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Erinnerungen an Joe Louis

Gestern Dienstag wäre einer der grossartigsten Schwergewichtsboxer aller Zeiten, Joe Louis, „der Braune Bomber" 100 Jahre alt geworden. Er wurde am 13. Mai 1914 in Lexington, Alabama (USA) geboren. Leider ist Louis nur wenigen Box-Aficionados der jungen Generation bekannt. Aus diesem Grund möchte ich die von Rudolf Seehofer im Jahr 1968 verfasste Geschichte über Joe Louis den Besuchern von swissboxing.ch nicht vorenthalten. 

Jack Schmidli
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"Joe Louis Barrow der "Braune Bomber". Er trug bis heute die Krone im Schwergewicht am längsten und verteidigte seinen Titel auch am häufigsten, insgesamt 25mal erfolgreich. Am 1. März 1949 erklärte er ungeschlagen seinen Rücktritt.

Als junger Boxer wurde er von John Roxborough, einem wohlhabenden Geschäftsmann, entdeckt. Sein Hobby war es, junge Nachwuchstalente im Boxen zu fördern. Mit Joe Louis macht er natürlich seinen grössten Fang. Joe Louis ist am 13. Mai 1914 in Lexington, Alabama, zur Welt gekommen. Seine Eltern waren sehr arme Pächter eines kleinen Gutes. Schon in frühester Jugend musste sich Joe deshalb seinen Lebensunterhalt selbst verdienen. Unter anderem arbeitete er bei Ford in Detroit. Als 20jähriger begann er seine Laufbahn als als Berufsboxer, und mit 23 Jahren hatte er den höchsten Titel bereits in seinen Händen. Er eilte von Sieg zu Sieg und lief die Erfolgstreppe regelrecht empor. Jedes Hindernis, welches ihm dabei im Wege stand, wurde auf die Seite geräumt. Das hiess, 27 Kämpfe waren ausgetragen und alle gewonnen worden; darunter befanden sich Kämpfe gegen die Exweltmeister Primo Carrera, den er in der 6. und Max Baer, den er in der 4. Runde k.o. schlug. Aber beinahe wäre er bei der 28. Begegnung abgestürzt.

Max Schmeling, nach seiner unglücklichen, aber entscheidenden Niederlagen gegen Max Baer abgeschrieben erklärt, versuchte nochmals nach vorn zu kommen. In der Regel nehmen nämlich Klasseboxer nach solch vernichtenden Niederlagen Abschied vom Ring. Schmeling wollte aber das Gegenteil beweisen. So nahm er den amerikanischen Medizinstudenten Steve Hamas an, welcher ebenfalls nach vorne wollte. Hamas fürchtete den Deutschen nicht, denn er wusste, dass Max Baer den Nimbus Schmeling zerschlagen hatte. So kam es, dass auch der junge Student Schmeling nach Punkten besiegte. Nach dieser Niederlage sah natürlich Amerika über Schmeling endgültig hinweg. Aber Max entschloss sich, nochmals von vorne anzufangen. Paolino Uzudun wurde sein Prüfstein; sie trennten sich unentschieden. Schmelings nächster Gegner war Walter Neusel, der auch in Amerika einen grossen Namen hatte. Neusel, ein Deutscher, begann seinen Aufstieg in Frankreich über England nach Amerika. In der Weltrangliste führte man ihn bereits an dritter Stelle. Schmeling besiegte ihn in der 8. Runde durch k.o. Amerika horchte wieder auf. Sollte es Schmeling wirklich nochmals geschafft haben?

Die Revanche gegen Hamas ging dann auch noch zu seinen Gunsten in der 9. Runde durch k.o., aus, und Paolino wurde in Berlin über zwölf Runden nach Punkten besiegt. Schmeling war wieder oben, wohin er gehörte. So arrangierten die Amerikaner eine Begegnung Joe Louis – Max Schmeling, die als Ausscheidung um das Recht eines Herausforderers gegen den Weltmeister James Braddock galt. 19 Juni 1936, dieses Datum werden die deutschen Boxfans nie mehr vergessen; der Tag des Kampfs des Jahrhunderts.

Joe Louis, der junge Neger, ist hoher Favorit; Schmeling gilt als krasser Aussenseiter. Man glaubt, der Kampf werde höchstens drei bis vier Runden dauern und Schmeling werde dann endgültig erledigt sein.

1. Runde – Joe Louis kommt nicht wie üblich aus seiner Ecke geschossen. Beide Boxer tasten sich vorerst nur ab. Eine Linke Louis‘ kommt durch, aber ohne Wirkung. Max bringt seine Rechte ins Ziel, doch ungenau; Louis ist perplex und gewarnt. 2. Runde – Max Schmeling muss schwere Treffer hinnehmen. Joe Louis ist ein grossartiger Boxer. 3. Runde – Max startet gut, kommt mit einer vollen Rechten durch. Louis wankt aber nicht. 4. Runde – Joe Louis gibt sich eine Blösse, Max jagt die Rechte an das Kinn seines Gegners, und diesmal fällt er. Joe Louis am Boden, das hat man noch nie gesehen. 5. Und 6. Runde – gehen wieder an Max. 7. Runde – Joe Louis kommt wieder gross heraus, wird vom Ringrichter aber wegen Tiefschlag verwarnt. 8., 9., 10. und 11. Runde – Schmeling bekommt das Blatt in seine Hände. Joe Louis hat nichts mehr entgegenzusetzen. 12. Runde – Joe Louis geht k.o.

VIDEO

Sieger und Herausforderer Nr. 1 um den Weltmeisterschaftstitel ist Max Schmeling. Doch wieder wurde Max hintergangen. James Braddock, der Weltmeister, sollte am 3. Juni 1937 gegen Schmeling antreten. Die Verträge waren bereits unterschrieben und die Billette gedruckt. Einen Tag vor dem Kampf erschien dann aber nur Schmeling zum offiziellen Wiegen. Braddock, hiess es, habe sich den Daumen verletzt und könne sich deshalb nicht zum Kampf stellen. Der Sachverhalt lag aber anders. Braddock wollte nicht gegen Schmeling antreten, sondern gegen Joe Louis. Joe Louis, der sich nach seiner Niederlage gegen Schmeling wieder gut erholt hatte, schlug am 19. August 1936 bereits Jack Sharkey k.o. Damit war er auch wieder oben, und so unterschrieb Braddock einen Vertrag mit ihm.

Joe Louis wird gegen James Jim Braddock Schwergewichts-Weltmeister

Schmeling legte zwar Protest ein, und die New Yorker Boxkommission bestrafte Braddock auch dafür. Aber die Strafe fiel sehr mild aus: 1000 Dollar Busse und Boxsperre für den Staat New York. Das war wenig. In Amerika gab es schliesslich noch 47 weitere Staaten, wo er seiner Tätigkeit als Boxer nachgehen konnte. Am 22. Juni 1937 standen sich dann James Braddock und Joe Louis in Chicago um den Weltmeistertitel gegenüber. Joe Louis wurde in der 8. Runde durch einen k.o.-Sieg über seinen Gegner neuer Weltmeister.

Doch etwas beschäftigte den neuen Weltmeister. Er wollte Revanche von Max Schmeling, der ihn vernichtend geschlagen hatte, um ihm zu zeigen, dass er, der „Braune Bomber“, doch der Grösste war. Am 22. Juni 1938 war es so weit. Joe Louis schlug Max Schmeling bereits in der 1. Runde k.o. VIDEO. Joe Louis weist übrigens eine Revanche-Rekordliste auf, die einzigartig in der Boxgeschichte dasteht:

11.07.1934

Willie Davies

3. Runde k.o.

03.05.1935

Revanche

2. Runde k.o.

 

 

 

14.12.1934

Lee Ramage

8. Runde k.o.

01.02.1935

Revanche

2. Runde k.o.

 

 

 

18.03.1935

Natie Brown

10. Runde n.P.

17.02.1937

Revanche

4. Runde k.o.

 

 

 

19.06.1936

Max Schmeling verl.

12. Runde k.o.

22.06.1938

Revanche

1. Runde k.o.

 

 

 

29.01.1937

Bob Pastor

10. Runde n.P.

20.09.1939

Revanche

11. Runde k.o.

 

 

 

09.02.1940

Arturo Godoy

15. Runde n.P.

20.06.1940

Revanche

8. Runde k.o.

 

 

 

21.03.1941

Abe Simon

13. Runde k.o.

27.03.1942

Revanche

6. Runde k.o.

 

 

 

23.05.1941

Buddy Baer

7. Runde Disqualifikation

09.01.1942

Revanche

1. Runde k.o.

 

 

 

18.06.1941

Billy Conn

13. Runde k.o.

19.06.1946

Revanche

8. Runde k.o.

 

 

 

05.12.1947

Joe Walcott

15. Runde n.P.

25.06.1948

Revanche

11. Runde k.o.

Nach beinahe zwölfjähriger Amtszeit als Weltmeister trat er ungeschlagen ab. Damit sank auch das Niveau im Boxsport sehr stark ab. Die nächsten Weltmeister, Ezzard Charles und Jersey Joe Walcott waren nicht    die geeignetsten Nachfolger Joe Louis‘, und einige Männer im Hintergrund machten die Situation noch schlimmer als sie schon war.


Joe Louis versuchte nochmals ein Comeback, scheiterte aber wie alle seine Vorgänger. Er bleib aber dem Boxsport weiterhin treu, als Ringrichter, Veranstalter oder Berater“.

Joe Louis, neben Muhammad Ali (ehem. Cassius Clay) der wohl beste Schwergewichtsboxer aller Zeiten, starb am 12. April 1981 knapp 67jährig in Las Vegas.

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