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Den Fokus auf die USA gerichtet

Der Buchser Profiboxer Sevdail Sherifi steigt am 24. Januar in Atlantic City in den Ring. Er und sein Coach Pasquale Accardi tun derzeit alles, um das Gefecht gegen Venroy July, Amerikas Nummer 9 im Cruisergewicht, als Sieger zu beenden.



Armando Bianco (Text und Bilder)

Einem Peitschenknall gleich hallt es durch den Raum, wenn Sevdail Sherifi mit Urgewalt auf die Pratzen eindrischt, die ihm Coach Pasquale Accardi abwechselnd oben und unten, links und rechts hinhält. Auf dem Rindsleder perlen die Schweisstropfen, feine Risse durchziehen die Oberfläche, welche die extrem flexible Polyurethan-Füllung der Pratzen umgibt. Pasquale Accardi spannt immer wieder seinen ganzen Körper an, um die wuchtigen Schläge von Sevdail Sherifi abzufangen. Der Mann haut wie ein Pferd. Pamm! Pamm!

Alles auf eine Karte

Sevdail Sherifi ist 25 Jahre alt, geboren in Preševo, seit dem 5.Lebensjahr in der Schweiz, gelernter Sanitärinstallateur, hier zur Armee gegangen. Auf seiner knallroten Kampfhose trägt er das Schweizer Kreuz und das Logo seines US-Boxstalls, gegründet von einem albanischen Landsmann. «The Illyrian» lautet sein Kampfname.

Mit 14 hat der Buchser im Karate Selbstdisziplin gelernt, dann ging er zu den Amateurboxern, wechselte 2009 ins Lager der Profiboxer. Auf seiner Autogrammkarte steht: «Ich will Weltmeister werden. Das ist mein Traum, der mich bis hierher gebracht hat und der mir Kraft gibt, weiter zu kämpfen, mich zu quälen, Opfer zu bringen und nicht aufzugeben.» Aus dem Traum soll einst Realität werden, deshalb hat er Ende 2012 seinen Beruf aufgegeben und ist einen Monat später nach New York gereist, um dort bei einem Promoter anzuheuern. Seither setzt er voll auf die Karte Profiboxen.

Des Boxers Seele streicheln

Pasquale Accardi, ebenfalls aus Buchs, ist seit vielen Jahren ein bekannter Name in der hiesigen Szene. Der Coach von Sevdail Sherifi ist einer vom Fach, kennt das Boxen in- und auswendig. Akribisch arbeitet er mit seinem Schützling im Training an allerlei Details wie Beinstellung, Körperhaltung, Schlagtechnik.

Er fordert den inneren Schweinehund heraus oder streichelt wenn angebracht des Boxers Seele. Die beiden sind seit vielen Jahren befreundet und teilen die gleiche Passion. In wenigen Tagen begleitet Pasquale Accardi seinen Boxer zum dritten Faustkampf in den USA.

Es gibt immer eine Chance

Am 24. Januar steigt Sevdail Sherifi in Atlantic City gegen den US-Amerikaner Venroy July in den Boxring (siehe Text unten). Veranstaltet wird der Anlass von Main Events, einem der einflussreichsten Boxpromoter der Welt. Mit einem so starken Gegner ist der Buchser noch nie im Ring gestanden.



Sein erstes Duell auf amerikanischem Boden hat Sevdail Sherifi nach einem beherzten und ausgeglichenen Kampf durch Technischen Knockout in Runde gegen Joshua «The Juice» Harris 5 verloren. Doch im Leben gibt es bekanntlich immer eine zweite Chance, und im Boxen erst recht. Sieben Monate später erreichte er ein umstrittenes Unentschieden gegen den deutlich höher rangierten Texaner Quantis «Hot Hands» Graves. Viele Experten vor Ort hatten den Schweizer vorne gesehen, doch der Heimbonus wiegt im Boxen bekanntlich schwer.

Pratzen, Sack und Ball

Pamm! Pamm! Sevdail Sherifi schnauft jetzt schwer, Pasquale Accardi fordert ohne Gnade linke Haken, rechte Geraden. Die Einheiten an den Pratzen sind besonders wichtig. Auge, Reaktionsvermögen und Präzision werden so geschult. Zur Vorbereitung gehört auch die Arbeit am Sack, hier geht es um den Punch, die Schlagkraft. Der Punchingball dient hingegen mehr zur Konzentration. Ausdauer, Kraft und geistige Stärke sind die Basis des Sportlers. Trainiert wird fast täglich. «Selbst an den Festtagen waren wir zum Training hier im Atrium Buchs», so der Coach. «Auch am 24.?Dezember konnten wir es nicht lassen», meint der Boxer schmunzelnd.

Ein Kampf wird allerdings nur zur Hälfte mit der Faust entschieden. Die andere Hälfte macht der Kopf aus. Ein Boxer braucht den unbedingten Willen, sich in schlimmen Situationen durchzubeissen. Und die Klugheit, die Schwächen des Gegners zu erkennen.

Triumphe und Tragödien

Vom Boxen als Fechten mit der Faust zu sprechen, ist nicht falsch. Auch wenn die Sportart noch immer um Anerkennung in der Gesellschaft kämpft, sprechen Zahlen und Emotionen doch eine deutliche Sprache, heute wie damals: Floyd «Money» Mayweather Jr., in 45 Kämpfen unbesiegter Weltmeister aus Las Vegas, war 2013 der bestverdienende Sportler der Welt. Und Muhammad «The Greatest» Ali ist in der Geschichte der Menschheit eine Sportlegende von einzigartigem Status.



In der Auseinandersetzung Mann gegen Mann und Frau gegen Frau wird der Boxring zur Bühne für Triumphe und Tragödien. Der Buchser Sevdail Sherifi kennt aus seiner Karriere sowohl den Sieg als auch die Niederlage. Am Abend des 24. Januar soll sein Traum in den USA weitergehen. Pamm! Pamm!

In der Rolle des Underdog

Sevdail Sherifi hat im November 2009 sein Début als Profiboxer gegeben und ist seither in 14 Kämpfen nur zweimal als Verlierer aus dem Ring gegangen. Viele seiner Siege hat der Buchser durch Knockout entschieden. Ende 2012 hat er den Boxclub Bad Ragaz verlassen, am 24.Januar macht er nun seinen dritten Kampf unter den Fittichen des US-Boxstalls Dovolani Boxing. Sevdail Sherifi kämpft im Cruisergewicht und belegt dort die Position 241 unter weltweit 973 lizenzierten Profiboxern. Den Aufstieg in der Rangliste hat die Schweizer Nummer 3 innert weniger Jahre realisiert. Langfristiges Ziel ist die Spitze der Gewichtsklasse bis 90,72 Kilogramm.

Der Weg dahin führt vorerst in Atlantic City über den US-Amerikaner Venroy July. Der in Jamaika geborene und im US-Bundesstaat Maryland lebende Sportler wird an Position 67 der Weltrangliste geführt, unter den US-Boys ist er gar die aktuelle Nummer 9. Er hat von 18 Kämpfen 15 für sich entschieden, zweimal endete das Gefecht unentschieden. Die einzige Niederlage datiert vom Februar 2013, in Washington kassierte er gegen seinen Landsmann Elvin Sanchez durch Technischen Knockout. Das zur Überraschung der Anwesenden, war der Gegner auf dem Papier doch klar schwächer einzuschätzen. Dieselbe Ausgangslage besteht auch im Fight gegen den Schweizer.

«Das ist nicht mehr als ein Blick aufs Papier», sagt er voller Siegeswille. Sevdail Sherifi scheint die Rolle des Underdog nur recht zu sein. «Wir haben den Gegner zwar studiert, doch wir wissen, was unsere Stärken sind, und die werden wir ausspielen», hält Coach Pasquale Accardi fest. Dazu gehört, dem Gegner seinen eigenen Stil aufzuzwingen.

Der Kampf findet im Rahmen einer Gala statt, an der 16 Kämpfer in den Ring steigen werden.




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