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Mit Ehrgeiz, Fleiss und Willen

Viviane Obenauf boxt, seit sie 18 ist. Am Boxing Day steigt sie zum vierten Mal als Profi in den Ring.

Viviane Obenauf will das Jahr am Boxing Day ungeschlagen beenden. Bild: Tobias Anliker

DER BUND

«The Golden Girl». Boxerinnen und ­Boxer haben häufig Übernamen. Viviane Obenauf ist das goldene Mädchen. Sie ist knallhart, wenn sie im Ring steht oder trainiert und dabei ihre Boxerhosen trägt, auf ­deren Rückseite auf dem Saum in goldenen Lettern «The Golden Girl» steht. Sie wolle zeigen, dass Boxen auch eine Sportart für Frauen ist, eine ästhetische noch dazu, betont sie immer wieder. Dafür steht ihr Übername. «Frauen sollen boxen», sagt sie und strahlt. Ausserhalb des Boxkellers ist die zierliche Frau ruhig, sie erzählt viel und gerne, ist nie um einen Spruch verlegen. Wie im Fall Milena Koleva. Diese hatte der ­Berner Europameisterin Nicole Boss ­deren bisher letzte Niederlage zugefügt und war Obenaufs ursprüngliche Gegnerin am Boxing Day, kann aufgrund einer Verletzung aber nicht antreten. «Sie hatte wohl Angst bekommen», sagt die ungeschlagene Obenauf und lacht.

Wer im Boxsport Erfolg haben will, braucht viel Selbstvertrauen, Obenauf hat es sich als Amateurin und mit ihren diesjährigen Profi-Erfolgen geholt. Im April gab sie in Thun ihr Debüt als Profi und gewann, im Verlauf des Jahres kamen zwei weitere Siege hinzu. Am Freitag heisst ihre Gegnerin Luchiya Doncheva. Eine junge Bulgarin, die ihren ersten ­Profikampf bestreiten wird, viel mehr weiss Obenauf nicht über ihre Herausforderin, will sie auch nicht. «Ich muss nur wissen, wie gross sie ist, der Rest ist nicht so wichtig.»

Von Fussball bis Gymnastik

Obenauf wurde am 25. Oktober 1986 in Rio de Janeiro geboren, der Vater liess sie und ihre zwei Geschwister die verschiedensten Sportarten ausprobieren, «damit wir uns austoben konnten und zu Hause keinen Ärger machten.» Fussball, Laufen, Capoeira (Kampfkunst-Form), Gymnastik – das Spektrum war breit. Mit 18 Jahren kam sie zum Boxen, nachdem sie den brasilianischen Weltmeister ­Acelino «Popó» Freitas gesehen hatte. «Damals wollten bei uns alle boxen», ­erinnert sie sich. Bald war sie Sparringpartnerin von professionellen Boxerinnen, selber kämpfen wollte sie jedoch nicht. Auf einer Europareise lernte sie 2008 ihren künftigen Mann kennen, 2011 kam der gemeinsame Sohn zur Welt. Nach der Babypause und drei ­Jahren ohne Boxen brauchte sie eine neue Herausforderung. Deshalb entschied sie sich nach der Wiederaufnahme des Trainings bald dazu, Amateurkämpfe zu bestreiten. Obenauf kämpfte in der Schweiz und Österreich, kam zurück in die Schweiz und debütierte im vergangenen April als Profi.

Trainiert wird sie von André Schenk – ihn für diese Rolle zu gewinnen, brauchte einiges an Überzeugungs­arbeit. «Mein ehemaliger Trainer in ­Österreich rief ihn an, ich überzeugte ihn mit Fleiss, Ehrgeiz und Willen.» Schenk baut sie Schritt für Schritt auf, «sie hat grosses Potenzial», ist er überzeugt. Der nächste Schritt folgt am Freitag, wenn das «Golden Girl» wieder in den Ring steigt und bei einem Sieg das Jahr ungeschlagen beenden würde. (Der Bund)

 




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