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Swiss Boxing Team siegt in Villars-sur-Glâne

Ueli E. Adam

11.10.2014 - Mit einem beeindruckenden Sieg über eine lombardische Auswahl machte das Swiss Boxing Team dem Westschweizer-Club, der sein 30-jähriges Jubiläum feiern darf, ein symbolisches Geschenk.

Im Anschluss an den sportlichen Exploit der Athleten würdigte SwissBoxing-Präsident Andreas Anderegg die langjährigen Verdienste des Boxe Club Villars-sur-Glâne und zeichnete Roberto Quaranta mit einem hochverdienten Ehrengeschenk aus. Marc-André Neuhaus, Delegierter der Stadt Fribourg, ehrte den Club und dessen Präsidenten mit einer gediegenen Skulptur.
 

Die Kämpfe: Swiss Boxing Team vs. Italien

Der Sieg des Schweizer Teams wird durch die Tatsache aufgewertet, dass die Italiener keineswegs mit einer inferioren Auswahl aus der Lombardei antraten. Trotz dem (teilweise knappen oder diskutablen) Verdikt von 6:0 war es eine gute Standortbestimmung.

Anaïs Kistler (SBT) vs. Marta Ripamonti (Italien)

Die Kriegerin aus Lausanne (rechts im Bild) beeindruckte von Beginn weg mit einer klaren Ringdominanz. Die brachiale Kampfkraft der Lausannerin liess der technisch guten Italienerin keinen Spielraum, ihre Fähigkeiten in zählbare Ergebnisse umzumünzen.



Ripamonti, in der ersten Runde durchaus noch auf Augenhöhe, musste im Verlauf des Kampfes vermehrt klammern (mit Verwarnung in der 3. Runde) und wurde sicher unter ihrem Wert geschlagen. Die Italiener hatten mehr erwartet. Es war eine bittere Niederlage. Siegerin mit 3:0: Anaïs Kistler

Taï Pham Dat (SBT) vs. Edouardo Lozza (Italien)

Der Mann aus Nyon traf auf einen italienischen Klassemann und konnte den Kampf nur dank perfekter Beinarbeit und sehr guter Kampfübersicht für sich entscheiden. Im Ausland wäre ein Sieg des Italieners die wahrscheinlichere Variante gewesen.



Für Pham Dat (links im Bild) spricht, dass er auch in kritischen Situationen immer noch eine Hand präzis ins Ziel bringt und mit technischen Qualitäten überzeugen kann. Zudem verliert er nie die nötige Übersicht. Der dynamische Italiener konnte ihm aber die dritte Runde mit Sicherheit entreissen und der Sieg mit 2:1 Richterstimmen sagt deutlich: es hätte auch anders kommen können. Das soll die Leistung von Taï Pham Dat nicht schmälern. Er ist eine echte Bereicherung für das Swiss Boxing Team.

Angel „Floyd“ Roque (SBT) vs. Dino Mazzochi (Italien)

Auch für einen guten Mann wie Mazzochi war es sehr schwer, gegen das grosse Talent aus Zürich einen echten Stich zu haben. Roque (links im Bild) vom Trainerstab sehr gut eingestellt, verzichtete auf leichtfertige Showeinlagen und boxte den Italiener überzeugend aus.



Es ist sehr erfreulich, Roque auch gegen Gegner siegen zu sehen, die ein solides Rüstzeug in den Ring bringen. Der Zürcher begeisterte mit seiner Kampfführung und sein Sieg mit 3:0 Richterstimmen sorgte für einen ersten Höhepunkt des Abends.

Davide Faraci (SBT) vs. Marco Misani (Italien)

Für einen absoluten Knüller und den besten Kampf des Abends sorgte Davide Faraci. Nach einer kurzen Einschätzung des Gegners (eine Eigenschaft die Faraci immer auszeichnet) legte der Badener los: mit einem technische Feuerwerk der Spitzenklasse.



Die Schlagvarianten zeigten auch sofort Wirkung: mit einer präzisen Rechten schickte er den von den Italienern hoch gehandelten Misani ein erstes Mal auf die Bretter. Damit war das Schicksal des Lombarden,  der sich zwar scheinbar gut erholte, definitiv besiegelt. Mit einem Blitzgewitter knockte ihn Faraci nach 2 Minuten 17 in der ersten Runde überzeugend aus. Dabei soll nicht einfach der KO-Sieg hochgelobt werden, sondern vielmehr, wie er zustande kam!

Ukë „The Wolf“ Smajli (SBT) vs. Michele Di Giacomo (Italien)

Der Zürcher ist ein sicherer Garant für hochkarätiges Boxen. Seine Kämpfe erfreuen jedes Boxerherz!  „Wolf“ Smajli (links im Bild) hat eine beeindruckende Physis und bringt alles mit, um auf hoher Ebene erfolgreich zu sein: Technische Fähigkeiten, Kondition und Ringintelligenz.



Mit diesen Fähigkeiten hat er auch in Villars-s-Glâne überzeugt und den sehr guten Di Giacomo mit einem klaren 3:0 besiegt. Eine Anmerkung sei trotzdem gestattet: die schönen Erfolge, die Smajli dem begeisterten Stammpublikum schenkt, sind ein Geschenk für den schweizerischen Boxsport. Sie dürfen Smajli aber nicht dazu verleiten, zu viel zu wollen. Unnötiger Leistungsdruck schadet und ist abträglich – und im zu grossen Eifer unnötig kassierte Treffer sowieso.

Egzon Maliquai (SBT) vs. Papa Matteo (Italien)

Der Gebenstorfer (links im Bild) ist eine echte Bereicherung für das Swiss Boxing Team. Maliquai ist ein Mann, der seine Fortschritte in beeindruckende Resultate umsetzen kann. Er war auch der richtige Mann, um dem Druck des letzten Kampfes in einer für die Schweizer Delegation erfolgreichen Serie zu tragen.



Umso bedauerlicher, dass sein Kampf abrupt abgebrochen werden musste und er nicht beweisen konnte, wie er den ebenfalls mit Vorschusslorbeeren gestarteten Italiener dynamisch ausgeboxt hätte. Nach einem unbeabsichtigten Zusammenprall zweier harter Boxerköpfe kurz nach Kampfbeginn wurde Papa Matteo auf ärztlichen Entscheid  verletzungsbedingt aus dem Kampf genommen werden. Sieger durch KO: Egzon Maliquai.

Rahmenprogramm:

Die noch offenen Titelkämpfe um die Westschweizer Meisterschaften und die Vorkämpfe konnten ebenfalls überzeugen und wurden dem Jubiläumsanlass des Boxe Club Villars-s-Glâne in jeder Beziehung gerecht. Für das Festpublikum standen auch zwei Profikämpfe auf der Affiche. Leider musste der Genfer Walid Abderrahmen verletzungsbedingt Forfait erklären und seine Rückkehr in den Ring auf später verschieben. Im einzigen Profikampf des Abends überzeugte dafür Enes Zecirevic (Bad Ragaz)

Enes Zecirevic (Schweiz, 11-0-0) vs. Lorenzo Di Giacomo (Italien, 41-10-1)

Die im Halbschwergewicht auf 8 Runden angesetzte Begegnung bot hochinteressanten Anschauungsunterricht. Der 32-jährige Senkrechtstarter aus der Schweiz (rechts im Bild), der 8 seiner bisherigen 11 Kämpfe mit einer beeindruckenden KO-Quote von 73 % für sich entscheiden konnte, traf auf einen Gegner, der nur bedingt beste Referenzen mitbrachte.



Zwar hatte auch Di Giacomo 19 seiner Kämpfe durch KO entscheiden können, schien aber mit seinen 36 Jahren und seinen letzten sechs Niederlagen seit 2011 eher in der Rolle eines Journey-Man anzutreten. Eine genaue Analyse seines Kampfrekordes zeigte aber auch auf, gegen wen er verloren hatte: um den Titel eines italienischen Meisters gegen Giovanni Muskovic und im Juli dieses Jahres um den gleichen Titel gegen Mirco Ricci – und um den EBU-Titel im Halbschwergewicht gegen die junge deutsche Hoffnung Eduard Gutknecht.

Damit wird zweierlei klar: Das Management um Leonardo Caputo hatte keineswegs Fallobst engagiert. Das zeigte sich auch im Kampfverlauf: Zecirevic zeigte bestes Boxen, variabel, druckvoll und immer im Vorwärtsgang, aber trotz diesen Qualitäten konnte er seinen 12. Kampf nicht vor der Zeit beenden und musste gegen den ausgebufften Italiener über die volle Distanz gehen. Am einstimmigen Punktsieg gab es nichts zu rütteln und unter dem Strich wird dieser Kampf für den schlagkräftigen Rebsteiner eine wertvolle Erfahrung sein: ein Mann mit den Nehmer- und Defensivqualitäten von Di Giacomo ist nur mit unerwarteten Rhythmuswechseln zu bezwingen. Hätte Zecirevic den Italiener mehr angreifen lassen, hätte er ihn mit Sicherheit punktgenau ausgekontert.  Fazit: Ein klarer Sieger, ein toller Kampf, aber auch aber ein sehr interessantes Lehrstück hinsichtlich Strategie und Taktik.

Kommentar

Herzliche Glückwünsche zum 30-jährigen Jubiläum an Boxe Club Villars-s-Glâne!

Ringsprecher Bertrand Duboux hat wie immer mit grossem Fachwissen durch einen Box Abend geführt, der den Erwartungen in jeder Beziehung gerecht werden konnte.

Roberto Quaranta, Marc-André Neuhaus und Bertrand Duboux SwissBoxing-Präsident Andreas Anderegg mit Roberto Quaranta, Yves Studer und Fan

 




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