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Bärn boxt: Alain Chervet meldet sich überzeugend zurück

Ueli E. Adam 

15.03.2015 - Nach einer mehrmonatigen, verletzungsbedingten Ringpause machte Alain Chervet im legendären Matte-Quartier in Bern eindrücklich klar, dass wieder voll mit ihm zu rechnen ist. Er besiegte den Polen Damian Haus mit einem beeindruckenden TKO in der fünften Runde. 

Chancenlos: Beat Hausammann nimmt den überforderten Polen Damian Haus aus dem Kampf

Alain Chervet (63,2 kg, Boxing Kings Bern 8-0-2) vs. Damian Haus (62,4 kg, Polen, 2-1-0)

Lange Ringpausen sind im Profigeschäft immer problematisch. Der vom Verletzungspech verfolgte Berner (letzter Kampf 9. Juni 2014) meldete sich aber überzeugend zurück. Sein Gegner war erfreulicherweise kein einfacher Journey-Man, sondern ein Gradmesser: der erst 21-jährige Pole brachte das boxerische Rüstzeug mit, um den Berner ab der ersten Runde echt zu fordern. In einem spektakulären Kampf, der das Publikum begeisterte, bewies Chervet, dass er nichts von seinen Qualitäten verloren hat. Im Gegenteil: Chervet zeigte bestes Boxen, variable Schlagserien und perfektes Timing. Bereits in der zweiten Runde schickte er den jungen Polen mit einem punktgenauen Körpertreffer ein erstes Mal auf die Bretter. Spätestens nach diesem Niederschlag war aber klar, dass Damian Haus nicht angetreten war, um den Kampf zu verlieren: mit einer erstklassigen Energieleistung nahm er den Kampf wieder auf und versuchte diese Scharte auszuwetzen. Zwar blieb Chervet kampfbestimmend, aber in der vierten Runde gelang es Haus, den Kampf ausgeglichener zu gestalten. Es reichte nicht: mit einer explosiven Rechten schickte Chervet den Polen in der fünften Runde erneut auf die Bretter. Von diesem Niederschlag erholte sich Damian Haus nicht mehr und Ringrichter Beat Hausammann nahm den Polen mit einem TKO aus dem Kampf.
 

Die Rahmenkämpfe der Amateure

„Bärn boxt“. Mit dieser Affiche hat es Boxen zur Bildung - der Club von Pascal Brawand, Michael Birnstiel, Hervé Kellenberger, Daniel Müller, Dean Celina und Yosef Habte - geschafft, mit bescheidenen Mitteln das Publikum für das Boxen zu begeistern. Das konnte man im Matte-Meeting erneut erleben.

Frei nach dem Motto auf der Website des Clubs „Was ich dann zum Beispiel im Boxen entdeckte, war mehr als nur ein Sport — was um den Ring und im Ring passiert, kann als Metapher für menschliche Begegnung verstanden werden, als Widerspiegelung eines täglichen Kampfes." (Giorgia Fiorio, italienische Autorin & Fotografin)

Garibaldi (Boxwin Sport Carouge) boxt den Favo-riten Kurmann (Durantes Gym) nach Punkten aus

Dario Clemens Locher (Fight-Right Biel) vs. Fabian Zellweger (Durantes Gym)

In den Kategorien Jugend, Junioren und Elite standen mehrheitlich Kämpferinnen und Kämpfer im Ring, die entweder ihren Erstkampf bestritten oder doch mit einem Kampfrekord von weniger als 10 Kämpfen angetreten waren. Dies ist deshalb erwähnenswert, weil die Leistungen im Ring durchwegs Schulung und gute Vorbereitung verrieten. Der junge Andri Beiner (BTO) zeigte im Junioren-Kampf gegen Ademi Hadis (Fight-Right Biel) bereits sehr gutes Boxen. Tino Nydegger (BTO) boxte in seinem zweiten Kampf den Genfer Jonathan Romano zielorientiert aus. Fabian Zellweger und Michael Kurmann (Durantes Gym) bewiesen, dass die Boxer von Silvio und Claudio Durante vermehrt vorne mitmischen können. Schade, dass der Klassemann Michael Kurmann zu stürmisch vorwärts marschierte und vom sehr gut eingestellten Thierry Garibaldi (Boxwin Carouge) ausgeboxt wurde. Bemerkenswert war auch der Einstand von Michael Hostettler im Mittelgewicht. Der Berner ist seit langer Zeit der erste Boxer, der wieder für den legendären ABCB im Ring stand. Zwar konnte er seinen ersten Kampf gegen den guten Walliser Jeff Manetti nicht gewinnen, aber der Start ist absolut geglückt.

Die beste Schweizer Boxerin im Interview mit Yosef Habte

In Fiona Wyss (Boxen zur Bildung) haben die Berner eine talentierte junge Frau mit erstklassigen Perspektiven für die Zukunft in ihren Reihen. Es ist der besten Boxerin der Schweiz, Sandra Brügger, Box Ring Basel, hoch anzurechnen, dass sie sich für einen Exhibition-Kampf mit der jungen Bernerin zur Verfügung stellte. Sandra Brügger offenbarte nach dem Kampf auch ein unvermutetes Talent: „The Silent“ verblüffte mit einem bemerkenswerten Interview, eloquent und humorvoll!

Fazit: mehr davon, beste Reklame für den Boxsport. Und: praktisch die ganze Berner Boxgemeine war in der Matte versammelt.




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