karriere zu danken wissen.  

 

Elite, Zino Meuli, SR St. Gallen (SBT) vs. Milo Volpicelli (Italien)
Zino Meuli ist für jeden Gegner schwer zu boxen. Er ist unberechenbar, schnell und schlägt präzis und hart. Deshalb durfte man auch gegen den Italiener Volpicelli eigentlich eine klare Sache erwarten. Wie immer startete Meuli mit seinen unkonventionellen Meidbewegungen, im Glauben, den Italiener verunsichern zu können. Diesmal hatte er aber die Rechnung ohne den Wirt gemacht: Meuli überzog die Faxen und der Rechtsausleger aus Italien schickte ihn mit einer knackigen Linken auf den Hosenboden. Um so erstaunlicher und erfreulicher wie der echt angeklingelte St. Galler in den Kampf zurückfand. Diszipliniert und hervorragend boxend entriss Meuli dem technisch gut beschlagenen Italiener in den beiden nächsten Runden den Sieg und wurde dafür mit einem 3:0 der Kampfrichter belohnt – und zwar ohne Heimbonus.

 

Elite, Uke Smajli, SR Zürich (SBT) vs. Marius Balint (Italien)
Den besten Kampf des Abends lieferte einmal mehr der 20-jährige Zürcher ab – mit einer Klasse, die bemerkenswert ist. Smajli setzte den Italiener von Beginn weg mit langen Händen, gefolgt von präzisen Körperhaken unter Druck. Balint versuchte, sich mit entschlossener Gegenwehr zu behaupten, was aber unter dem Strich nichts Zählbares brachte. Die erste Runde ging an den überlegenen Zürcher und ein vorzeitiges Ende zeichnete sich bereits zu diesem Zeitpunkt ab. In der zweiten Runde wurde der Italiener auf Grund einer Verletzung aus dem Kampf genommen – klar aber war, dass er auch mit einem ramponierten Selbstvertrauen zu kämpfen hatte: Balint war wahrscheinlich froh, sich auf diese Weise aus dem Kampf verabschieden zu können. Das Verdikt der Jury: RSC-I (Ringrichter stoppt den Kampf auf Grund einer Verletzung)

 

Kommentar: Das Jubiläumsmeeting in St. Gallen war ein gelungener Anlass, dem durchaus Festcharakter attestiert werden kann. Präsident Andreas Anderegg liess es sich nicht nehmen, eine Ikone des schweizerischen Boxsportes mit der Ehrennadel des Verbandes zu ehren: Hugo Brot (über ihn und den Club verlegt der BC St. Gallen ein interessantes Buch) hat in der Schweiz Geschichte geschrieben und die Freude, dass seine Tochter Geraldine seiner Leidenschaft gefolgt ist, war ihm sichtlich anzumerken. Herzliche Gratulation Hugo Brot!

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