News

Spektakuläre Profikämpfe auf der „Lueg“

Ueli E. Adam

10.06.2014 - Auf der Lueg bei Burgdorf, mit der schönsten Aussicht auf Emmental und Alpen, haben die Boxing Kings (Bern und Thun) mit Organisator Marcel Wisler und Arena-Besitzer Jörg Moser den Grundstein zu einer Tradition gelegt, die für das schweizerische Profiboxen bemerkenswert ist: mit regelmässig top-besetzten Kämpfen soll die Lueg-Arena zu einem festen Wert im Veranstaltungskalender werden.



Die beiden Profis Alain Chervet (Bern) und Mischa Nigg (Thun) traten am Pfingstmontag erneut zu einer Standortbestimmung auf der Lueg an, und der ungeschlagene Basler Schwergewichtler Arnold THE COBRA Gjergjaj (rechts im Bild) sorgte wie erwartet für ein explosives Feuerwerk. Viviane „Goldengirl“ Obenauf (Thun) überzeugte in ihrem zweiten Profikampf mit attraktivem Frauenboxen.
 

Arnold Gjergjaj (BC Basel, 105 kg, 24-0-0) vs. Tibor Balogh (Ungarn, 100 kg, 14-5-2)

Der Stargast aus Basel bewies mit einem starken Kampf seine berechtigten Ambitionen auf einen Titelkampf in der Königsklasse. Der ungeschlagene Schwergewichtler (25 Siege, 19 KO), von Trainer und Manager Angelo „Speedy Chicken“ Gallina sorgfältig aufgebaut und an die Spitze herangeführt, machte auch mit dem schlagstarken Ungarn (10 KO Siege in 14 Kämpfen) kurzen Prozess. Nach vernichtenden Schlägen kam für Balogh nach 1 Minute 08 in der zweiten Runde das Aus: Sieger durch TKO Arnold Gjergjaj. Damit ist der Basler, der kürzlich in seiner Heimatgemeinde mit dem „Pratteler Stern“ (Förderpreis für besondere Leistungen in Sport, Kultur, Soziales) ausgezeichnet worden ist, auch zu einem leuchtenden Stern am Schweizer Boxhimmel geworden. Auf seine weitere Karriere darf man gespannt sein.
 

Alain Chervet (Boxing Kings Bern, 63 kg, 7-0-2) vs. Dawid Knade (Polen, 61,5 kg, 2-1-0)

Der 23-jährige Pole war vor dem Kampf schwer einzuschätzen. Neo-Profis wie Dawid Knade (links im Bild) können immer für eine Überraschung sorgen. Chervet, der im April einen abgebrühten Ringfuchs besiegt hatte, liess sich aber auch in seinem 10. Profikampf nicht beirren.



Der Berner baute seinen Kampf mustergültig auf und prüfte den keineswegs inferioren Knade zunächst mit schnellen Links-Rechts-Kombinationen aus der Distanz. Ab der dritten von sechs angesetzten Runden im Super-Leichtgewicht erhöhte Chervet das Tempo und setzte erstmals punktgenaue Serien ein. Nach einer erstklassigen Zermürbungstaktik des Berners zeichnete sich die Niederlage des Polen ab. Nach einem Niederschlag in der vierten Runde war das Schicksal von Knade besiegelt: Chervet schickte den Polen nach 2 Min. 08 mit einem TKO auf die Bretter und durfte sich auch in seinem 10. Kampf als Sieger feiern lassen.
 

Mischa Nigg (Boxing Kings Thun, 75,6 kg, 6-1-0) vs. Robert Talarek (Polen, 75,6 kg, 6-4-2)

Der Thuner (rechts im Bild), der auch in der Aufbauphase jeden Gegner akzeptiert, schätzte das Potenzial von Robert Talarek richtig ein. Es zeigte sich sofort, dass mit Talarek ein Mann verpflichtet worden war, der jeden Gegner echt fordern kann. Mit über 100 Amateurkämpfen (polnischer Meister) liess er Runde um Runde erkennen, dass mit ihm dank seiner Erfahrung zu rechnen ist. Mischa Nigg, der seine bisherigen 6 Siege alle vorzeitig gewinnen konnte, war echt gefordert.



Dank erstklassiger Kondition, perfekter Technik und Schnelligkeit konnte Nigg die ersten Runden zwar gewinnen, aber Talarek hielt mit. Mit passiver Doppeldeckung die Ringmitte einnehmend, liess er Nigg angreifen und wartete auf seine Chance. Die Fans des Lokalmatadors trauten ihren Augen kaum, als es in der sechsten und letzten Runde plötzlich schlecht für den Thuner aussah: er musste präzise Treffer des Polen kassieren und rettete sich nur dank hervorragender Physis und mit erstklassiger Verteidigung über die Zeit. Die Score-Cards der Jury liessen aber keine Zweifel an seinem verdienten Sieg aufkommen. Die Wertungen der Punkterichter: Armin Bracher 59:55; Domenico Gottardi 58:56; René Schlachter 58:56
 

Viviane Obenauf (Boxing Kings Thun, 60 kg, 1-0-0) vs. Bojana Libiszewska (Polen, 60 kg )

Auch in ihrem zweiten Profikampf suchte die Thunerin den schnellen Erfolg. Sie deckte Libiszewska, die zu ihrem ersten Kampf als Berufsboxerin angetreten war, von Beginn weg mit brachialen Schwingern ein. Die Polin zog sich aber trotz dem Schlaghagel gut aus der Affäre, da den Schlägen von Obenauf die nötige Präzision noch fehlt.  Mit ihrem dominierenden Siegeswillen konnte sie den Kampf aber klar für sich entscheiden. Die Wertungen der Punkterichter: Armin Bracher 40:36; René Schlachter 40:36; Domenico Gottardi 40:36
 

Kommentar:

Das Meeting auf der Lueg war einmal mehr ein wirklich gutes Fest für die Boxfreunde. Die Zusammenarbeit zwischen Daniel Hartmann, dem Patron der Boxing Kings, und dem Box-Team Oberland (Boxing Kings Thun) lässt sich schon heute positiv bilanzieren. Die gemeinsamen Auftritte der Schweizer Titelaspiranten sind für das Publikum interessant. Damit kann die Laufbahn der Boxer sehr gut mitverfolgt werden. Es ist zu hoffen, dass die Einigkeit auf der Ebene der Organisatoren und der jeweiligen Managements  langfristig erhalten bleibt.

Christina Nigg, Mutter von Mischa, und Daniel Hartmann, der Manager von Alain Chervet, posieren für die Kamera

Das schöne Pfingstwetter und die drückende Hitze sorgten leider nicht für den ganz grossen Publikumsaufmarsch. Aber das grosse französische Wort hat einmal mehr bewiesen: „les absents ont toujours tort“ – oder auf schweizerdeutsch: die Abwesenden haben mit Sicherheit etwas verpasst. Ein besonderer Dank und ein grosses Kompliment geht an Speaker und Moderator Albi Saner: mit seinen Interviews im Ring präsentierte er dem Publikum Gäste aus der Sportszene hautnah. Das kann man nur auf der Lueg erleben!




Weitere News


© 2017, Swiss Boxing Federation