News

Fulminanter Auftritt von „Floyd“ Roque in Chur

Technisch hochstehender Fight: Angel "Floyd" Roque (rechts) vs. Abdelaziz Ahouaoui


Bericht von Gérald Kurth (Text) und Oliver Tanno (Fotos)

06.06.2014 - Der Knaller kam ganz am Ende: Der Zürcher Mittelgewichtler Angel „Floyd“ Roque entschied einen enorm athletischen, technisch hoch stehenden und ausnahmslos fairen Kampf gegen den Ahouaoui Abdelaziz verdient für sich. Spätestens mit diesem Kampf wurden die etwa 250 Fans im Churer Palazzo für das kurzfristig ausgedünnte Programm entschädigt.

Den Organisatoren ist deswegen kein Vorwurf zu machen – ganz im Gegenteil: Das agile Team um Arthur Mathis, Präsident des ABC Rhätia, Cheftrainer Reto Raguth und zahlreiche weitere Helfer aus der Churer Boxfamilie hatten ursprünglich ein Ticket mit zwölf Kampfpaarungen für den Regionalvergleich zwischen dem Team Deutschschweiz (DS) und dem Team Suisse Romande (SR) zusammengestellt. Letztlich konnten jedoch aufgrund von mehreren Absagen in letzter Minute nur sechs Staffelkämpfe stattfinden, ergänzt durch zwei Vorkämpfe. Das Churer Meeting verdiente sich aber trotz geschmälerter sportlicher Affiche mehrfache Anerkennung: Professionelle Planung, Equipment (Anzeigetafel) und leistungsfähige Gastronomie gewährleisteten einen reibungslosen Ablauf und damit auch die Einhaltung des Zeitplans. Last, but not least: Zum Gelingen der Kampfschau in der Kantonshauptstadt trugen nicht weniger als 50 (!) Sponsoren bei, was die Verbindung zwischen Boxsport und regionalem Gewerbe eindrücklich unterstreicht. Und gleichzeitig darauf hinweist, dass die Veranstaltungen im Bündnerland gesund finanziert sind.
 

Die Staffelkämpfe – Auswahl

- 91 kg (Schwergewicht)

Christian Binggeli (DS) vs. Khemais Fatnassi (SR)

Der Schwergewichtler Binggeli (links im Bild) war einer von zwei Churern, die für das DS als Staffelkämpfer an den Start gingen. Dem entsprechend motiviert legte er los und elektrisierte mit seinem Kämpferherz sofort die Fans. Tatsächlich schaffte er es, den kräftigeren Fatnassi in der ersten Runde stark unter Druck zu setzen, besonders mit mehreren schönen Rechten, die am Kopf des Romand einschlugen. Ab der zweiten Runde aber wurden die technischen Limiten des Lokalmatadoren offensichtlich: Binggeli blieb zwar angriffig und ungestüm, kam aber immer schlechter an Fatnassi heran. Der machte sich länger und feuerte regelmässig aus der Rückwärtsbewegung einfache

Links-Rechts-Kombinationen ab. Binggeli erleichterte ihm das Konterboxen, indem er sich ohne Grund kleiner machte und gleichzeitig mit löchriger Doppeldeckung anstürmte. Binggeli kämpfte zwar tapfer, blieb aber letztlich chancenlos gegen Fatnassi, der sich schnell auf die durchschaubare Kampfanlage des Einheimischen einstellte und seine Punkte unaufgeregt aus der kontrollierten Defensive sammelte. Die eindeutige Wertung der Punkterichter (3:0) zu Gunsten Fatnassis war der logische und verdiente Ausgang dieses Kampfs.

-75 kg (Mittelgewicht)

Angel “Floyd” Roque (DS) vs. Ahouaoui Abdelaziz (SR)

Ein packender Fight zwischen zwei hervorragend disponierten Boxern: Roque (links im Bild) hat unter Cheftrainer Vitalij Timošenko noch einmal an Muskeln zugelegt, traf aber mit Abdelaziz auf einen Gegner, der ihm punkto Schlaghärte, Schnelligkeit und Technik absolut das Wasser reichen konnte. Den Ausschlag zu Gunsten Roques gab letztlich wohl die gesamthaft höhere Aktivität: Abdelaziz, obwohl mit ebenso flinken Beinen ausgestattet wie der Zürcher, blieb in den ersten beiden Runden etwas passiv. Er beschränkte sich zumeist darauf, die sich bietenden Konterchancen, wenn auch aggressiv wahrzunehmen. Auch mit seiner Auslage war Roque messbar aktiver: Während er regelmässig zustach und punktete, geizte Abdelaziz augrund seiner kleineren Reichweite mit dem Jab. Der Kampf bot dennoch alles, was die Fans fasziniert: präzise harte Schläge, blitzschnelle Konterserien, perfekte Meidbewegungen. Und blieb bis ans Ende überaus fair.



Das lag auch daran, dass Roque das Tempo variierte und sich dem aggressiven Schlagabtausch in der Halbdistanz immer wieder abrupt entzog. In  der dritten Runde wurde dies auch nötig: Abdelaziz legte noch einmal zu und marschierte, im Bewusstsein des Punkterückstandes, nach vorne. Er schaffte es aber, trotz einigen guten Treffern, nicht mehr, Roque ernsthaft in Bedrängnis zu bringen. Über die gesamte Kampfdauer war Roques eindeutiger Punktesieg verdient und gerecht. Entsprechend befremdlich war die Reaktion von Abdelaziz’ Trainerequipe, die offenbar einen ganz anderen Kampf gesehen hatte und sichtlich ungehalten gegen die Wertung protestierte.

- 64 kg (Weltergewicht)

Martina Steiner (DS) vs. Caroline Dousse (SR)

Der einzige Frauenkampf des Abends gestaltete sich zwar kämpferisch, bewegte sich aber technisch auf eher bescheidenem Niveau. Das lag in erster Linie an Steiner, die zu wenig aus ihrer Grösse – sie überragte Dousse um Haupteslänge – machte. So gelang es der beherzt, wenn auch wenig ansehnlich angreifenden Romande regelmässig, an die Gegnerin heranzukommen und zu punkten.



Statt lang zu bleiben und Dousse mit Kontern zu neutralisieren, liess sich Steiner erstaunlich oft über die Deckung hinweg treffen. Zu selten liess sie ihr durchaus vorhandenes Potenzial aufblitzen, bspw. mit blitzschnellen Kopfhaken aus der Drehbewegung. Und verstrickte sich gegen gegen Ende des Kampfes, als beide schon pumpen mussten, in Klammeraktionen, wo Dousse immer wieder eine Hand an der nachlässigen Deckung vorbeibrachte. Die Wühlerin aus der Romandie verdiente sich die eindeutige Punktewertung (3:0) am Ende absolut. Nicht die feine Klinge, aber unbändiger Kampfgeist und Siegeswille. Und den liess Steiner insgesamt doch vermissen.

- 75 kg (Mittelgewicht)

Nino Andreoli (DS) vs. Georgi Kirilov Svečev (SR)

Auch der zweite einheimische Boxer wollte den Churer Fans alles bieten: Andreoli (rechts im Bild) riss in einem guten Juniorenkampf sofort die Initiative an sich und brachte den fürs SR startenden Ticinese in Bedrängnis. Der Churer schlug schöne lange Hände und nagelte Svečev im Ringeck fest, der am Ende der ersten Runde Nasenbluten hatte und nach Punkten zurücklag.



Danach wendete sich der Kampfverlauf aus nicht nachvollziehbaren Gründen: Andreoli konnte nicht mehr an den druckvollen Start anknüpfen. Vielmehr liess er seine Deckung hängen und wurde zunehmend von der langen Rechten des Gastboxers getroffen. Und so wendete sich das Blatt: In der letzten Runde hatte Svečev insgesamt wohl ein paar Hände mehr im Ziel gegen den sichtlich ausgepumpten Churer. Das Unentschieden war aber insgesamt ein gerechtes und vertretbares Verdikt für ein Gefecht, das zwei hart schlagende und kampfwillige Junioren auf Augenhöhe führten. Andreoli verfügt über die physischen und technischen Voraussetzungen zu einem Klasse-Amateurboxer. Auch taktisch wird sich der erst 16jährige noch weiter entwickeln.

Weitere Fotos: 

Dzan Malkoc vs. Luca Tomin (1:2) Bunjaku Adriatik vs. Julian Nussbaum (3:0)
Sava Kostic vs. Bistrian Florin (0:3) Bashkim Azemi vs. Horlin Kopa (DQ3)
Fouad Saoud, Betreuer der Staffel aus der Romandie Arthur Mathis, Präsident des Box-Club Raetia Chur Andreas Anderegg, Präsident von SwissBoxing 

Resultatübersicht




Weitere News


© 2017, Swiss Boxing Federation