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Nicole Boss ist Europameisterin!

Bericht von Gregor Stadelmann

22.12.2013 - Die Profiboxerin Nicole Boss hat es geschafft. Am Samstag wurde sie im ausverkauften Sternensaal in Bümpliz zur Europameisterin gekrönt. Nur in der Anfangsphase konnte die Bulgarin Kremena Petkova gute Kontertreffer platzieren. Ab der fünften Runde, wo Boss mehrere harte Treffer landen konnte, war das Momentum bei der Berner Boxerin. Hätte sie ihre Schlaghand noch präziser eingesetzt, wäre sogar ein vorzeitiger Sieg möglich gewesen.

Riesenjubel und Freudentränen bei der neuen Box-Europameisterin Nicole Boss. Links im Bild Supervisor der EBU Peter Stucki mit dem Meistergurt

Dem Team um Präsident Sascha Müller ist es gelungen, dem Publikum eine hervorragende Affiche zu bieten. Der Dank waren ein ausverkaufter Sternensaal und eine tolle Stimmung. Bemerkenswert ist zudem der Umstand, dass die Box Academy Bern acht eigene Athletinnen und Athleten im Einsatz hatte.

Manifestierte ein grosses Kämpferherz, musste aber die Überlegenheit ihrer Gegnerin anerkennen: Nicole von Känel (l.)

60 KG Nicole von Känel BA Bern ) vs. Elhem Mekaled (CLB)

Für den Höhepunkt bei den Amateuren sorgte eine Debütantin. Wenn Meistertrainer Fouad Saoud mit seinen Schützlingen anreist, darf Qualität erwartet werden und Mekaled wurde dieser Reputation mehr als gerecht. Mit einer hängenden Deckung verleitete sie von Känel zu Angriffen, mied mit ihren Reflexen die Attacke und griff dann mit vier bis fünf Schlägen an. Von Känel darf sich für diese Niederlage keinen Vorwurf machen. Wer noch nie gegen eine solche Boxerin mit diesem Stil Sparring machen konnte, wird nur schwerlich die richtige Strategie für den Kampf finden. Deshalb traf die Grenzgängerin aus Frankreich, die im nächsten Jahr offiziell für Lausanne an den Start gehen wird, immer wieder mit harten Händen. Auch für Aussenstehende war bald klar, dass Mekaled nicht boxte, um Runden zu gewinnen, sondern sie suchte konsequent denn TKO. Nachdem die Boxerin aus Bern, zum ersten Mal angezählt wurde, gab ihre Ecke den Kampf in der zweiten Runde zu Recht auf.

Shped Lika (l.) und Mike Binggeli kämpften hart um den Sieg und zeigten dem Publikum einen Klassekampf. Das bessere Ende konnte am Schluss der Heimboxer für sich verbuchen

69 KG Mike Bingeli (BA Bern) vs. Shped Lika (SC Riviera Chablais)

Es war die perfekte Paarung Techniker gegen Fighter. Bingeli zeigte einmal mehr seine hervorragende Beinarbeit doch Lika, welcher hartnäckig angriff, offenbarte auch die Fehler des jungen Berners. So entzog sich Bingeli oft dem ersten Angriff und wurde dann doch noch getroffen. Daher musste er sich in der dritten Runde einem kämpferischen Lika stellen, welcher bereit war, alles für den Sieg zu geben. Ein offener Schlagabtausch entbrannte, welcher das Publikum begeisterte. Nach drei Runden entschieden sich die Punktrichter durch Mehrheitsentscheid für Mike Bingeli.

60.4 KG Nicole Boss (Schweiz) vs. 61.2 KG Kremena Petkova (Bulgarien)

Es war eine sensationelle Stimmung, als Nicole Boss in den Sternensaal einlief. Das Publikum feierte ihre Heldin. Ihre Gegnerin war Kremena Petkova aus Bulgarin, welche mit einem Kampfrekord von 16 Kämpfen daraus acht Siegen und sieben Niederlagen angereist war. Doch der Eindruck täuscht: Die Bulgarin war vor dem Kampf auf Boxrec.com auf einem guten Platz im Ranking aufgeführt. Der Kampf wurde vom WBC-Ringrichter des Jahres 2012 Guido Cavalleri aus Italien geleitet, was die Bedeutung des EBU Titels zusätzlich unterstreicht.

Nicole Boss degradierte ihre Gegnerin zur Statistin und gewann überdeutlich nach Punkten

Boss startete bestimmt in den Kampf und dominierte die ersten Aktionen. Danach nahm sie sich ein bisschen zurück und studierte ihre Gegnerin. Ab der zweiten Runde griff die Berner Boxerin vermehrt an. Ihr bester Schlag war der rechte Cross oder die rechte Gerade, welche über die hängende Führhand der Bulgarin ihr Ziel fanden. Doch die Bulgarin fing an, die Attacken der Bernerin zu antizipieren und traf nun mit ihren Konterschlägen. Dies war besonders in der dritten Runde der Fall, als die klareren Treffer der Bulgarin gehörten. Boss war aber auch in dieser Runde ganz klar die aktivere Boxerin. In der fünften Runde setzte Nicole Boss nach einer guten Aktion vehement und präzise nach. Die Bulgarin wurde dabei von mehreren harten Treffern durchgeschüttelt. Danach war ihr Siegeswille gebrochen. Boss hingegen fand nun immer besser in den Kampf und konnte Geschwindigkeit und Ablauf dominieren. Bewundernswert war die konditionelle Verfassung der Bernerin, welche scheinbar mühelos auch noch in der letzten Runde ihr gewünschtes Tempo boxen konnte.

Die Urteile der Punktrichter waren eindeutig. Alle hatten Boss als klare Siegerin. So punktete Guido Cavalleri 90:100, Oliver Brien 91:99 und Josef Temml 90:100. Nach diesem Urteil durften sich Nicole Boss und ihr Team um Sascha Müller feiern lassen.

Kehrte nach seiner Finalniederlage an den Schweizermeisterschaften gegen Davide Faraci auf die Siegerstrasse zurück: Amir Orfia

75 KG Kasam Pulja (BA Bern) vs. Amir Orfia (CLB)

Der 29-jährige Kasam zeigte in diesem Kampf ein unglaubliches Kämpferherz. Immer wieder hielt er sich mit Offensivattacken im Kampf, forderte den jungen Lausanner und versuchte ihn in einen offenen Schlagabtausch zu verwickeln. Doch Orfia, welcher bereits über 30 Kämpfe bestritten hat, zeigte eine taktisch solide Leistung. So griff er ab der ersten Minute immer wieder den Köper des Berners an. Auch zeigte er schöne Kombinationen zum Kopf, welche ihre Wirkung hinterliessen. Nach drei Runden wurde Orfia Amir zum Sieger durch Punktentscheid ausgerufen.

70 KG Disjarot Gashi (Schweiz) vs. 69.3 KG Stiliyan Kostov (Bulgarien)

Auf dem Blatt war es eine hervorragende Kampfpaarung. Leider wurden die Erwartungen nicht erfüllt. Beide Boxer starteten abwartend. Alternativ wurden die Aktionen des Gegners durch zu tiefes Abtauchen oder Klammern unterbunden. Auch in der zweiten Runde waren fast keine Aktionen zu verzeichnen. Wenn eine Aktion gestartet wurde, dann griffen beide Boxer mit der Absicht an, den Gegner mit einem Schlag umzuhauen. Ausser ein paar linken Hacken des Bulgaren war das Highlight der Runde ein Tiefschlag. Auch in der dritten Runde kam der Kampf nicht in Fahrt. Dafür entlud sich die Stimmung nach dem Gong, wo beide Boxer nachschlugen und es danach zu einem verbalen Disput kam. In der vierten Runde verwarnte Ringrichter Beat Hausammann den Bulgaren für das zu tiefe Abtauchen. Dieser suchte nun definitiv nur noch den Knockout. In der fünften Runde bekam auch Gashi einen Punktabzug, da er die Aktionen des Bulgaren nun konsequent durch Klammern unterband.

In der Pause zur sechsten Runde wurde der Ringarzt hinzugezogen. Gashi schien sich in der Anfangsphase des Kampfes eine Verletzung zugezogen zu haben, welche es ihm unmöglich machte, weiter zu boxen.

Zudem konnten Mehtap Uestündag (BC Sissach), Nicole Zimmermann (BA Bern), Angelo Falcone (BC Biel) und Jonas Marti (BA Bern) ihren Kampf gewinnen. Sabine Nussbaumer (BA Bern) und Babett Lasch (BC Aarau) boxten unentschieden.

Die Box Academy Bern hat sich mit dem Titelgewinn von Nicole Boss das schönste Weihnachtsgeschenk gemacht. Sascha Müller und sein Team wollen nun die Feiertage geniessen. Doch 2014 soll der gewonnene Titel verteidigt werden. Dies wäre eine tolle Fortsetzungsstory für eine Geschichte, welche zu einem würdigen Abschluss des Jubiläumsjahres von SwissBoxing beigetragen hat.




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