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Gjergjaj Arnold neuer EE-EU-Titelträger

Arnold Gjergjaj schreibt Schweizer Boxgeschichte: Europameister im Schwergewicht! Mit einem spektakulären KO-Sieg in der 9. Runde holte sich der Basler (links im Bild) den vakanten Titel der EBU (EE-EU) im Schwergewicht. In einem Kampf auf Biegen und Brechen besiegte er den bis dahin ungeschlagenen Bosnier Adnan Redzovic (15 Kämpfe, 4 KO-Siege, 107,4 kg) und wurde neuer Europameister im Schwergewicht.

Ueli E. Adam

04.10.2014 - Damit hat die sorgfältige Aufbauarbeit unter der Leitung von Angelo Gallina eine wichtige und verdiente Anerkennung gefunden. Der mit einer makellosen Visitenkarte angetretene Lokalmatador Arnold Gjergjaj (25 Kämpfe, 19 KO-Siege, 105,9 kg) holte vor über 3000 begeisterten Zuschauern in der legendären St. Jakobshalle den prestigeträchtigen Titel, wurde aber von Redzovic echt gefordert.



Dies vor allem, weil der Bosnier in der dritten Runde von einem sogenannten Long Count profitieren konnte. Gjergjaj schickte Redzovic mit einer harten Rechten erstmals auf die Bretter und das Aus schien für alle klar. Mit einer unverzeihlichen Aktion verfälschte ein euphorisierter Fan das finale Ergebnis. Nach dem Wurf eines vollen Bierbechers in den Ring wurde der Kampfablauf unterbrochen und Redzovic kam nach dem Niederschlag unerwartet zu mehr Erholungszeit.



Davon wusste er in der Folge zu profitieren. Mit geschicktem Boxen setzte er den Schweizer mehr als erwartet unter Druck und nach der achten der auf zwölf Runden angesetzten Begegnung schien eine Wende zu Gunsten des Bosniers möglich. Arnold Gjergjaj, der sich in dieser Phase des Kampfes zu passiv zeigte, schien das Konzept verloren zu haben. Wie sich aber zeigen sollte, hatte der Mann aus Pratteln sein Pulver noch nicht verschossen und agierte strategisch geschickt. Aus der Defensive heraus sorgte er in der 9. Runde für ein Glanzlicht im schweizerischen Boxsport. Mit seiner ungeheuren Schlagkraft sorgte er nach 2 Minuten 50 für einen Eklat, der die fantastisch mitgehenden Zuschauer in der St. Jakobshalle von den Sitzen riss. Mit einem präzisen Schwinger schickte er Redzovic über die Zeit auf die Bretter. In seinem 26. Kampf als Berufsboxer hat Arnold Gjergjaj ein erstes Zwischenziel erreicht. Das grosse Ziel heisst Weltmeisterschaftskampf. Nach seinem Titelgewinn liegen weitere Karriereschritte in Reichweite. Herzliche Glückwünsche an Arnold Gjergjaj und Team!

Im zweiten Profikampf des Abends traf die junge bosnische Hoffnungsträgerin Pasa Malagic (7-2-0, rechts im Bild), betreut vom Genfer Trainer Samir Hotic, auf eine bekannte Journey-Woman aus Bulgarien. Borislava Goranova (50 Kämpfe, 10-39-1) hat sich in der Schweiz bereits mit Ornella Domini und mehrfach mit Olivia Boudouma gemessen. Die späteren Titelträgerinnen Rola El-Halabi und Cecilia Braekhus gehörten ebenfalls zu ihren Gegnerinnen. Damit ist klar, dass sie für die 20-jährige Hoffnungsträgerin aus Bosnien zu einem Prüfstein für deren weitere Zukunft werden sollte. Pasa Malagic hat diese Aufgaben souverän bewältigt. Sie besiegte Goranova mit einem klaren Verdikt der Punktrichter: René Schlachter 59:55; Armin Bracher 60:54, Roger Haug 59.55.

Die Vorkämpfe der Amateure

Mit teilweise sehr guten und dynamischen Kämpfen konnten die Elite-Boxer das Publikum auf den Hauptkampf einstimmen. Dabei zeigte sich, dass bei Basel und Sissach Talente heranreifen, die für die Zukunft vielversprechend sind. Den spektakulärsten Kampf lieferten sich Faton Vukshinaj (BC Basel) und Robert Arpaz (BC Sissach). Aber auch Celso Neves (BC Basel) überzeugte gegen einen starken Mann aus Aarau, Fuat Zenuni (BC Aarau). Für weitere Glanzlichter sorgten Lazar Kostic, Labinot Xhoxhaj und Andranik Hakobian.

Kommentar

Der Europameisterschaftskampf in Basel bot neben den sportlichen Leistungen auch hervorragenden Anschauungsunterricht für gelungene Integration. Dass Arnold Gjergjaj über eine grossartige und zahlreiche Fan-Gemeinde verfügt, bewies der Aufmarsch des Publikums, das zum Hauptkampf für eine echt europäische Titelkampf-Stimmung sorgte. Dass Angelo Gallina zudem mit den kulturellen Boxeo-Einlagen für gegenseitiges Verständnis und die Verbindung von Sport und Kultur einsteht, ist ein sehr gewichtiger gesellschaftlicher Nebeneffekt. Was die Künstlerinnen und Künstler aus dem Kosovo darboten, war jedenfalls beste nachbarliche Völkerverständigung.

 




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