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Aniya Seki verteidigt Silver Belt

Bericht von Gérald Kurth (Text) und Romel Janeski (Fotos, janeski.ch)

14.09.2013 - Der Kampf stand lange auf Messers Schneide: Die Bernerin Aniya Seki, Trägerin des WBC-Silver-Titels im Superfliegengewicht, konnte sich auf den Punktezetteln nicht entscheidend von Liliana Martinez absetzen. Die Dominikanerin erwies sich als ausgesprochen hartnäckige Gegnerin, die bis zuletzt einen grösseren Punkteabstand zwischen sich und der Lokalmatadorin verhinderte. Im letzten Kampfdrittel rundete aber die Bernerin ihre über den gesamten Kampfverlauf betrachtet reife Vorstellung ab, indem sie entschlossen die Offensive suchte und sich so die entscheidenden Runden für den Sieg sicherte.

LIliana Martinez (l.) und Aniya Seki duellieren sich unter aufmerksamer Beobachtung von Weltklasse-Referee Daniel van de Wiele

Der Kampfabend auf der Erlebnisbühne Lueg vor der malerischen Kulisse des Emmentals war aus Berner Sicht ein Erfolg auf der ganzen Linie: Sowohl Alain Chervet aus dem Stall der Boxing Kings wie auch Mischa Nigg vom Thuner Box Team Oberland verbuchten gegen ihre Gegner aus Bulgarien überzeugende Siege. Chervet musste zwar über die volle Distanz gehen, kontrollierte aber den aufsässigen Kristijan Dočev sicher. Nigg hingegen machte gegen den ehemaligen Top-Juniorenboxer Nikola Vărbanov kurzen Prozess. Schon in der zweiten Runde beendete er seinen Auftritt, indem er den Bulgaren mit einem perfekten Leberhaken kampfunfähig machte und so ein kräftiges Ausrufezeichen unter den letzten Fight des Abends setzte.

Siegerbild mit (v.l.n.r.) Peter Stucki (WBC, Member of the board), Liliana Martinez, Aniya Seki, Jack Schmidli (Delegierter) und Daniel Van de Wiele (Ringrichter)

Es war trotz der empfindlichen Kälte ein kurzweiliges 1. Internationales Boxmeeting, das der agile Schweizer Klitschko-Vermarkter Marcel Wisler im Verbund mit der Erlebnisbühne Lueg organisierte: Die drei Profikämpfe waren – angesichts eines frühen K.O.-s umso mehr – kein abendfüllendes Programm und wurden deshalb von TV-Moderator Albi Saner in unterhaltsamen Pausengesprächen aufgelockert. Er bat nicht nur Spieler und Funktionäre von SCB, YB, BSV Bern Muri und Zeiler Köniz vors Mikrofon, sondern auch Boxpromotoren und –trainer. Trotz des ungünstigen Wochentermins strömten an die 400 Zuschauer in die Lueg-Arena. Diese Zahl belegt, dass Boxen im Ambiente des Emmentals bei einer Neuauflage des Events vielleicht schon bald ein noch grösseres Publikum anzieht.

 

WM-Kampf

Superfliegengewicht (52 kg)

Aniya Seki (Schweiz) vs. Liliana Martinez (Dominikanische Republik)

Die von Bruno Arati trainierte Bernerin agierte zu Beginn zwar eher defensiv, präsentierte sich aber konzentriert und in körperlich ausgezeichneter Verfassung. Das erwies sich auch schnell als nötig, denn ihre dominikanische Gegnerin marschierte permanent vorwärts, war beweglich und verfügte über eine grössere Reichweite. Die Bernerin präsentierte sich oben sehr kompakt, wurde aber von Martinez regelmässig mit trockenen Aufwärtshaken getroffen. Bis zur sechsten von zehn Runden neutralisierten sich die Gegnerinnen weitgehend: Martinez griff an, Seki konterte aber regelmässig aus der Rückwärtsbewegung. Die Punktewertung blieb aber lange eng, und Seki musste nun mehr tun: Die Bernerin entschied die Runden 7 und 8 eindeutig für sich, punktete auch mal mit langen Rechten, die sie nicht mehr nur als einzelne Konterhände, sondern auch als Kombination schlug. Martinez ging in dieser Phase auch mal zu Boden. Weil sie sofort demonstrieren wollte, dass sie nur ausgerutscht war, rappelte sie sich sofort hoch und lief direkt in eine rechte Gerade Sekis. Die Dominikanerin warf alles nach vorne und entschied die 9. Runde für sich: Da kamen zahlreiche schöne lange Hände, mit denen sie Seki nochmals unter starken Druck setzte. In der letzten Runde zeigte sich aber, dass sie ihrem hohen Tempo Tribut zollen musste: Zwar hechtete sie Seki noch immer an; ihre Schläge verpufften aber überwiegend in der Luft, Seki kam nie mehr in Gefahr, den knappen Punktevorsprung noch aus der Hand zu geben. Die Bernerin liess auch im offenen Schlagabtausch kaum mehr zählbare Treffer zu und kontrollierte das Geschehen bis ans Ende. Die verdiente Siegerin in einem insgesamt sehr fairen Gefecht und damit Titelverteidigerin hiess – Aniya Seki.

Am Ende beeindruckte die Bernerin vor allem mit der mittlerweile gewonnenen Stilsicherheit, die es ihr erlaubt, eine Strategie über zehn Runden langsam aufzubauen und bei Bedarf kurzfristig zu verändern. Und all dies mit einer grossen Ruhe: Es gab nur wenige Augenblicke, in denen der Kampf auch auf die andere Seite hätte kippen können.

Die Einzelwertungen der Punktrichter:

Jörg Mangott:                    97:94

Fabian Guggenheim:         96:94

Beat Hausammann:           97:93  (alle Seki)

Lieferte gegen den unbequemen Kristijan Dočev eine souveräne Leistung: Alain Chervet (r.)


Die Herren-Profikämpfe

Leichtgewicht

Alain Chervet (CH) vs. Kristijan Dočev (BG)

Die ungeschlagene Berner Leichtgewichtshoffnung Alain Chervet bekam es mit einem routinierten Gegner zu tun: Kristijan Dočev, obwohl erst 20jährig, hatte zuvor schon 16 Mal als Profi im Ring gestanden und dabei zehn Mal den Kürzeren gezogen. Der negative Kampfrekord hinderte den Bulgaren aber nicht daran, von der ersten Runde an nach vorne zu marschieren. Dočev entpuppte sich als der erwartet aufsässige Gegner, der seine kleinere Reichweite und limitierten technischen Möglichkeiten mit einem umso grösseren Kämpferherzen wettmachen wollte. Das gelang ihm in den ersten Runden auch leidlich, weil Chervet zwar regelmässig seinen Jab rauswarf, dann aber immer für einen Augenblick zu lange in der Position verblieb und so vom Bulgaren mehrfach mit Rechts über der hängenden Linken abgekontert wurde. Weil er dazwischen immer wieder seine sauber geschlagenen Körperhaken unterbrachte, verschaffte sich Chervet dennoch ein Punktepolster. Der Bulgare musste zwar nur wenige harte Wirkungstreffer einstecken. Dennoch baute er gegen Ende des auf sechs Runden angesetzten Kampfs ab und musste mehr einstecken, die kumulierte Schlagwirkung machte sich nun bemerkbar.

Der zuvor immer überlegt aus der kontrollierten Defensive agierende Chervet wagte sich in der letzten Runde, im Gefühl des sicheren Punktesieges, sogar noch mehrfach in die Offensive und spielte sein noch zu selten aufblitzendes Repertoire durch: Da gab es eine Reihe von schönen Jabs und Crosses, oft gegen die Laufrichtung geschlagen, oder von sauber ausgeführten Uppercuts. Fazit: Eine solide Vorstellung von Chervet, allerdings gegen einen Gegner, der weder technisch noch körperlich zu einer echten Belastungsprobe wurde. Dieser Dočev ist als Journeyman unterwegs und arbeitet sehr ehrlich für sein Geld, war aber letztlich kein Gradmesser für Chervet.

Domenico Gottardi:                     58:56

Jörg Mangott:                              59:55

Thomas Zimmermann:                60:54 (alle Chervet)

Liess gegen Nikola Vărbanov nichts anbrennen und beendete den Kampf mit einem präzisen Leberhaken bereits in der 2. Runde: Mischa Nigg

Supermittelgewicht

Mischa Nigg (CH) vs. Nikola Vărbanov (BG)

Der K.O. kam schon nach 2:25 in der zweiten Runde: Mit einem überzeugend vorgetragenen Angriff und mehreren harten Treffern nagelte Nigg seinen bulgarischen Gegner im Ringeck fest. Dann nahm er ganz präzise Mass und setzte seinen linken Haken lehrbuchmässig auf die Leber von Vărbanov. Der Bulgare sackte wie vom Blitz getroffen vornüber und kam nicht mehr hoch. Wenngleich der Kampf allzu kurz war, um echte Aufschlüsse zu ermöglichen, wurde doch deutlich, dass der Thuner nach der schweren Niederlage gegen den weissrussischen Weltklassemann Atrohov im Mai zurück ist. Der von Res Schenk gecoachte Nigg bewegte sich unaufgeregt, suchte aber sofort entschlossen die Offensive und punktete besonders mit seiner harten Rechten. Der konsequente Vorwärtsdrang des athletisch und technisch überdurchschnittlichen Thuners wurde entsprechend belohnt. Niggs überschwänglicher Luftsprung im Anschluss an den Kampfabbruch war auch Ausdruck dafür, dass er zwischenzeitlich doch ins Grübeln geraten war. In dieser Verfassung muss er sich aber definitiv keine Sorgen machen, und die Karriereplanung von Manager Wisler erweist sich als nachhaltig und vielversprechend. Man darf gespannt sein auf Niggs nächste Auftritte.




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