News

Der Mann hinter Studer

Der Mann hinter Yves Studer


Daniel Hartmann mit seiner Gemahlin Franziska im "Bierhübeli" in Bern

Am Freitag findet im Kursaal ein Meeting mit Yves Studer als Aushängeschild statt. Der Mann, der hinter dem Event steht, heisst Daniel Hartmann. Der 50-Jährige fördert den Boxsport in Bern mit Leidenschaft und finanziellen Mitteln.

20.05.2009 - Wenn Daniel Hartmann über Boxen spricht, gerät er ins Schwärmen. Es gebe keine komplexere, faszinierendere Sportart. Ausdauer, Schnellkraft, Rohkraft, Technik, taktisches Gespür und mentale Stärke müsse ein Spitzenboxer mitbringen, zählt er auf. «Das gilt zwar im Tennis auch, aber im Boxen bekommst du noch Schläge an den Kopf, was den psychischen Druck erhöht», sagt Hartmann. Der Berner, der heute seinen 50. Geburtstag feiert, spricht aus Erfahrung. Vor knapp 30 Jahren absolvierte er einen Amateurkampf, den er gegen einen türkischen Gegner durch K.o. gewann. «Doch zuvor hatte ich furchtbar Prügel bezogen; schon nach einer Runde war eines meiner Augen fast geschlossen.» Trotz des Erfolgs brach er seine Karriere ab, weil er sein Aussehen bewahren wollte und ihn seine damalige Freundin mit Nachdruck darum bat.

Das änderte indes nichts an seiner Leidenschaft, schlug er doch sofort eine Trainerkarriere ein. Auch heute absolviert er mit Amateuren noch Sparringsrunden. Nur mit den Profis steigt er nicht mehr in den Ring, seit ihm Yves Studer im Training eine Rippe gebrochen hat. Studer ist das beste Pferd in Hartmanns Boxstall. Am Freitag setzt er im Kursaal gegen den Georgier Lewan Schonia den Titel des Mittelgewichtsmeisters für Boxer aus europäischen Nicht-EU-Staaten aufs Spiel.

Grosse Investitionen

Hartmann, Gründer der Boxing Kings und Teilhaber der Werbeagentur Contexta, ist für Studer Freund, Manager und Geldgeber zugleich, zudem schreibt er dessen Trainingspläne. Hartmann zahlt dem 26-Jährigen einen Lohn, damit dieser als Vollprofi leben kann, und er hat auch den Aufenthalt in den USA finanziert. «Ich suchte einen echten Schweizer mit Potenzial, um den Boxsport zu entwickeln. Yves ist dieser Mann; er hat gute physische Voraussetzungen und einen extrem starken Willen.»

Daniel Hartmann engagiert sich allerdings nicht nur für den Modellathleten. Bisher habe er einen sechsstelligen Frankenbetrag in den Boxsport gesteckt, sagt der 50-Jährige. Er hat den Klub Bruno Aratis («Er ist mein Partner und die treibende Kraft») gekauft, in die Infrastruktur investiert, diverse Boxer unterstützt und Veranstaltungen organisiert. Anfänglich resultierten durch die Anlässe happige Verluste. Vor zwei Jahren betrug das Defizit des Ostermeetings 20000 Franken. Im Vorjahr konnte die Boxing Kings Promotion erstmals einen Gewinn ausweisen. kleinen

Mehr als ein Hobby

«Das Boxgeschäft hat für mich ideellen Charakter, aber es ist mittlerweile kein Hobby mehr, sondern ein Unternehmen, das mit finanziellen Risiken verbunden ist», erzählt der Chef der Boxing Kings. In der Tat: Das Budget des Events vom Freitag beträgt, Sachleistungen der Sponsoren eingerechnet, rund 200000 Franken. Bedeutend teurer wäre die Sache, wenn Hartmann in Bern einen EM-Kampf organisierte. Ein Titelverteidiger kommt nur in die Höhle des «Pit Bulls», wie Studers Kampfname lautet, wenn er fürstlich entlöhnt wird. 80000 bis 100 000 Franken Gage müsse einem Europameister geboten werden, sagt Hartmann, «wenn er aus einem bekannten Boxstall kommt, ist es sogar noch mehr».

Der schlechte Ruf

Solche Beträge sind nur refinanzierbar, wenn ein Veranstalter nationale oder gar internationale Fernsehpräsenz vorweisen kann. Bisher hat das Schweizer Fernsehen an den Kämpfen Yves Studers kein Interesse gezeigt. Deshalb ist Daniel Hartmann froh, dass TeleBärn, Star-TV und Lokalsender aus der Romandie den Fight zeitverschoben übertragen werden.

Der Ruf des Berufsboxens ist nicht der beste. Einerseits gibt es immer wieder fragwürdige Urteile der Punktrichter zu vermelden, anderseits mischen hinter den Kulissen auch undurchsichtige Figuren mit. «Früher war die Mafia ins Boxen involviert», gibt Hartmann zu. «Doch bei uns werden keine Kämpfe geschoben, das kann ich garantieren.» Auch in Deutschland gehe heute alles mit rechten Dingen zu. Stolz hält er noch fest, «dass alle unsere Athleten auf europäischer Ebene überdurchschnittliche Boxer sind». © Berner Zeitung/Adrian Ruch

Das Programm

Türöffnung. 18.15 Uhr:

Beginn der Amateurkämpfe. 18.30 Uhr:

Beginn der Profikämpfe. Aniya Seki (Boxing Kings) - Nicole ca. 19.05 Uhr: Hauenstein (De), Riad Menasria (BK) - Adam Gawlik (Pol), Nasi Hani (BK) - Dariusz Ball (Pol).

ca. 20.30 Uhr: Pause.

ca. 21.05 Uhr: weitere Profikämpfe. Mohamed Belkacem (BK) - Dimitri Ananjew (Ukr), anschliessend Kampf um den EE-EU-Titel im Mittelgewicht zwischen Titelverteidiger Yves Studer (BK) und Lewan Schonia (Geo).

 

 

 


 

 

 




Weitere News


© 2018, Swiss Boxing Federation