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Chronik Box-Club Zürich

FRAG-WÜRDIG: IRENE WRABEL, KOMMUNIKATIONSFRAU BEIM BOXCLUB ZÜRICH

07.05.2009 - «Ich schaue lieber Formel 1 als eine Soap»

Irene Wrabel ist beim Boxclub Zürich für die Kommunikation zuständig und hat an der Chronik zum 75-Jahr-Jubiläum mitgearbeitet.

Mit Irene M. Wrabel sprach Susanne Loacker

Irene Wrabel, wie reagieren neue Bekannte auf eine Frau, die boxt?

Die, die nicht irgendwie engstirnig sind, allesamt ganz positiv. Aber ich bin ja keine, die ihre Wochenenden im Ring verbringt. Ich selbst bin eine reine Fitnessboxerin, trainiere zweimal die Woche Kondition, aber Kämpfe bestreite ich keine. Dafür habe ich zu spät mit dem Boxen angefangen.

Wie und wann denn?

Ich bin eigentlich Münchnerin und bin erst seit acht Jahren in Zürich. Der Boxsport hat mich schon immer fasziniert, und über einen Bekannten habe ich vor etwa drei Jahren vom Boxclub Zürich erfahren. Ich bin hingegangen und habe mich sofort wohlgefühlt.

Frauen in Boxhandschuhen sind keine Exotinnen mehr.

Nein, jedenfalls nicht im Boxclub Zürich. In den Trainings sind jeweils um die 40 Leute anwesend, und immerhin zwischen einem Viertel und einem Drittel davon sind Frauen. Mich freut vor allem, dass immer mehr junge Frauen ins Training kommen.

Waren Sie schon immer eine Freundin von Kampfsport?

Ich habe früher, als Jugendliche, keinen Kampfsport ausgeübt. Ich war jahrelang Geräteturnerin, aber ich hatte schon immer auch Sportinteressen, die man herkömmlicher Weise als nicht typisch weiblich bezeichnen würde.

Zum Beispiel?

Mein Vater war früher Rennfahrer, ich habe die ersten sechs Jahre meiner Kindheit auf Rennstrecken verbracht. Ich liebe den Geruch dieser Boliden, die Geräusche, und noch heute schaue ich mir viel lieber eine Formel-1-Übertragung am Fernsehen an als eine Soap.

Und Boxkämpfe?

Natürlich. Ich konnte zwar den Kampf zwischen Evander Holyfield und Nikolai Valuev im Hallenstadion nicht live sehen, weil ich da gerade bei meiner Familie in München war. Aber ich bin mit meinem Vater vor dem Fernseher gesessen. Inzwischen ist so ein Kampf auch viel transparenter geworden für mich.

Wie sind Sie denn in den Vorstand des Boxclubs gekommen?

Als unser ehemaliger Präsident Gusti Strobel an der GV vor einem Jahr seinen Rücktritt ankündigte, taten wir uns zusammen, um die Nachfolge zu organisieren. Dass ich nun das Amt der Kommunikationsfrau habe, macht Sinn: Ich bin beruflich Kommunikationsberaterin und Partnerin bei einer Zürcher Kommunikations- und PR-Agentur. Ich habe mich also mit dem engagiert, was ich am besten kann.

Wieso überhaupt mehr Kommunikation?

Der Boxclub Zürich wird heuer 75 Jahre alt und hat über 450 Mitglieder. Das wissen viele Leute nicht. Ausserdem finde ich es wichtig, dass diejenigen bei uns im Verein, die an vielen Wochenenden Kämpfe absolvieren und sehr viel Zeit in ihren Sport investieren, auch die entsprechende Aufmerksamkeit haben. Unsere aktiven Boxerinnen und Boxer sollen eine würdige Plattform bekommen.

Jetzt liegt auch die Chronik zum 75. Geburtstag vor, an der Sie mitgeschrieben haben

Da habe ich, genau wie alle Boxclub-Kollegen, eine riesengrosse Freude daran. Wenn man weiss, dass das alles in ehrenamtlicher Arbeit entstanden ist, dass viele Leute viel Zeit investiert haben ins gemeinsame Hobby, dann macht so ein Buch gleich noch viel mehr Spass.

 

Boxen in Schwarz, Blau und Weiss

Morgen Abend wird die Vernissage gefeiert, danach ist das Buch im Handel erhältlich: Auf fast 100 Seiten ist die Geschichte des Boxclubs Zürich dokumentiert, werden frühere und heutige Mitglieder vorgestellt, kommen Trainer, Vereinspräsidenten und Politiker zu Wort. Das Buch spielt, bis auf einen vierfarbigen Mittelteil, mit einem blauen Duplex-Druck auf die Zürcher Vereinsfarben an. «Boxclub Zürich» ist für 25 Franken erhältlich über www.boxclubzuerich.ch. (sl) © Tages-Anzeiger

 

 

 


 

 

 




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