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Brügger musste nicht ihr Bestes geben

Die beste Schweizer Amateur-Boxerin sucht ihre EM-Form

Von Daniel Aenishänslin

Frenkendorf. Sandra Brügger gewann ihren Kampf vom Wochenende gegen Sandra Corazza klar nach Punkten. Obwohl  Corazza amtierende italienische Meisterin im Leichtgewicht ist, sprach Brügger hinterher  lediglich von einem «Aufbaukampf». Zu wenig wurde die stärkste Schweizer Amateur Boxerin während der vier Runden im Ring gefordert. «Sie machte nicht so viel, also musste ich auch nicht so viel tun.» Die Siegerin sprach auch von einem «ruhigen Schlagabtausch». Ein bisschen zufrieden gab sich Sandra Brügger zum Schluss gleichwohl, «weil ich gewonnen habe».

Sandra Brügger (r.) siegt überlegen gegen die Boxerin aus Italien. "An den Europameisterschaften warten andere Kaliber auf mich"

Ein Aufbaukampf war  das Aufeinandertreffen im Noble Art Boxing Center in Frenkendorf gleich aus zwei Gründen. Natürlich, weil in acht Wochen die Europameisterschaft in Bukarest ansteht. Es war auch ein Aufbaukampf, weil Sandra Brügger seit dem Gewinn der Silbermedaille am Golden Girl Championship Meeting im schwedischen Boras keine Ernstkämpfe mehr bestritt. «Eine Augenverletzung hinderte mich daran.» Mehr als zwei Monate sind inzwischen vergangen.

Fit habe sie sich dennoch halten können. Die Technik wurde mit Schattenboxen und Pratzenarbeit konserviert. «Ich bin nicht weit weg von meiner Topform», sagte die 33-Jährige, «was mir fehlt sind einfach noch ein paar Ernstkämpfe.» Deshalb war der Kampf gegen Sandra Corazza ein wichtiger Schritt in Richtung ihrer Ziele. «Ich wurde sicherlich gefordert, aber es warten noch ganz andere Kaliber.»

Ein erstes Ziel sei eine Medaille an der Europameisterschaft und damit im Minimum der Einzug ins Halbfinale. Das ganz grosse Ziel jedoch würde in Brasilien liegen. 2016 will Sandra Brügger in Rio eine Medaille an Olympia herausschlagen. «Das wäre das passende Ende für meine Karriere, mein Karrierehöhepunkt.» Brügger nennt die Olympiateilnahme denn auch schlicht ihr «Hauptziel».

Gut verdaut habe sie, dass sie vergangenes Jahr den Boxclub Basel verliess und sich mit Nationaltrainer Michael Sommer neu orientierte. «Er verfolgt mit mir exakt dieselben Ziele, wie ich sie mir gesetzt habe», sagte Brügger, «deshalb funktioniert die Zusammenarbeit mit ihm auch perfekt.» Künftig werde sie für das Frauenboxteam Basel boxen, sobald dieses für Kämpfe zugelassen werde. Bis dahin bleibe sie Mitglied im Boxring Basel.

Der Kampf zwischen Sandra Brügger und Sandra Corazza fand im  Rahmen eine Meetings statt, wie es das Noble Art Boxing Center regelmässig veranstaltet. Rund 300 Zuschauer verfolgten das Geschehen im Ring. Die Boxer kamen aus der Schweiz, Deutschland, Frankreich und Italien. Im Mai wird das Center einen Länderkampf zwischen der Schweiz und England in der Dreifachhalle Egg veranstalten.

Zum Kochen brachte das Center vor allem der Kampf im Mittelgewicht zwischen Joel Lier vom Boxring Basel und Ramon Abt vom Boxclub Basel. Lier siegte. Ebenfalls die Emotionen schürte der Exhibition-Kampf zwischen dem französischen Juniorenmeister Charly Medina (15 Jahre, 40 kg) und Lokalmatador Korcan Capar (13, 75). Dabei wurde Medina derart lautstark von seinem zehnjährigen Bruder Yanis («ich bin selbst ein Boxer») angefeuert, dass dieser zur Attraktion ausserhalb des Rings avancierte. 




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