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Nigg, Chervet und Obenauf siegen in Thun

Ueli E. Adam (Text und Fotos)

22.04.2014 - Mischa Nigg (Boxing Kings Thun) und Alain Chervet (Boxing Kings Bern) bestätigen ihre Perspektiven mit soliden Aufbaukämpfen, Viviane Obenauf, Amateur-Schweizermeisterin 2012, (Boxing Kings Thun) siegt in ihrem ersten Kampf als Berufsboxerin.

Mischa Nigg attackiert seinen Kontrahenten mit der linken Führhand

In Thun dürfen die ersten Früchte einer konsequenten Planung geerntet werden. Die Strategie von Daniel Hartmann (Boxing Kings) und Christina Nigg (BTO) ist vielversprechend. Die beiden Profis Alain Chervet (Boxing Kings Bern) und Mischa Nigg (Boxing Kings Thun) kämpfen seit einiger Zeit auf einer gemeinsamen Plattform.  Hartmann hat dem von Christina Nigg geführten BTO das Label Boxing Kings Thun vergeben und damit den Weg für eine erfolgsversprechende Veranstaltungsorganisation geschaffen. Das Meeting in Thun hat bewiesen, dass das Publikum dieses Konzept sehr zu schätzen weiss. Jack Schmidli führte in der voll besetzten Thun-Expo-Halle souverän durch eine Veranstaltung, die sich etabliert hat. Eine genaue Saisonplanung der Kings ermöglicht den Profis den zielgerichteten Aufbau der Karrieren. Die Ex-Weltmeisterin aus Thun hat auch dafür gesorgt, dass dem Frauenboxen im Profibereich ebenfalls eine solide Bühne gewährt wird.

"Goldengirl" mutiert zum "Badgirl": Vivane Obenauf (r.) lässt ihrer Gegnerin aus Ungarn nicht den Hauch einer Chance

Viviane Obenauf (Boxing Kings Thun, 59,5 kg) vs. Amra Okugic (Bosnien, 56,5 kg )

Das Schweizer Frauen-Berufsboxen ist um ein Talent reicher: in ihrem ersten Profikampf siegte Viviane Obenauf überzeugend. Die Amateur-Schweizermeisterin von 2012 schlug die ebenfalls zu ihrem ersten Profikampf angetretene Bosnierin Amra Okugic mit einem klaren Punktsieg. Beeindruckend war vor allem die Performance der gebürtigen Brasilianerin: mit beiden Händen hart schlagend, immer im Vorwärtsgang, liess Obenauf ihrer keineswegs inferioren Gegnerin nicht den Hauch einer Chance. Viviane Obenauf siegte mit einem perfekten Einstand ins Profigeschäft. So entschied das Kampfgericht: Armin Bracher 40:34; Thomas Zimmermann 40:36; Domenico Gottardi 40:36

Alain Chervet (BK Bern, 62,8 kg, 6-0-2) vs. Karoly Lakatos (Ungarn, 62,2 kg, 13-42-1)

Nach einem polnischen Neo-Profi (Czerniawski), den er vor einem Monat in Worb überzeugend besiegen konnte, traf Chervet in Thun in seinem neunten Kampf auf einen abgebrühten Journey-Man aus Ungarn. Karoly Lakatos, der in der Schweiz schon gegen Vito Rana, Martino Ciano und Muharem Berisha geboxt hat, ist seit 1999 in den Ringen Europas (u. a. England, Schottland, Deutschland, Italien)  unterwegs. Der 33-jährige Ungare wurde stets als Prüfstein für junge Talente verpflichtet und verfügt über eine grosse Ringerfahrung. Man durfte deshalb gespannt sein, wie Chervet den Kampf gestalten würde. Der Berner enttäuschte nicht: er dominierte den Ringfuchs aus Ungarn, ohne allerdings dem Kampf eine entscheidende Wendung geben zu können. Mit einer sehr guten Beinarbeit und einem guten Auge wusste sich Lakatos stets aus der Gefahrenzone zu retten. Zwar konnte Chervet bereits ab der zweiten Runde variabel geschlagene Treffer landen und mit einem rechten Körperhaken brachte er in der dritten Runde Lakatos erstmals in Verlegenheit. Mit Treffern zum Kopf und zum Körper und einem beschleunigten Rhythmus schien sich ein vorzeitiges Ende abzuzeichnen. Ringfuchs Lakatos rettete sich aber mit seiner Routine über die angesetzten 6 Runden. Klarer Sieger nach Punkten: Alain Chervet, der keine Schwächen erkennen liess und den Sieg im Interview eloquent geschickt als wichtige Lehrstunde deklarierte. Das Verdikt der Jury: Thomas Zimmermann 60:53; Domenico Gottardi 59:55; Armin Bracher 60:53

Chervet (r.) strebt den Knockout an; dieser gelingt ihm gegen den "Stinker" aus Ungarn aber nicht. Dafür gewinnt der Berner das Duell haushoch nach Punkten und ist um eine wichtige Erfahrung reicher

Mischa Nigg (Boxing Kings Thun, 75,8 kg, 5-1-0) vs. Richard Hadju (Ungarn, 76,3 kg, 4-11-1)

Im Hauptkampf des Tages machte Mischa Nigg mit Richard Hadju kurzen Prozess. Der Gong rettete den Ungarn bereits in der ersten Runde. Der 25-jährige Hadju musste von Beginn weg punktgenau geschlagene Treffer einstecken und ein rasches Ende war absehbar. Mischa Nigg überzeugte mit Kampfführung und Präzision. In der zweiten Runde kam das Aus für den überforderten Mann aus der blauen Ecke: mit einem präzisen linken Haken zum Körper schickte Nigg seinen Gegner nach 1.35 Minuten mit einem KO entscheidend auf die Bretter. Damit kann der Thuner mit einer beeindruckenden KO-Quote aufwarten: Sechs seiner sieben Kämpfe beendete er als Sieger vor der Zeit. Wenn Mischa Nigg im Ring steht – egal ob der Gegner stark oder schwächer einzustufen ist – wird auf einem Niveau geboxt, das die Experten freut. Nigg hat ein sehr gutes Auge, liest ab Kampfbeginn den Kampf des Gegners und passt seine Strategie unverzüglich optimal an.

Von beiden Neo-Profis darf noch viel erwartet werden. Es ist verdankenswert, dass das Publikum mit einer Serie von geplanten Kämpfen die Entwicklung der beiden Schweizer am Ring mitverfolgen kann. Präsident Andreas Anderegg hat diese Entwicklung in einer Fragerunde mit Jack Schmidli gewürdigt und die erfreuliche Entwicklung im Schweizer Boxsport bestätigt. Mit einer Klasse-Einlage hat auch Christina Nigg gepunktet: sie hat dem Publikum und den Sponsoren mit einem spontanen Dank im Ring den Respekt gezollt, den beide verdienen: nur mit begeistertem Publikum und solider Finanzierung ist der Boxsport entwicklungsfähig.

Die Kämpfe der Amateure

Starke Leistungen zeigten auch die Amateure in den vier Vorkämpfen. Einmal mehr zeigte sich aber, dass erstklassig ausgebildete Franzosen für gute Schweizer Boxer zu echten Prüfsteinen werden.

Resultatübersicht

 




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