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Austritt und Neubeginn

Olympia-Anwärterin Sandra Brügger verlässt den Box-Club Basel und orientiert sich neu
 

Von Andreas W. Schmid BAZ

Basel. Endlich darf Sandra Brügger am Wochenende wieder in den Ring steigen. Seit Juli hat die beste Schweizer Amateur-Boxerin keinen Kampf mehr bestritten. Irgendwas kam immer dazwischen. Einmal wurde ihr als Schweizerin die Teilnahme an den EU-Meisterschaften verwehrt. Ein anderes Mal, am letzten Boxmeeting auf dem Münsterplatz, fiel kurzfristig ihre Gegnerin aus. Dann wiederum konnte sie an verschiedenen Auslandeinsätzen von SwissBoxing nicht teilnehmen, weil es ihre Ausbildung als Masseurin nicht zuliess. Nun das Comeback: Am Nationen-Cup in Horgen zum 100 Jahre Jubiläum von SwissBoxing ist ein Doppeleinsatz am Samstag und am Sonntag vorgesehen. Es ist zugleich ein Neuanfang für die 32-Jährige.

Sandra Brügger mit Patrick Wiederkehr und dem Nachwuchs- und Frauenverantwortlichen Michael Sommer (Foto: Federico Beresini)

Zehn Jahre vertrat sie die Farben des Traditionsvereins und arbeitete mit Trainer Angelo Gallina zusammen. „Wir hatten lange eine gute Zeit miteinander“, sagte Brügger, „doch zuletzt verlief die Zusammenarbeit nicht mehr so, wie ich mir das vorstellte. Brügger glaubt, dass Gallina womöglich zu viel am Hut habe. Er betreut zahlreiche Boxerinnen und Boxer, darunter auch den Schwergewichts-Profi Arnold Gjergjaj – ein besonders zeitintensives Mandat. Seit Neustem ist Gallina auch noch Präsident des Boxclub Basels.

Drei Trainer für 27 Boxer

Dieser spricht selbst von einem ungünstigen Betreuungsverhältnis innerhalb des Clubs. Um 27 Athletinnen und Athleten kümmern sich bloss drei nebenamtliche Wettkampftrainer. „So kann es nicht weitergehen“, sagte Gallina Ende August. Das wollten auch Sandra Brügger und weitere Clubkollegen. Und so forderten sie die Absetzung Gallinas als Gesamtverantwortlichen und verlangten darüber hinaus eine weitgehend sportliche und organisatorische Selbstverwaltung. Dies lehnte der Vorstand, in einer Abstimmung an welcher Gallina als Involvierter nicht teilnahm, aber ab.

Sandra Brügger: „Also habe ich die Konsequenzen gezogen und bin ausgetreten.“ Acht weitere Boxerinnen, darunter auch die WM-Teilnehmerinnen Sarah-Joy Ray und Nadia Barriga, taten es ihr gleich.

Lange wird Sandra Brügger wohl nicht vereinslos bleiben. Die Auswahl an Clubs ist allerdings beschränkt. Zwar trainiert sie regelmässig beim Schweizer Frauen-Nationaltrainer Michael Sommer in dessen Boxclub Noble Art in Frenkendorf. Trotzdem kommt für sie ein Wechsel ins Baselbiet nicht infrage. Zum einen will sie nicht plötzlich zum Verein wechseln, mit dem der BC Basel schon seit Längerem eine grössere Rivalität verbindet, auch wenn die Zeichen zuletzt auf Entspannung standen. Zum anderen ist es ihr wichtig, dass sie auch in Zukunft vom Kanton Basel-Stadt unterstützt wird – als Anwärterin auf die Olympischen Spiele in Rio de Janeiro 2016. Dafür erhalten die Kandidaten neu 1‘000 Franken pro Monat. Bedingung ist allerdings, dass sie einem Basler Verein angehören. Mit dem Eintritt in den Boxring Basel würde Brügger dieses Kriterium erfüllen. Noch will sie dies aber nicht bestätigen.

Altersguillotine neu bei 40 Jahren

Eigentlich war das Thema Olympische Spiele für die EM Silbermedaillengewinnerin bereits abgeschlossen. Im vergangen Jahr hatte sie sich um die Qualifikation bemüht, war aber gescheitert. Brügger ging davon aus, dass sie aufgrund der Altersbeschränkung für die Spiele in Rio de Janeiro nicht mehr in Frage kommen würde. Doch dann erhöhte der internationale Boxerverband AIBA die Altersgrenze von 35 auf 40 Jahre – und Brügger war plötzlich wieder im Spiel. Theoretisch käme sie nun sogar für die Olympische Veranstaltung 2020 in Tokio infrage. Dann wäre sie aber 39 Jahre alt.

Doch so weit will Brügger noch nicht denken. Zuerst ist Rio de Janeiro das Ziel, wobei die Qualifikation für den Anlass nicht einfach geworden ist. „Es ist ein langer Weg dorthin“, sagt Brügger. Ein erfolgreiches Comeback am Nationen Cup in Horgen würde ihr aber sicher guttun.




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