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Studer bleibt EEU-Champ

Boxhauptstadt Bern feiert Yves Studer

Studer verteidigt erfolgreich seinen EEU-Titel. Im Bild (v.l.n.r.): Levan Shonia, Ringrichter Ernst Salzgeber, Yves "Pitbull" Studer, Peter Stucki, Supervisor
Bericht von Ueli E. Adam, Präsident Medienkommission von SwissBoxing

23.05.2009 - Yves Studer verteidigte seinen EE-EU-Titel im Mittelgewicht gegen seinen Herausforderer Levan Shonia (Georgien) mit einem klaren Punktsieg. „Wir haben den Sieg gemeinsam geholt!“ bedankte sich der Champ nach dem Kampf mit einer Dankadresse beim Publikum. Da ist etwas dran: Promoter und Förderer Daniel Hartmann, Sponsoren und ein begeistertes Publikum haben die Erfolge des Berners erst möglich gemacht. Dass er den Titel im Dezember 2008 gegen den starken Vedran Akrap geholt und jetzt gegen den gefährlichen Levan Shonia erfolgreich verteidigt hat, ist allerdings allein sein Verdienst.

Eines aber hat der Abend im Berner Kursaal ebenfalls klar gezeigt: einfache Gegner gibt es im Titelgeschäft keine mehr. Shonia hat Studer hart gefordert und blieb bis in die 12. Runde unberechenbar und gefährlich.

Mit einem attraktiven Rahmenprogramm schrieb der Veranstalter Boxgeschichte: erstmals standen neben dem Hauptkampf vier weitere Profikämpfe auf dem Programm, ergänzt mit drei attraktiven Amateurkämpfen, bei denen insbesondere Lokalmatador Alain Chervet die Boxfans zu begeistern wusste.


Yves Studer (Boxing Kings, CH) 70,7 kg vs. Levan Shonia (Georgien) 72 kg

Bereits in der zweiten Runde kam Studer erstmals unter Druck. Shonia attackierte mit einer harten Schlagserie, die Studer aber dank seiner erstklassigen Deckungsarbeit gut überstand. Dafür drehte der Europameister in der dritten Runde mächtig auf und brachte den Herausforderer mit schnellen und präzisen Schlagserien erstmals in Bedrängnis. Ein Cut über dem linken Auge des Titelverteidigers bewies in der vierten Runde die Gefährlichkeit des Herausforderers. Die folgenden Umgänge waren von kompromissloser Härte, aber mit einer sehr guten siebenten Runde unterstrich der Europameister seine Klasse. Auch ein weiterer Cut über dem rechten Auge brachte Studer in der 11. Runde nicht aus dem Konzept. Mit beeindruckendem Pressing zeigte er dem Georgier den Meister. Nach zwölf harten Runden war das Verdikt klar: Yves Studer siegte mit 3:0 Richterstimmen einstimmig nach Punkten. Ringrichter Ernst Salzgeber (Österreich), der den Kampf sehr umsichtig geleitet hat, konnte Studer aufgrund der Score-Cards verdient zum Sieger erklären. So urteilten die Punktrichter:

Jean Giacomantonio (Luxemburg) 118:110; Leszek Jankowiack (Polen) 118:110 und Freddy Christensen (Dänemark) 117:112

Aniya Seki (Boxing Kings, CH) 57 kg vs. Nicole Haustein (D) 56,4 kg

Eine böse Überraschung setzte es für die Profiboxerin aus Bern ab. Ihre Gegnerin machte kurzen Prozess und bereits nach einer Minute musste Ringrichter Fabian Guggenheim das ungleiche Gefecht abbrechen. Siegerin durch TKO nach 1 Minute in der ersten Runde: NicoleHaustein, Deutschland. Viel Pech für Seki: nachdem für sie im Vorfeld lange keine Gegnerin gefunden werden konnte, akzeptierten die Boxing Kings die starke Deutsche. Diese Hürde war für Aniya Seki in ihrem erst zweiten Profikampf zu hoch.

"L'Artiste" Riad Menasria begeisterte das Publikum nach fast zweijähriger Ringabstinenz gegen den Polen Adam Gawlik
Riad Menasria (Boxing Kings, CH) 68 kg vs. Adam Gawlik (Polen) 69 kg

Der ehemalige Shootingstar der Boxing Kings gab nach einem Unterbruch von zwei Jahren das mit Spannung erwartete Comeback und deklassierte den inferioren Gegner aus Polen mit einem eindeutigen Punktsieg. Die Experten hätten Riad Menasria, dem „Künstler“ aus Bern, allerdings einen härteren Prüfstein gewünscht. Adam Gawlik war der Klasse des Berners in keiner Weise gewachsen und rettete sich nur dank enormem Einsteckvermögen über die Runden. Trotzdem gewährte der Kampf interessante Einblicke: Menasria hat nichts von seiner technischen Brillanz verloren und überzeugte mit einem Boxen, das eine weitere Förderung verdient. Auf die weitere Karriere des Berners darf man gespannt sein. Das Urteil der Punktrichter entsprach dem ungleichen Kampf: Armin Bracher 60:54; Domenico Gottardi 60:54, Thomas Zimmermann 60:54.

Der Puncher Nasi Hani machte mit Dariuz Balla kurzen Prozess und knockte diesen bereits in der ersten Runde aus
Nasi Hani (Boxing Kings, Mazedonien) 88 kg vs. Dariuz Balla (Polen) 88,4 kg

Der Neo-Profi aus dem Stall der Boxing Kings bestätigte in seinem ersten Profikampf seine Reputation als Amateur (85 Kämpfe, 80 Siege, davon 49 durch KO). Nach 1.30 in der ersten Runde gingen für Balla die Lichter aus. Der Schlagstärke des 26-jährigen Mazedoniers war der inferiore Pole nicht gewachsen, obschon der entscheidende Niederschlag nach einem Break des Ringrichters erfolgte. Am Ausgang gab es aber nichts zu zweifeln. Hani scheint zu Recht ein neuer Hoffnungsträger der Kings zu werden.

Der Ukrainer Andrey Ageev (l.) war dem "Boxing-King" Mohamed Belkacem hoffnungslos unterlegen und wurde von Ringrichter Beat Hausamann in der vierten Runde aus dem Kampf genommen
Mohamed Belkacem (Boxing Kings, CH-ALG) 80,4 kg vs. Andrey Ageev (UKR) 81 kg

Belkacem, bisher immer ein wenig im Schatten der Stars der Kings, hat mit einer famosen Leistung gezeigt, dass auch mit ihm in Zukunft zu rechnen ist. Obschon auch sein Gegner (der übrigens 2008 schon mit Shonia im Ring stand) eigentlich gutes Boxen zeigte, überzeugte Belkacem mit einer vielversprechenden Reife. Variabel und hart schlagend liess er dem Ukrainer keine Chance und siegte nach 1.30 in der vierten Runde durch TKO.

Bild links: Wusste die Zuschauer zu begeistern: Alain Chervet. Bild rechts: Nicole Haustein, deren Name Programm zu sein scheint, knockte in ihrem dritten Kampf als professionelle Fighterin Aniya Seki bereits in der ersten Runde aus
Amateure

Die drei Amateurkämpfe, die das Meeting eröffneten, durften sich sehen lassen. Omar Moukhtari von den Boxing Kings musste sich im Leichtgewicht zwar vom starken Österreicher Ivan Obradovic schlagen lassen, während Olivia Boudouma (Boxing Kings) im Weltergewicht eine valable Französin klar nach Punkten besiegen konnte. Für ein Highlight sorgte indessen ein Youngster mit einem grossen Namen: Alain Chervet, der kürzlich den amtierenden Schweizermeister Viltre Diaz besiegen und den Titel eines Deutsch- und Tessin-Schweizer meisters holen konnte liess klar erkennen, dass Gene offenbar doch ein Indikator sein können. In einer begeisternden Begegnung besiegte der von André Schenk betreute 18-jährige Berner einen Klassemann aus Österreich. Ali Armagan (BC Dornbirn), keinesfalls inferior, musste sich der Schnelligkeit und der stupenden Technik von Chervet beugen. Das wird Vater Walter und Onkel Fritz Chervet mit Sicherheit sehr gefreut haben!


Kommentar

Erfreulicherweise nimmt das Medieninteresse am Boxsport wieder zu. Die lokalen TV-Anstalten aus der Deutsch- und Westschweiz waren vor Ort und haben mit grossem Aufwand aufgezeichnet. Damit können die Boxfreunde den Titelkampf Studers erneut auch am Bildschirm nachvollziehen. Die Printmedien haben diesen Trend bereits erkannt und berichten ausführlich über einen Sport, der ein breiter werdendes Publikum anspricht. Es wäre im Interesse des Organisators und der Sponsoren, wenn auch die nationale Anstalt die Zeichen der Zeit erkennen würde. Der unermüdliche Einsatz der Kämpfer, der Boxing Kings und der Sponsoren hätten dies verdient, umsomehr als auch die Fans schon lange auf einen positiven Entscheid aus Leutschenbach warten. Noch ist es leider nicht soweit. SwissBoxing-Präsident Andreas Anderegg hat nach einer Schweigeminute für den kürzlich verstorbenen Ehrenpräsidenten Robert Nicolet den Athleten, dem Promoter Daniel Hartmann und den Medien für den Einsatz gedankt und der Hoffnung Ausdruck verliehen, dass deren Anstrengungen auch in den elektronischen Hauptmedien gewürdigt werden. Eines ist leider klar: die weiteren grossen Ziele der Boxing Kings und des Europameisters sind nur mit dieser Unterstützung zu realisieren. Ein letztes Wort zum Ambiente: Ringsprecher Jack Schmidli hat brillant durch eine Veranstaltung geführt, die für sich in Anspruch nehmen darf, internationalen Standards zu entsprechen. Einmal mehr dürfen auch die Funktionäre von SwissBoxing nicht unerwähnt bleiben. Sie haben wie immer sehr gute Arbeit geleistet. Peter Stucki, Vizepräsident und Delegierter der EBU durfte Yves Studer mit sichtlicher Genugtuung den Meistergürtel umschnallen. Seiner Umsicht und seinem Einfluss ist es zu verdanken, dass der schweizerische Boxsport hohe Anerkennung geniesst und Anlässe dieser Art verdient.


Resultatübersicht

 

 

 


 

 

 




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