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Auf Besuch beim BC Zürich

Der Box Club Zürich feiert in diesem Jahr sein 75-jähriges Bestehen. Boxen liegt heute bei breiten Kreisen im Trend. Wer nicht Fäuste sprechen lassen will, geht ins Konditionstraining des Klubs.

 

rsr. 24.06.2009 - Wo tagsüber Kinder spielen und malen, prallen abends lautstark Fäuste gegeneinander. Das Heim des Box Club Zürich befindet sich im Untergeschoss eines Kindergartens in Wiedikon, wo Garderoben und Duschen zur Verfügung stehen. Das Herzstück aber ist der Boxkeller: Hier riecht es nach den feuchten Hanfseilen, die etwa die Hälfte des Raums in zwei Boxringe unterteilen. Daneben hängen Sandsäcke vor einer Spiegelwand, über der sich auf einer Ablage unzählige Pokale und Wimpel befinden. Die wichtigste Trophäe, diejenige für den Schweizer Mannschaftsmeister 2008, thront gleich neben dem Eingang.

 

Das Trommeln der Fäuste

 

Im 75. Jahr seines Bestehens sind für den Box Club Zürich also wieder erfolgreiche Zeiten angebrochen, auch in Bezug auf die Mitgliederzahlen. Momentan trainiert Cheftrainer Matthias Luchsinger, von Beruf Akkordmaurer, 17 lizenzierte Boxerinnen und Boxer zwischen 16 und 33 Jahren. Hinzu kommen noch einige Teilnehmer aus den Anfängerkursen. Selber hat Luchsinger als Amateurboxer 38 Kämpfe absolviert und begleitet heute seine Schützlinge, die nahezu täglich trainieren, an Turniere und Meisterschaften.

 

Als Trainer ist Luchsinger dafür zuständig, jeden Bewegungsablauf bei den Athleten genau zu studieren und den nächsten Gegner auszuwählen. Vor allem am Anfang sei es wichtig für einen jungen Boxer, Selbstvertrauen zu sammeln, wobei auch Niederlagen motivierend sein könnten. Das zunehmende Interesse am Boxsport führt Luchsinger vor allem auf die zahlreichen Fernsehübertragungen zurück; erst dadurch sei Boxen auf ein breites Interesse gestossen. Für einen Neueinsteiger seien Erfahrungen mit einer anderen Kampfsportart eher ein Handicap, da einige Elemente umgelernt werden müssten.

 

Schwitzen im Konditionstraining

 

Im Gegensatz zu den Vorurteilen, mit denen sich der Boxsport noch immer konfrontiert sieht, ist im Boxkeller keine Schlägertruppe versammelt. Laut Luchsinger wurden auch schon Leute wieder weggeschickt, die mit der falschen Einstellung zum Boxen gekommen seien. Auch wer seinen Frust aus dem Alltag abbauen möchte, sei im Boxtraining am falschen Ort; hier müsse konzentriert gearbeitet werden. Ein Kampf sei eben keine Prügelei. So habe er in den über 600 Kämpfen, denen er als Trainer beigewohnt habe, nur zwei K.-o.-Siege erlebt, blutige Nasen und blaue Augen könnten aber durchaus vorkommen. Beim Besuch im Training trommeln indes die Fäuste meist auf Sandsäcke. In Intervallen von drei Minuten werden die schweren Lederhüllen traktiert. Im Obergeschoss geht es zwar ruhiger, aber nicht weniger anstrengend zu und her. In der Turnhalle absolvieren rund 30 Personen das Konditionstraining, und es ist dementsprechend stickig. Bereits nach zehn Minuten zeichnen sich deutliche Schweissspuren auf den Kleidern der Teilnehmer ab. Der Trainer jedoch zeigt sich unerbittlich: «Schnäller» und «konzentriere», ruft er allenthalben in den Raum. Das boxspezifisch aufgebaute Konditionstraining hat wenig gemein mit demjenigen in einem Fitnessklub. Der Umgangston ist rauer, und es läuft keine Musik. Wer hier teilnimmt, muss selber nicht boxen, sollte sich laut Klubpräsident Michael Heisch, von Beruf Journalist und Komponist, aber doch für den Boxsport interessieren. Je nach Wetter kämen bis zu 60 Personen, darunter rund ein Drittel Frauen.

 

Die meisten Teilnehmer besuchen das Training zwei- bis dreimal pro Woche. Ausgerüstet sind sie mit Springseilen und Sackhandschuhen, die aussehen wie Boxhandschuhe. Unter der Aufsicht des Konditionstrainers drehen die etwa 25- bis 50-Jährigen luftboxend und rennend ihre Runden. Darunter finden sich die verschiedensten Berufsleute: vom Taxifahrer über die Ärztin und den Anwalt hin zur Damenschneiderin. Gemeinsam ist ihnen allen, dass sie nach 90 Minuten verschwitzt, aber zufrieden die Halle verlassen.

© Neue Zürcher Zeitung.




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