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Staffel des BC Zürich bodigt bayrische Auswahl

Gérald Kurth (Text, weitere Fotos folgen)

27.10.2013 - Auch wenn sportlich der ganz grosse Knaller fehlte und einige Leistungsträger wie Egzon Maliqaj oder – verletzungsbedingt – Davide Faraci ihre Möglichkeiten nicht ausschöpften bzw. nicht ihr gewohntes Rendement erreichten: Der BC Zürich präsentierte den 300 Zuschauern in der idealen Ambiance des „Glatthof“ mit 12 Kämpfen (acht Staffelkämpfe, vier Vorkämpfe) ein abendfüllendes Programm mit teils hochstehenden Fights. Die Staffel des BC Zürich entschied dabei die Begegnung gegen die bayrischen Gäste vom TSV Peissenberg mit einem Gesamtskore von 10:6 (fünf Siege, drei Niederlagen) deutlich und verdient zu ihren Gunsten.

Swiss Boxing Team

Nicht unerwähnt bleiben soll hier auch die Leistung des 14-jährigen Kadetten Edin Mustafić vom BC Rheintal, der im Vorkampf seine überdurchschnittliche technische und motorische Begabung bewies. Da wächst ein Talent heran. Organisation und Ablauf der Zürcher Kampfschau waren - man ist versucht zu sagen: wie gewohnt - tadellos, was nicht selbstverständlich ist: Nach dem Tod von BCZ-Legende Gusti Strobl hat Matthias Luchsinger das Coaching am Ring an Cheftrainer Vitalij Tymošenko abgegeben und die sportliche Leitung des Klubs übernommen. Gemeinsam mit Tobias Kron und Marcel Laibacher ist er nun verantwortlich für die Weiterführung der „Boxseries Zürich“. Das Glattbrugger Event belegt es: Beim BCZ haben die Chargen gewechselt, aber das eingespielte Teamwork funktioniert unverändert reibungslos.


Staffelkämpfe – Elite und Jugend

Welter

Egzon Maliqaj (BC Zürich) vs. Magomed Šahidov (TSV Peissenberg)

Maliqaj ist mittlerweile zum stilsicheren Boxer gereift, der für Schweizer Verhältnisse über sehr viel Kampferfahrung verfügt. Mit dem Russen Šahidov bekam er allerdings einen aktuellen bayrischen Vizemeister vorgesetzt, der ihm das Leben über drei Runden schwer machen sollte: Nach einer kurzen Phase des gegenseitigen Abtastens suchte der Russe, mit hängenden Händen à la Vitalij Klitschko, vermehrt den Angriff. Weil er dabei bei seinen Abschlüssen aber immer lang blieb, konnte Maliqaj auch im Konter kaum je die Distanz überwinden und eigene Treffer setzen. In der zweiten Runde sah das plötzlich viel besser aus: Maliqaj konterte mehrfach mit präzise gedrehten kurzen Kopfhaken, weil Šahidov nach seinen Attacken etwas zu leger stehen blieb. Eher unerwartet konnte der Gastboxer aber in der letzten Runde den Kampf wieder drehen: Auch wenn Šahidov wiederholt ungestüm in Maliqaj hineinhechtete, punktete er auch wieder fleissiger. Maliqaj hingegen kam, wie schon in Runde eins, nicht mehr an seinen Gegner heran und konnte keine Reserven mehr mobilisieren. Der Mehrheitsentscheid (2:1) zugunsten des Bayern war deswegen über die gesamte Kampfdauer gesehen verdient. In optimaler Verfassung hätte Maliqaj seinem Gegner ein Unentschieden oder mehr abgetrotzt. Aber auch eine knappe Niederlage war gegen diesen starken Mann alles andere als eine Schande.


Mittelgewicht

Angel Roque (BC Zürich) vs. Suleiman Fela (TSV Peissenberg)

Ist Angel „Floyd“ Roque, obwohl noch in der Kategorie Jugend unterwegs, schon so abgeklärt, dass er seine Kämpfe absichtlich zurückhaltend angeht? Fast konnte man diesen Eindruck gewinnen. Gegner Suleiman Fela bewegt sich zu Beginn extrem leichtfüssig, variierte den Rhythmus und stach präzise mit unendlich langen Jabs zu. Das schaute sehr gut aus, und Roque wirkte, als könnte er diese Distanz nur dank Zufällen überwinden.

Ab Runde zwei wendete aber der Zürcher, unterstützt von seiner lautstarken familiären Fangemeinde, das Blatt. Roque traf mehrmals mit blitzschnellen Schwingern über die Aussenbahn ins Ziel und wurde gleichzeitig immer seltener abgekontert. In der letzten Runde nahm er sich dann aber wieder etwas zurück und bewies, dass er trotz jederzeit möglicher ungestümer Aktionen auch einen Kampf kontrollieren kann. Im Bewusstsein des Punktesieges machte sich Roque wieder länger und gestand dem Gegner keine zählbaren Aktionen mehr zu. Vielleicht fehlte diesmal Roques Auftritt etwas der Glanz: Umso mehr muss unterstrichen werden, dass der Zürcher hier über drei Runden eine erstaunlich reife taktische Leistung bot.
 

Davide Faraci (BC Zürich) vs. Alexander Rigas (TSV Peissenberg)

Für den Badener Faraci war es erst der zweite Kampf nach langer verletzungsbedingter Zwangspause. Dennoch ging es sofort zur Sache: Faraci landete einige saubere Kombinationen, von denen aber doch einige auf Rigas’ Deckung prallten. Überhaupt war der Gegner aus Peissenberg unangenehm zu boxen: Auch wenn Faraci seine hinlänglich bekannte technische Überlegenheit und Bewegungsintelligenz ausspielte – Rigas’ Doppeldeckung blieb kompakt. Wiederholt rannte er auch in Faraci hinein, um dessen präzise Kombinationen schon im Ansatz zu unterbinden. Tat er dies nicht, wurde er sofort abgestraft: Mit einem meisterlichen langen Körperhaken nahm Faraci seinem Gegner die Luft. Allerdings setzte er nach dem Anzählen nicht entschlossen genug nach und beliess seinen Gegner über drei Runden im Kampf. Rigas erholte sich und verlegte sich auf seine Kernkompetenz: Als unangenehmer Wühler beschränkte er sich auf die Zerstörung von Faracis Kreativität, insbesondere durch seine zahlreichen Aktionen mit zu tiefem Kopf. Diese wurden regelkonform immer unterbunden, brachen aber auch den Rhythmus des Schweizers. Dennoch: Faracis eindeutiger Punktesieg (3:0) war zu keinem Zeitpunkt gefährdet.
 

Superschwer

Nawshirwan Barzinje (BC Zürich) vs. Ehsan Maudodi (TSV Peissenberg)

Der routinierte Barzinje bekam es mit einem um einige Jahre jüngeren Gegner zu tun, der aber einen beeindruckenden Leistungsausweis mitbrachte: Maudodi war als bayrischer Meister und Bronzemedaillengewinner an den diesjährigen deutschen Meisterschaften angereist. Wahrlich ein Brocken, den der Zürcher da vorgesetzt bekam. Und auch einen Kopf grösser, was Barzinje vor allem zu Beginn einige Probleme bereitete. Die erste Runde war denn auch geprägt durch das gegenseitige Bestreben, vor allem die Aktionen des Gegners zu neutralisieren. Der einen Kopf grössere Maudodi blieb zwar lang, konnte aber seine Reichweitenvorteile nicht ausnutzen. Umgekehrt kam Barzinje zwar kaum je in Bedrängnis, sammelte aber seinerseits zu wenig Punkte. Vorübergehend schlichen sich in den Klammer- und Ringeinlagen auch einige Nickligkeiten ein, etwa als die beiden Boxer nach dem Gong am Ende der zweiten Runde noch weiterschlugen. Es war kein hochstehender Kampf. Letztlich brachte Barzinje wohl die entscheidenden paar Hände mehr ins Ziel. Er stach mehrfach mit langen Jabs durch die Mitte zu, als Maudodi für Augenblicke offen war. Auch ein schöner rechter Schwinger krachte an den Kopf des Gastes. Zwingende Aktionen dieser Art waren erstaunlicherweise von Maudodi bis zuletzt nicht zu sehen, so dass der knappe Mehrheitsentscheid (2:1) zugunsten des Einheimischen verdient war.


Dominic Frei (BC Zürich) vs. Stefan Staltmayr (TSV Peissenberg)

Mit Frei verfügt der BC Zürich seit einiger Zeit über einen interessanten Super-Schwergewichtler neben dem bewährten Barzinje: Der ehemalige Karateka zeichnet sich, angesichts seines Limits, durch eine bemerkenswerte Leichtfüssigkeit aus. Es war auch diese Bewegungsfreude des Einheimischen, die den Kampf für den Debütanten aus Bayern fast zu einer Überforderung werden liessen: Staltmayr hatte nie den Hauch einer Chance und musste nach einer gewaltigen Rechten Freis schon in der ersten Runde zu Boden. Der Gong rettete ihn wohl vor dem K.O. Staltmayr erholte sich aber und brachte den Kampf mit grosser Willensstärke über die Runde, wenngleich er mit allzu offenem Visier boxte. Der Preis dafür waren zu viele Kopftreffer. Allerdings liess auch der Einheimische bisweilen die nötige Deckungsarbeit vermissen und nahm im offenen Schlagabtausch den einen oder anderen Treffer. Technisch kein überdurchschnittliches Gefecht, aber dennoch sehenswert und mit einem verdienten einstimmigen Sieger aus Zürich: Dominic Frei.

Wurden von SwissBoxing-Präsident Andreas Anderegg (r.) für ihren grossen Einsatz geehrt (v.l.n.r.): "Glatthof-Wirt" Ramadan, Fabian Guggenheim, Präsident der Kampfrichter-Kommission von SwissBoxing und Matthias Luchsinger, Sportlicher Leiter beim Box-Club Zürich 

 




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