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«Mein Traum ist eine Medaille»

Die Baslerin Sandra Brügger boxt sich in Südkorea durch ihre vierte Weltmeisterschaft
 

Von Daniel Aenishänslin, Basler-Zeitung

Jeju - 17.11.2014 - Gestern stieg sie in der Schweiz ins Flugzeug, morgen betritt sie den Ring. Für Weltergewichts-Boxerin Sandra Brügger stehen die vierten Weltmeisterschaften vor der Tür. Nach zwei Einsätzen in China und einem auf Barbados kämpft sie nun auf Südkoreas subtropischer Vulkaninsel Jeju um Ehre – und wenn möglich Edelmetall. «Mein Ziel ist der Viertelfinal», sagt die mehrfache Schweizer Meisterin, «mein Traum aber ist eine Medaille.» Dafür müsste sie den Halbfinal erreichen. Da kein kleiner Final ausgetragen wird, wäre der Einzug in die Vorschlussrunde gleichbedeutend mit der Bronzemedaille. Für Sandra Brügger ist Katie Taylor die klare Favoritin in ihrer Gewichtsklasse. Letztmals traf sie im Frühling an der EM in Bukarest auf die Irin und verlor bereits in der 1. Runde. «Lospech», nennt Sandra Brügger das. «Sie boxt auf einem anderen Level», präzisiert sie. Dass sich das Aushängeschild der Schweizer Boxerinnen aber trotzdem ihre Chance ausrechnet, wird klar, wenn sie ausführt, «dass ich schon ein paarmal gegen sie geboxt und immer verloren habe, aber sie liegt mir». So klingt niemand, der sich im Vorfeld geschlagen gibt.

Fast ausnahmslos im Final

Nationaltrainer Michael Sommer hat in den vergangenen zwei Monaten intensiv mit Sandra Brügger gearbeitet. «Die Vorbereitung ist sehr gut verlaufen», sagt er unmittelbar vor dem Aufbruch nach Südkorea, «in dieser Zeit schaffte es Sandra an allen Turnieren bis in den Final – mit Ausnahme des Turniers in Stralsund vor zwei Wochen.» Dort, an der Ostsee, verlor sie im Viertelfinal knapp nach Punkten gegen die Polin Kinga Siwa. Mit Brügger zu arbeiten mache richtig Spass, weil sie sich immer sehr professionell verhalte, lobt Sommer. «Sie zu kontrollieren, ist überflüssig, du musst sie eher bremsen.» Obwohl Brügger mit ihren 33 Lebens- und elf Kampfjahren eine erfahrene Boxerin ist, habe sie nicht abgehoben. «Sie bleibt im Training aufmerksam.» Entsprechend fühlt sich die Athletin selbst. «Ich bin fit», sagt sie ohne Vorbehalt. Auch habe sie sich während der Vorbereitungsphase nie mit Verletzungen oder Krankheit herumschlagen müssen. «Ich bin bereit», sagt sie. Kurz vor ihrer Abreise absolvierte sie noch ein letztes Training vor den Weltmeisterschaften auf Schweizer Boden – schweisstreibende Pratzenarbeit im Ring des Noble Art Boxing Center in Frenkendorf. Aktuell dominiere noch die Vorfreude, die Anspannung komme wohl erst mit der Landung auf Jeju, vermutet Sandra Brügger. Um zwischenzeitlich den Kopf zu lüften, möchte sie in ihrer freien Zeit ein wenig die koreanische Kultur entdecken. «Das Essen schmeckt mir sowieso.»

Fernziel Rio de Janeiro

Für ihren Traum opfert Brügger viel. Von ihrem Job in der Pflege hat sie für einen Monat Abschied genommen. Unbezahlt. Sie sei aber dennoch froh, dass ihr Arbeitgeber, das Claraspital, diese Auszeit ermöglicht. Gleichzeitig muss ihre Massageausbildung ruhen, bis sie am 25. November die Heimreise antritt. Für Brügger bleibt trotz Verzicht alles im grünen Bereich. «Das Boxen gibt mir alles, was ich brauche», erklärt sie, «ich lebe dafür.» Und fehle ihr doch einmal etwas, schaue sie schon, dass sie Zeit dafür findet. Das grösste Ziel von Sandra Brügger bleiben die Olympischen Sommerspiele 2016 in Rio de Janeiro. Es soll ihr Karrierehöhepunkt werden und könnte gleichzeitig ihren Abschied vom Wettkampfsport bedeuten. Bis zu diesem Zeitpunkt dürfte sie noch mehr davon haben, was sie schon heute als ihre Stärke sieht: «Erfahrung». Nicht zu vergessen ist ihr grosses Selbstvertrauen. «Sicher, ich habe auch Schwächen», sagt Sandra Brügger im Hinblick auf die Weltmeisterschaft in Asien, ohne mit der Wimper zu zucken, «aber die blende ich aus und konzentriere mich ganz auf meine Stärken.»




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