News

Ab 2018 fällt der Kopfschutz weltweit weg



Andreas Anderegg

15.04.2015 - Ab 1. Januar 2018 darf bei Boxkämpfen generell kein Kopfschutz mehr getragen werden. Im Gegenzug werden Trainer angehalten, bei der Ausbildung mehr Wert auf ein waches Auge zu legen, um das Einstecken von Treffern zu vermeiden. Beim Kongress der European Boxing Confederation EUBC in Assisi wurden die Verbände zudem aufgefordert, das Fitnessboxen zu fördern, um die Akzeptanz des Boxsports zu steigern.

Der Entscheid zum generellen Verzicht auf den Kopfschutz im Amateurboxen hatte der (übergeordnete) Weltboxverband AIBA bereits Ende letzten Jahres gefasst – beim EUBC-Kongress im italienischen Assisi, der am Dienstagnachmittag zu Ende ging, wurde er mit den europäischen Verbänden diskutiert. Etliche Funktionäre zeigten sich überrascht vom Entscheid. Aktuell boxen nur die Herren-Elitekategorien ohne Kopfschutz – alle anderen boxen „oben mit“.

Mehrere Gründe für den Verzicht

Ab 1. Januar 2018 wird das Tragen eines Kopfschutzes im Kampf aber generell verboten sein. Dies weil Untersuchungen ergeben haben, dass die Verletzungen bei Boxern mit Kopfschutz gravierender sind, als  bei Boxern  ohne Kopfschutz. Denn häufig wird der „geschützte“ Kopf für die Kampfführung eingesetzt. Zudem vermittelt der Kopfschutz erwiesenermassen eine falsche Sicherheit und führt zum Einstecken von unnötigen Treffern. Generell soll der Verzicht auf den Kopfschutz aber zu einer veränderten Kampfweise führen. Deshalb werden die Trainer aufgefordert, bei der Ausbildung der Sportler mehr Wert auf ein wachsames Auge zu legen, um Schläge zu vermeiden.

In Zusammenhang mit dem Wegfall des Kopfschutzes wurde von Delegierten mitunter angeregt, für die Boxerinnen und Boxer im Schulalter ein spezielles Regelwerk zu schaffen. Denn ein Ko-Eintrag in einer Kampflizenz einer Schülerin oder eines Schülers, die oder der zum eigenen Schutz frühzeitig aus dem Kampf genommen wird, würde ein wenig motivierendes Signal senden.

Im sportlichen Bereich ist es daneben zwecks Förderung des Frauenboxens vorgesehen, auf europäischer Ebene einen „Women’s-Cup“ mit fünf Kategorien ins Leben zu rufen (51, 54, 60, 64 und 75 kg). Dazu sollen 16 Nationen/Regionen zur Teilnahme eingeladen werden. Detaillierte Infos zu diesem Wettbewerb werden zu gegebener Zeit folgen.

Fitnessboxen zur Imagepflege

Im Weiteren wurden die Verbände aufgefordert, einen Bereich für das Fitnessboxen zu schaffen. EUBC-Präsident Franco Falcinelli ortet im Fitnessboxen eine grosse Chance, den Boxsport in der Öffentlichkeit besser zu positionieren und ihn zur Breitensportart zu machen. Mit diesem Ziel findet in der zweiten Jahreshälfte in Assisi auch ein dreitägiger Kurs mit Schulen aus der Region statt, bei dem das Fitnessboxen vermittelt wird.

Westeuropäer können sich behaupten

Bei den Wahlgeschäften konnten sich die Westeuropäer trotz zahlenmässig klarer Überlegenheit der Länder aus Osteuropa behaupten. Als EUBC-Vizepräsidenten für die Amtsperiode 2015-2019 wurden Jürgen Kyas, Präsident des Deutschen Boxsportverbandes, und Vladimir Tebekin aus Russland gewählt. Dem neuen EUBC-Komitee gehören unter anderem Waldemar Mencel (Österreich) und Flemming Nissen (Dänemark) an.

Grusswort von Dr. Wu

AIBA-Präsident Dr. Wu, der dieser Versammlung als Gast beiwohnte, wies in seinem Grusswort auf die Bestrebungen hin, mehr als drei Damen-Kategorien an Olympia starten lassen zu können. 2016 in Rio würden zudem erstmals AIBA-Profis an Olympischen Spielen teilnehmen.

Faraci-Gegner glänzt

Am Rande des EUBC-Kongresses war zu vernehmen, dass der ehemalige Gegner von Davide Faraci, der türkische Mittelgewichtler Adem Kilicci, aktuell als bester Fighter im AIBA-Profiboxen APB gilt. Davide Faraci hatte vor drei Jahren am Olympia-Qualifikationsturnier in der Türkei erst einen Kroaten und dann einen Polen bezwungen, ehe er dem einheimischen WM-Bronzemedaillen- und EM-Silbermedaillen-Gewinner Adem Kilicci nach Punkten unterlag. Die Bronzemedaille an jenem Turnier war ein grossartiger Erfolg für Davide Faraci und gleichzeitig ein Höhepunkt im Jahr 2012 für SwissBoxing.




Weitere News


© 2017, Swiss Boxing Federation