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Interview mit Aniya Seki

12.10.2013 (JS) – Im Zusammenhang mit der kurzfristig erfolgten Absage des Kampfes gegen die Ungarin Renate Domsodi stellte sich Aniya Seki, die das Duell ohne vorgängige Benachrichtigung ihres Managements aus eigenen Stücken annullierte, den Fragen des Präsidenten der Medienkommission von SwissBoxing, Ueli E. Adam.

SwissBoxing: Aniya Seki am letzten Sonntag hast Du auf SRF in der Sendung „Persönlich“ noch hervorragende Werbung für den Boxsport gemacht. Heute müssen wir zur Kenntnis nehmen, dass Du zu einem geplanten Kampf gegen Renata Domsodi (H) nicht antreten kannst. Diese Absage bringt den Veranstalter des Meetings in Worb in Schwierigkeiten und Dein treuer Sponsor Egger-Bier wird sich wahrscheinlich auch nicht freuen, ausgerechnet am Heimmeeting auf Dich verzichten zu müssen.

Aniya Seki: Diese Tatsache schmerzt mehr, als ein Tiefschlag während eines Kampfes. Ich werde von meinem technischen Umfeld und von meinen Sponsoren unterstützt und bin ihnen etwas schuldig. Deshalb bin ich tief betrübt, einen derartigen Entscheid fällen zu müssen.

SB: Wie begründest Du Deinen Entscheid?

AS: Natürlich wird man mir vorwerfen, dass diese kurzfristige Absage nicht zum ersten Mal für Konsternation sorgt. Ausreden im Profigeschäft sind nicht angebracht. Aber mein letzter Kampf, am 12. September 2013 auf der Lueg gegen Liliana Martinez, war ein starkes Stück Arbeit, das ich physisch noch nicht restlos verarbeiten konnte. Ich musste wider Erwarten mehrere harte Kopftreffer einstecken und ich befürchte, noch nicht auskurierte Beschwerden und leichte Schwindelanfälle könnten deutliche Signale sein, um auf den Kampf in Worb besser zu verzichten. Ich möchte eine Beeinträchtigung meiner Hirnfunktionen vermeiden und kein schlechtes Beispiel für den Boxsport abgeben. Trotzdem fühle ich mich schuldig. Einmal mehr habe ich vorschnell Zusagen gemacht, die ich nun nicht einhalten kann. Lange wollte ich dies nicht wahrhaben: erst letzte Woche war ich mir sicher, dass ein Start mehr als unvernünftig sein könnte.

SB: Das klingt vernünftig, lässt aber vermuten, dass Du Dich zu wenig mit Trainer und Management absprichst. So entsteht der Eindruck einsamer Entschlüsse

AS: ich will nicht lamentieren, aber leider ist es so, dass Boxen immer noch eine Männerwelt ist. Hier gelten ungeschriebene Gesetze, die vielleicht Frauen nicht immer erfüllen können. Mit Verletzungen und Befürchtungen wird man schnell als Sensibelchen eingestuft. Zu Unrecht! Auch eine Boxerin muss sich rigoros durchkämpfen, wenn sie sich an der Spitze behaupten will – genau, wie ich es seit Jahren tue. Ich verstehe zwar, dass man viele meiner Entschlüsse nicht nachvollziehen kann und ich will mich auch gar nicht hinter der Fassade „Frau“ mit Mitleidbonus verstecken. Aber mein Leben hat mich gelernt, dass ich zu mir und zu meinen Entschlüssen stehen muss, auch dann, wenn sie nicht immer mehrheitsfähig sind. Wer mich kennt, weiss, dass ich zu meinen Fehlern stehe und diese auch unmissverständlich kommuniziere. Leider bringen mich aber Entschlüsse, die als „einsame Entschlüsse“ gefällt werden, in Karriereschwierigkeiten. Dabei ist das Boxen mein Leben und ich würde mich für Umfeld, Publikum und vor allem für meine Sponsoren bis zu Äussersten verausgaben.

SB: Profiboxen ist nicht nur Sport, es ist auch ein Geschäft. Wie denkst Du, die Zukunft in den Griff zu bekommen?

AS: Schwer einzuschätzen. Seit jeher knüpfe ich Kontakte selber und erledige vieles allein, um wirklich am Ball bleiben zu können. Ich hoffe, dass ich weiterhin das Beste geben kann um damit meinen Sponsoren in bescheidenem Masse das zurückgeben zu können, das sie mir reichlich bieten: Vertrauen, Unterstützung und Betreuung.

SB: Aniya, wir danken Dir für dieses offene Gespräch.




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