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«Unbeschreibliches Gefühl»

Künftig feiert Mic Pepshi ­zweimal im Jahr Geburtstag. Das Grabser Boxtalent hat mit Hilfe der Medizin, aber auch dank einer positiven Einstellung und zahlreichen Gebeten den Hirntumor besiegt. Die nächsten Siege will Pepshi wieder im Ring feiern.

Von Robert Kucera

Nichts. Aber auch rein gar nichts deutet heute darauf hin, dass Mic Pepshi eine lange Leidenszeit hinter sich hat. Der junge Mann gibt sich im Gespräch locker, über seine ausgestandene Krankheit redet er bereitwillig. Sein Ton verrät mehr als nur eine Spur Erleichterung. Als Zuhörer nimmt man aber wahr, dass auch bei diesem Thema der Boxer aus ihm heraus spricht. Stolz und Genugtuung eines Siegers, der nach hartem Fight ans Ziel gelangt ist, vermischen sich mit der Erleichterung. Und dies zu Recht. Denn der Gegner Pepshis war nicht von Pappe. Ein Germinom (Hirntumor) hätte dem 20-Jährigen mehr als nur die Boxkarriere kosten können.

«Das Wort Angst kennengelernt»

Kopfschmerzen, die Umgebung nur noch unscharf oder gar doppelt wahrgenommen und dazu noch Mühe mit dem Hören – die Rückkehr aus den

Ferien im Januar 2013 hatte sich Mic Pepshi anders vorgestellt. Eigentlich hätte sein Weg schnellstmöglich in den Boxkeller des BC Buchs geführt, um seine Karriere weiter voranzutreiben. Stattdessen musste er zum Arzt. Nach einigen Untersuchungen dann der Bescheid: «Wir haben etwas im Kopf gefunden, das nicht hinein gehört», wiederholt Pepshi das, was er vor fast einem Jahr hören musste. Eine Operation zur genaueren Abklärung wurde nötig. «Da habe ich das Wort Angst richtig kennengelernt», so der 20-Jährige, und er ergänzt: «Niemand kann so hart zuschlagen wie das Leben.»

 
Der Schein trügt: Mic Pepshi möchte in den Räumlichkeiten des BC Buchs nicht locker in den Seilen hängen, sondern seine Boxkarriere mit grösstem Engagement fortsetzen.                  Bild Robert Kucera  

Ende Februar war es dann soweit. Der Eindringling unter der Schädeldecke wurde bei der Operation unter die Lupe genommen. Für Mic Pepshi war die Diagnose der Anfang einer Erfolgsstory. Zwar wurde ein bösartiger Tumor festgestellt. Doch jene seltene Art reagiert empfindlich auf Strahlen und lässt sich deshalb sehr gut behandeln. «Dies war die härteste Zeit meines Lebens», blickt der Grabser auf die Therapie zurück. «Zwischendurch war ich so richtig kaputt. Ich habe viel gebetet und bin viel gläubiger geworden», erzählt Pepshi.

«Stärker sein als jemals zuvor»

Am 17. April, seinem künftig zweiten Geburtstag im Jahr, dann die erfreuliche Nachricht: Der ursprünglich golfballgrosse Tumor war nur noch etwa 11 Millimeter gross, das Gewebe tot und deshalb nicht mehr gefährlich. «Ich hatte Freudentränen», gibt der Boxer zu. «Es war ein wunderschönes, unbeschreibliches Gefühl.» Einem zunächst sanften Einstieg in den Sportalltag stand nichts mehr im Weg. Seither macht Pepshi jede Woche Fortschritte. Der Grabser schätzt, dass er wieder bei 70 Prozent angelangt ist. «Ich habe mir vorgenommen, stärker als jemals zuvor zu sein.»

Eine Kampfansage an seine künftigen Gegner im Ring. Denn Mic Pepshi will wieder boxen. Der Tumor hatte nichts mit seinem Sport zu tun – so viel steht fest. Nach 14 Monaten ohne Kampf gab er an den Schweizer Meisterschaften letzten Samstag in Kloten sein Comeback – und bezwang Marzio Franscelli (BC Ascona). Im Halbfinal wartet nun die Schweizer Nummer 1, Davide Faraci (BR Baden). Pepshi kümmert dies wenig. «Ich will jeden Kampf gewinnen und gebe Vollgas.» Erfolgshunger, gepaart mit Selbstvertrauen, hat Mic Pepshi erfasst. Im Wissen, dass er seinen härtesten Kampf bereits gewonnen hat.

 

 

 

 




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