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Berns berühmtestes Souterrain

Neues Leben für den Boxkeller
 

Walter Rüegsegger, 2. Januar 2014

Gut 75 Jahre alt ist der Berner Boxkeller an der Kochergasse 4. (Bild: NZZ / Simon Tanner)

Der frühere Handballer Geri Staudenmann übernimmt die Leitung des legendären Boxkellers. Unter der Affiche «Boxen Bern» soll dieser zur einstigen Ausstrahlung zurückfinden.

Gut 75 Jahre alt ist der Berner Boxkeller an der Kochergasse 4. Er gehört zur Bundesstadt wie das Warenhaus Loeb oder das Berner Nobelhotel Bellevue, das gegenüber dem Geschäftshaus liegt, in dem das einst berühmteste Souterrain Berns lag. Hier wirkte von 1955 bis 1999 der legendäre Boxtrainer Charly Bühler, ein Schüler des Boxlehrers David Avrutschenko, der Mitte der 1930er Jahre in Bern die Boxschule eröffnet hatte.

Max Hebeisen in Pension

Bühler machte Bern zum Mekka des Boxsports; zahlreiche Schweizer Meister und etwa 30 Berufsboxer trainierten in dem eher kleinen Keller mit spartanisch eingerichteten sanitären Anlagen, zusammen mit vielen Hobbysportlern, die vom Boxtraining infiziert waren. Darunter befanden sich auch die ehemaligen Spitzenhandballer Geri Staudenmann und Daniel Eckmann. Sie und zwei, drei Dutzend Berner blieben dem Keller treu, als er von Max Hebeisen übernommen wurde. Hebeisen war der treuste Schüler von Bühler, er war mehrfacher Amateurmeister, und als Berufsboxer blieb er in seinen ersten 34 Kämpfen ungeschlagen.

Dem sympathischen und bescheidenen Stadtberner, der nie aus dem Schatten seines Lehrers heraustreten wollte, gelang es zunächst, den Betrieb der Boxschule aufrechtzuerhalten. Als er von gesundheitlichen Problemen heimgesucht wurde, begann der Keller vor sich hinzuserbeln. Zwei seiner Boxlehrer eröffneten anderswo Boxschulen, mit ihnen gingen die Schüler und Studenten. Nur ein harter Kern blieb und hielt so den Kellerbetrieb aufrecht.

Als sich auf Ende 2013 die Pensionierung von Hebeisen und damit die mögliche Schliessung dieser Berner Institution abzeichnete, entschloss sich Geri Staudenmann, zusammen mit seinem Sohn den Boxkeller unter dem Namen «Boxen Bern» zu übernehmen. Unterstützt wird er dabei von einer Handvoll langjähriger Hobbyboxer, die «den Charme und die Atmosphäre dieser legendären Institution» aufrechterhalten und wieder neu beleben wollen.

Staudenmann, Inhaber einer PR-Agentur und eines Kommunikationsunternehmens, will dem Keller im Frühling einen neuen Anstrich geben und später einige Anpassungen vornehmen, «immer aber mit dem Ziel, die Werte der Institution und deren Ausstrahlung aufrechtzuerhalten». Der ehemalige Spitzensportler, der mit BSV Bern als Spieler und Trainer Schweizer Meister war und viele Jahre in der Handball-Nationalmannschaft spielte, will zu einem späteren Zeitpunkt die Zusammenarbeit mit anderen Berner Boxklubs nicht ausschliessen.

Fünf neue Boxgyms

Die Chancen, dass der Boxkeller, der unter Bühler zum Berner Kulturgut gehörte, weiter bestehen bleibt, haben sich mit der neuen Trägerschaft deutlich verbessert. Allerdings hat ein erheblicher Teil der treuen Kundschaft die fünfzig bereits überschritten. Und die Konkurrenz in der Bundesstadt mit fünf zum Teil grösseren und moderneren Boxgyms ist gross. Sie haben den Vorteil, dass sie über Amateur- oder sogar Profiboxer verfügen. Staudenmann will deshalb in einem späteren Schritt versuchen, den Bereich des Fitnessboxens auszuweiten. Denn der Reiz zu Zeiten Bühlers für die Hobbyboxer bestand vor allem auch darin, sich im Ring trainingsmässig mit einem Amateur- oder sogar Berufsboxer zu messen.

Staudenmann unterstützt deshalb die Bestrebungen, den darniederliegenden Athletic Boxclub Bern (ABCB) zu reaktivieren. Der ABCB war zu Bühlers Zeiten mit über hundert Schweizer Amateur-Meistertiteln der erfolgreichste Boxklub der Schweiz. Heute existiert er nur noch auf dem Papier. Die Adresse besteht noch: Kochergasse 4, 3011 Bern.




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