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Auch ein Rekordpreis garantiert kein Boxspektakel

Klitschko im WM-Kampf gegen Powetkin der klare Favorit
 

NZZ vom 04. Oktober 2013

job. · Der nächste Kampf ist selbstverständlich der Grandioseste, das ist die immanente Logik aller Showsportarten. Wer wollte den volltönenden Impresarios also in die Parade fahren, als sie für Samstag ein epochales Spektakel im Preisboxen angekündigt haben? Immerhin steigen in einer Moskauer Grossarena Wladimir Klitschko und Alexander Powetkin in den Ring, zwei Olympiasieger, die nun beide Profi-Champions im Schwergewichtsboxen sind - weil die vier ansatzweise seriösen Weltverbände nicht mit Titeln und Ehren geizen.

Der 34-jährige Powetkin reüssiert als ordinärer Weltmeister der WBA, seit er vor gut zwei Jahren den Usbeken Ruslan Tschagajew mühevoll nach Punkten schlug. Seither hat er vier limitierte Herausforderer, aber nicht die Zweifel an seiner Eignung auf oberstem Level bezwingen können. Er ist ein eher farbloser König geblieben, über dem zwei Kaiser thronen: der inaktive Vitali Klitschko und sein jüngerer Bruder Wladimir, den neben drei weiteren Verbänden auch die WBA als sogenannten «Superchampion» führt. Auf dieser Etage hat Powetkin noch nicht geboxt: Einmal passte er als Wladimirs Pflichtherausforderer wegen einer Fussverletzung, dann hielten ihn seine Betreuer aus Sorge um seine Form zurück.

Man hat schon Schwergewichte erlebt, die sich zielstrebiger um einen Termin mit den Klitschkos bewarben, und sei es nur der Börse wegen. Im ausverkauften Olimpijski-Sportkomplex aber ist es nun so weit, nachdem der russische Promoter Wlad Hrunow kolossale Summen aufgeboten hat, um den bilateralen Gipfel für Geldgeber aus der Immobilienbranche zu ersteigern. 23 Millionen Dollar, die zu drei Viertel an Titelverteidiger Klitschko (60 Siege, 3 Niederlagen) und zu einem Viertel an Powetkin (26 Siege) gehen. So viel Geld war noch nie im Spiel, wenn sich auf dem alten Kontinent zwei Boxer massen.

Die fulminanten Zahlen können indes nicht den «Megafight» garantieren, der seither beschworen wird. Dazu hätte sich Powetkin weit überzeugender präsentieren müssen als zuletzt. Seine schnellen Bewegungen und die solide Technik prädestinieren ihn für unberechenbare Angriffe, die jeden in Verlegenheit stürzen können. Nur zu oft aber liess der leise Mann aus Kursk im Ernstfall Herz und Ausdauer eines Champions vermissen - und wechselte statt der Einstellung lieber die Trainer. Im Boxstall seines Promoters Sauerland Event kümmert man sich inzwischen nicht zufällig mehr um andere Hoffnungen wie etwa den ungeschlagenen Europameister Kubrat Pulev aus Bulgarien oder den Finnen Robert Helenius.

Wird in Moskau also nur das Geschäft abgewickelt, das sich dank dem Status der Kontrahenten machen lässt? Wladimir Klitschko ist PR-Routinier genug, um seinen Herausforderer als bedrohlichen «Krieger im Ring» darzustellen. «Er war noch nie auf dem Boden, er war noch nie angezählt», betont er, «einen besseren Gegner habe ich nie gehabt.» Alle wichtigen Zahlen aber unterstreichen die Vorteile des um zehn Zentimeter und 166 Profirunden überlegenen Seriensiegers, der die Weltspitze noch eine Weile «langweilig» halten möchte. Spannend ist allenfalls die Frage, wie lange Powetkin den grossen Zahltag durchstehen kann.

 

 

 

 




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