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Weiterer Sieg für Domini, gelungenes Début von Ciriolo

Bericht von Gérald Kurth (Text) und Deborah Polasek (Fotos)

30.03.2014 - Ornella Domini, EBU-Titelhalterin im Weltergewicht, steht auch nach ihrem siebten Kampf als Professional weiterhin mit makelloser Weste da und verbucht nun ebenso viele Siege. 

Riesenfreude bei Ornella Domini nach ihrem Sieg gegen die Bulgarin Kremena Petkova

Am traditionellen Meeting des BC Nyon zum Frühlingsauftakt musste sie allerdings gegen Kremena Petkova über die volle Distanz und stiess auf mehr Widerstand, als es die durchzogene Kampfbilanz der Bulgarin vermuten liess. Die Genferin war zudem durch eine Verletzung am linken Ellenbogen handicapiert und konnte ihren gefährlichen Jab nicht wunschgemäss ins Ziel bringen. Umso positiver ist zu werten, dass Domini mittlerweile so viel Stilsicherheit gewonnen hat, dass sie trotz Beeinträchtigung ihr Programm unaufgeregt runterboxt. So hält sie auch Gegnerinnen sicher in Schach, die sich schon mit den Besten des Limits gemessen haben: Petkova hatte zuvor schon gegen Delfine Persoon und Klara Svensson geboxt, gegen diese aber ebenso deutlich verloren wie 2013 gegen die Bernerin  Nicole Boss, EBU-Champion im Leichtgewicht.

Verheissungsvoll verlief auch das Profi-Début des für seinen intensiven Angriffsstil bekannten Genfers Stefano Ciriolo: In einem Vierrundenkampf setzte er zwar den ehrlichen Arbeiter Vasil Vasilev unter enormen Druck, konnte ihn jedoch nicht ausknocken. Angefeuert von seiner begeisterten Fangemeinde aus Vernier wollte Ciriolo gegen den Bulgaren um jeden Preis Spektakel bieten und verkrampfte sich zusehends, nachdem er den Bulgaren eigentlich schon angeklingelt hatte.

Das temperamentvolle Publikum in Nyon quittierte die Auftritte von Profis und Elitekämpfern gleichermassen mit Beifall. Überhaupt kamen die knapp 400 Boxfans in der prall gefüllten Salle Communale auf mehr als ihre Kosten, weil das Veranstalterteam des BC Nyon ein reichhaltiges Programm mit insgesamt 14 Kämpfen bot, darunter immerhin drei Profi- und vier Frauenkämpfe. Die Kämpfer aus der Romandie sorgten für zahlreiche atmosphärische Höhepunkte, insbesondere der absolute Publikumsliebling Dat Tai Pham. Der Einheimische fand allerdings diesmal im glänzend disponierten Piemonteser Iuliano Gallo eher überraschend seinen Meister.
 

Die Profikämpfe

Halbmittelgewicht

Stefano Ciriolo (RS Vernier) vs. Vasil Vasilev (Bulgarien)

Ciriolo ist auch als Profi immer für einen attraktiven Kampf gut. Der erfahrene Genfer marschierte, zur Freude des mitgereisten Anhangs, auch gegen den Bulgaren Vasilev sofort vorwärts. Während Ciriolo viel beweglicher war als der Bulgare, bewies dieser einiges Stehvermögen und reichlich Nehmerqualitäten. Dies ist umso erstaunlicher, als Vasilev kaum Kämpfe als Amateur gemacht hatte und fast aus dem Stand Professional wurde. Der motorisch überdurchschnittlich begabte Ciriolo belagerte seinen Gegner hartnäckig und deckte diesen mehrfach mit ganzen Salven ein. Variabilität und technische Klasse des Genfers blitzten dabei immer wieder auf, und so erstaunte es nicht, als Vasilev in der dritten Runde nach längerem Nasenbluten und einer weiteren Lawine angezählt wurde.

Bearbeitete seinen Gegner hartnäckig und deckte diesen mit Salven ein: Stefano Ciriolo

Statt den Gegner nun präzis auszukundschaften und mit weniger, dafür präzisen Schlägen Vasilev auszuknocken, wollte Ciriolo den Fight mit brachialer Gewalt beenden. Der Genfer warf sich mit ungestümer Gewalt mehrfach auf den Bulgaren und übersah dabei die Lücken, wo er seine Schläge präzise hätte unterbringen können. So gelang es Vasilev, bis ans Kampfende stehen zu bleiben. Ciriolo hat alles, um in seinem Limit weit zu kommen. Das bedingt aber die Bereitschaft, die Kampfstrategie zu verbessern und taktische Anpassungen blitzschnell vorzunehmen. Der Genfer neigt, um des Spektakels willen, dazu, den Gegner auszublenden und so auch die Chancen zu verpassen, die dieser ihm offeriert.
 

Die Wertung der Punktrichter:
 

Claudine Pascal:               40:35

Bertrand Bossel:               40:35

Corrado Corsi:                  40:34

 

Weltergewicht

Ornella Domini (BC Genève) vs. Kremena Petkova (Bulgarien)

Was in der ersten Runde noch wie ein vorsichtiges Abtasten der Gegnerin gewirkt hatte, erwies sich in der zweiten Runde als verletzungsbedingte Beeinträchtigung: Ornella Domini kam kaum in die richtige Distanz und konnte so nur ganz selten eigene Aktionen abschliessen. Umgekehrt fanden einzelne Hände der Bulgarin immer wieder ins Ziel. Nach der Hälfte der absolvierten Runden forcierte Domini vermehrt die Offensive, ihre Hände wurden länger.

Ornella Domini forcierte ab der zweiten Hälfte des Kampfes vermehrt die Offensive

Aber Petkova steckte als Konter immer wieder gute einzelne Jabs dazwischen, mit denen sie den Punktestand einigermassen ausgeglichen gestalten konnte. So verlief der Kampf bis ans Ende der sechsten Runde: Domini schaffte es infolge Blessur und herabgesetzter Fitness nicht, ihre gewohnte Spritzigkeit in den Ring zu bringen, verbuchte aber regelmässig Punkte. Und doch: Die gereifte Boxerin aus Tannay baute nie die Dominanz auf, zu der sie mittlerweile eigentlich fähig ist. Da Petkova keine schlagstarke Angriffsboxerin ist, wäre sie umgekehrt aber nicht dazu fähig gewesen, das Blatt zu ihren Gunsten zu wenden, selbst wenn Domini noch eingeschränkter gewesen wäre.
 

Die Wertung der Punktrichter:
 

Claudine Pascal:               59:55

Corrado Corsi:                  59:55

Bertrand Bossel:               58:56 (alle Domini)

 

Elite- und Amateurkämpfe
 

75 kg

Amir Orfia (BC Lausanne) vs. Marco Miano (Italien)

Ein sehr guter Elitekampf mit einem ausgezeichnet agierenden Orfia: Der schlaksige Lausanner behauptete sich gegen den athletischen Miano aufgrund seiner technischen Variabilität, Laufbereitschaft und der klugen Rhythmuswechsel. Miano ist ein hart schlagender und konditionsstarker Boxer, der gewöhnlich seine Gegner buchstäblich weichklopft. Orfia hingegen liess ihn nach allen Regeln der Kunst ins Leere laufen:

Amir Orfia (r.) zeigte gegen den Italiener Marco Miano eine taktische Meisterleistung

Der Lausanner begab sich kaum je in den Infight, schlug aus der Distanz lange, gerade Hände oder platzierte, nach blitzschnellen Richtungswechseln, präzise Upper Cuts. Miano brachte kaum eine Faust vor die andere und war sichtlich beeindruckt von Orfias reifer taktischer Vorstellung. Und blieb dennoch fair bis über den Schluss hinaus: Zu keinem Zeitpunkt verstiessen die Kontrahenden gegen die Grenzen des Fairplays und klatschten auch nach dem Schlussgong herzlich ab.  Ein Bravo an Orfia und Miano!
 

56 kg

Dat Tai Pham (BC Nyon) vs. Iuliano Gallo (Italien)

Auch die Leichtgewichte zeichneten sich bis zum Schluss durch ihre vorbildliche Fairness aus, obwohl während der drei Runden zuvor pausenlos aus allen Rohren gefeuert worden war. Das galt besonders für den noch etwas leichteren Gallo, der gegen Pham (Schweizer Meister 2013) schlicht eine herausragende Visitenkarte abgab. Der Piemonteser arbeitete pausenlos gegen einen Lokalmatadoren, der bekanntlich hervorragend zu Fuss ist und ebenfalls gerne und viel schlägt.

Fand im Italiener Iuliano Gallo seinen Meister: Dat Tai Pham (l.)

Da war alles drin: einfache Links-Rechts-Kombinationen, dann aber auch lange Schwinger über die Deckung gezogen, und immer wieder phantastische Meidbewegungen gegen einen zunehmend ratlosen Pham. Der Einheimische geriet immer stärker unter Druck und musste wiederholt klammern. Pham fand gegen einen Gegner, der ihn mit Schlagfrequenz und Variantenreichtum niederwalzte, nie einen Weg aus der Bedrängnis. Und das Publikum honorierte, bei aller Parteinahme für Pham, die hervorragende Vorstellung des jungen Gastboxers: Die Wertung (1:2 Richterstimmen) zu Gunsten Gallos wurde mit herzlichem Applaus quittiert, und Pham war der erste, der einsah, dass er an diesem Abend gegen diesen Gegner chancenlos war.
 

69 kg

Florin Bristian (BC Lausanne) vs. William Codirolle (RS Vernier)

Ein harter und gleichzeitig sehenswerter Kampf: Bristian schlug enorm kräfteraubend und man gewann schnell den Eindruck, dass er diese Intensität nicht über drei Runden würde durchhalten können. Tatsächlich kam Codirolle im Verlauf der zweiten Runde häufiger nach vorne und steckte immer wieder, trotz Reichweitennachteilen, seinen hervorragenden Jab durch.

Lieferten sich einen Kampf auf Biegen und Brechen: Florin Bristian (l.) und William Codirolle

Die haushälterische Kampfgestaltung Codirolles wurde aber letztlich nicht belohnt. In der dritten Runde lieferten sich Bristian und Codirolle einen Kampf auf Biegen und Brechen, der das Publikum von den Sitzen riss. Und der Lausanner konnte tatsächlich noch unerwartete Kraftreserven mobilisieren. Der knappe Sieg mit 2:1 Richterstimmen für Bristian war deshalb verdient. Erfreulich: Bei aller Härte und Aggressivität überschritten auch diese Kämpfer die Grenzen der Fairness zu keinem Zeitpunkt.




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