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Zu Besuch bei Floyd Mayweather

Angelo Gallina

Heute Abend kämpft Floyd Mayweather in Las Vegas gegen Andre Berto um den WM-Titel. Ich habe ihn während meines USA- Aufenthalt in seinem Gym in Las Vegas besucht.

12.09.2015 - Er ist unbestritten der reichste Sportler der Welt und einer der besten Boxer im Weltergewicht. (63,503 – 66,678 Kg) . Unser Vorzeigeathlet Roger Federer bezieht in dieser Hinsicht gerade noch einen Einsteigerlohn, ebenso der Weltfussballer Ronaldo muss hinten anstehen, was die Gagen anbelangt.  Sportlich dominiert er seine Gewichtsklasse seit  1998 als er erstmals Weltmeister wurde.

Angelo "Speedy Chicken" mit dem weltbesten Boxer Floyd "Money" Mayweather

Floyd „Money“ Mayweather ist mit seinen 38 Jahren sportlich und finanziell dort angekommen, wo es keinen anderen freien Platz mehr hat, bei der Nummer 1. Nach 84 Amateurkämpfen bei 6 Niederlagen, einer Bronzemedaille bei den Olympischen Spielen,  wechselte er 1996 als 19 Jähriger zu den Profis. Seither bestritt er 48 Kämpfe die er allesamt gewonnen hat, knapp die Mehrheit  vorzeitig. Mit knapp 17 Profikämpfen wurde er erstmals 1998 Weltmeister, seither boxte er alles was im in die Quere kam. Einen Vorwurf, er würde sich vor den guten Gegner drücken, wie das andere Champs in anderen Gewichtsklassen zur Zeit praktizieren, ist bei der Auflistung seiner Gegner geradezu haltlos. Darunter befinden sich die Namen der allerbesten Weltergewichtler der Neuzeit wie Miguel Cotto, Victor Ortiz, Marcos Maidana, Oscar De La Hoya, Zab Judah, Ricky Hatton, Arturo Gatti, Saul „Canelo“ Avlarez oder zuletzt Manny Pacquaio (über den ein sehenswerter Film im Umlauf ist, „Manny“;  dieser wurde 2014 fertig erstellt, und hat folglich den Kampf gegen Floyd leider nicht mehr zum Inhalt.). Mit seinem möglichen 49. Sieg wird er den Rekord von Rocky „The Brockton Blockbuster“ Marciano gleichziehen, was seine Einzigartigkeit wiederholt untermauern wird.

Seit bald 16 Jahren spielt er Katz und Maus mit seinen Gegner und lässt sie allesamt als Verlierer allein im Ring zurück. Die einten haben mehr, die anderen weniger dabei verdient; am allermeisten hat er selber abgeräumt. Hierbei halfen ihm tüchtige Geschäftsleute und auch Al Haymon. Dass es ihm gut geht, zeigt er gerne und oft bei jeder möglichen Gelegenheit. Seine sozialen Medien werden von Profiwerbern und Filmer bedient. Seine Medienkonferenzen sind top inszeniert und sein Auftreten sorgt für Trubel: Prahlerei auf sehr hohem Niveau und dies nicht zu knapp. Ob beim Geldzählen auf seinem grossen Bett, in seinem Privatjet, in seiner Luxusvilla, bei der Massage mit zahlreichen attraktiven Frauen oder in einer seiner zahlreichen Luxuslimousinen.

Andere Meldungen es sei bei seinem  letzten Kampf gedopt gewesen, Ausseinandersetzungen in Diskotheken,  oder die Geschichte seiner Verurteilung wegen Häuslicher Gewalt machen regelmässig die Runden.

Dass er auch viel Unterstütz und Geld spendet wissen die Wenigsten. Auch in seinem Gym, welches 10 Minuten vom Zentrum von Las Vegas im dortigem Chinatown liegt, trainieren täglich auch junge und ambitionierte Boxer unter Aufsicht von Trainern zu speziellen Konditionen. Mich lässt dieses ganze Gehabe und sein Entourage kalt, andere weniger.

Heute ist Las Vegas Pressetraining angesagt, Start sollte 15h sein. 45 Grad Celsius und strahlend blauer Himmel. An die 250 Presseleute lauern in der kleinen Trainingshalle. Zugang gibt es heute nur mit Spezialausweis und Anmeldung bei der Pressestelle. Vier mächtige Türsteher sorgen für Sicherheit und Ordnung.

Grundsätzlich sind alle Boxgyms mehr oder weniger gleich. Ob in Kuba, Moskau, Shanghai, Stockholm oder Basel: Boxsäcke, Garderoben, Posters und ein Boxring. Boxgeräte im Hintergrund und zwei Boxringe nicht mehr und nicht weniger das war’s. Keinen Maschinenpark oder Schnickschnack. Soweit so gut. Hier sind es die Hochglanzposter der Titelkämpfe von Floyd die den Unterschied ausmachen und auch seine Aura die hier einem auf’s Gemüt schlägt. Keiner hat eine solche Referenz geboxt wie Floyd.

Um die Boxringe haben überpünktliche Journalisten ihre Visitenkarte oder ihren Rucksack als Platzhalter niedergelegt.  Auch weilen hier einige Vorkämpfer mit Trainer herum und geben Interviews. Ich entdecke Badou Jack (kämpft in der Undercard Mayweather vs. Berto gegen George Grove um die Weltmeisterschaft im Super-Mittelgewicht nach Version des WBC, die Red.) und Ishe Smith unter Ihnen. Während der Wartezeit unterhalte mich mit zahlreichen anwesenden Boxexperten und Anwesenden. Immer auch ein Thema ist das Schwergewicht und auch Arnold. Alle sind irgendwie auch ein bisschen gelangweilt, ausser die Künstler unter Ihnen. Die Jungs von Showtime. Sie macht die hochwertigen Filmaufnahmen vom Floyd und seiner Entourage.

Um 17h ist es dann soweit. Die Showtime-Crew rüstet sich für den Auftritt. Heute mit Spezialmikrofon und zwei Superkameras die mehr als 50 tausend Dollars Wert sind. Auch mit Ihnen unterhielt ich mich  und erfuhr, dass sie ihn bereits seit einem halben Jahr fast täglich begleiten. Ich helfe Ihnen noch die Leiter aufzustellen um die beste Aussichtplattform zu haben und warte gemeinsam auf den Moment. Als Dank dafür werde ich noch später ein spezielles Foto erhalten.  Als erste  kommt die Nanny im weissen Rolls Royce um die Ecke. Sie bleibt bei laufendem Motor im Auto sitzen und geniesst den kühlen Wind ihrer Klimaanlage. Wir versuchen uns draussen die 45 Grad um die Ohren zu schlagen. Eine weitere halbe Stunde vergeht. Es ist heiss, sich bewegen ist eine Qual und mit Schweiss verbunden. Dann ist es soweit, es wird laut und ein Autokorso der High-Class kommt um die Ecke. Zuvorderst Floyd in seinem Silberschlitten. Er steigt aus und geht, begleitet von einem Tross von Journalisten, in sein Gym. Während es drinnen munter weiter geht, parkiert ein eigens dafür mitgereister Mitarbeiter draussen die Autos um und reinigt diese mit einem Putzlappen fleckenrein. 

Wenn in Las Vegas Ferraris, Bugattis und Rolls Roys vor dem Trainingssaal stehen, sind es bei uns in Basel ein paar rostige Fahrräder vor dem Boxkeller. Die Autofreie Innenstadt ist da nicht der Grund für. Während Floyd mit dem 5 Millionen teuren Koenigsegg «CCXR Trevita supercar» erscheint, komme mein Boxer Arnold THE COBRA Gjergjaj mit dem diskreten Passat Kombi ins Training. Pressekonferenzen finden bei uns im kleinen Rahmen statt, in Las Vegas habe ich bei 250 anwesenden Medienläuten aufgehört zu zählen. Boxen ist hier ein Megaereignis. Alle machen mit und die Spielsucht-Metropole freut sich über den angenehmen Nebeneffekt. Bei uns gibt es  keine TV-Gelder für den Boxsport keine grosse Casinos die Investieren und auch keine Mäzen beim Boxen. Man investiert lieber in Fussball- oder Tennislogen, was einfach zu erklären ist und sozial wie gesellschaftlich verträglicher ist.  So bleibt vieles stehen oder geht leise zu Grunde. Jetzt aber zurück zum Geschehen.

Floyd muss erstmals eine halbe Stunde lang ausgewählten Journalisten Red und Antwort stehen. Begleitet von seiner Pressechefin und seinem Anwalt. Anschliessend steht er vor seiner nächsten grossen Entscheidung:

Welchen Tiefschutz soll er heute anziehen?  Den blauen oder den roten, den schwarzen oder den lilafarbenen? Nach kurzem Zögern entscheidet er sich für den Orangen. Dann die zweite weitaus  wichtigere Entscheidung: welche Sparringshandschuhe machen heute das Rennen. Die mit dem Gepard Muster, die Pinken, die Roten, die Blauen.. er probiert die Einten, zeigt auf die Anderen und nimmt dann nochmals andere. Alles immer schön gemütlich. Immer mit dabei auch seine zahlreichen Trainers, sein Onkel, einige Familienangehörige, Freundinnen und seine Anwälte.

Alle Reporter sind um den Ring eins platziert, Floyd entscheidet sich ohne Kommentar für Ring zwei. Ein murren geht durch die Masse und ein Gezerre beginnt. Ich hatte mich zwischen den beiden Rings platziert, was sich als eine gute Entscheidung erwies. Floyd steht unmittelbar neben mir und wartet minutenlang auf den Zahnschutz. Dabei witzelt er mit den Anwesenden Juniorenboxern und lässt sich von der kräftigen Physiofrau warm massieren und schaut stumm in die Runde. Mein Vorschlag eines gemeinsamen Bildes hat er entweder nicht verstanden oder um es freundlich zu beschreiben, dankend abgelehnt. Dumm von mir gefragt zu haben. Ausser den Kopf an Kopfbilder mit seinen Gegnern beim Wiegen gibt es keine Bilder gemeinsam mit  Floyd.

Die boxerische Betreuung ist in dieser Situation schon allein aus Platzgründen knapp. Kein Durchkommen, laut und einige von Ihnen machen noch das einte oder andere Bild oder Interview. Es gibt keinen Meter der noch frei ist. Jeder schaut auf sich, keiner zu Floyd was mich schon ein wenig wunderte. Ein paar Superschlaue laufen mit Strassenschuhen quer durch den Ring und zwingen sich noch in die letzen freien Nischen um den zweiten Ring.

Dann geht’s los. Ein mittelguter Sparringspartner darf ganze 10 Minuten am Stück ohne Pause den Prügelknaben spielen währenddessen Floyd Faxen macht und während dem Sparring redet und sich dem Publikum zuwendet. Ein zwei Fäuste erreichen ihn dennoch am Kopf, dann schlägt er zurück. Ein zweiter und später noch ein Dritter Sparringspartner kommen zum Einsatz.

Von aussen betrachtet war dies kein grossartiges und sportlich weiterbringendes Training. Es ging eher wohl auch darum keine Blösse zu zeigen. In den Social-Medias wird live übertragen. „Mayweather verprügelt Sparringspartner“ lautet dort zeitgleich die Schlagzeile. Zusammengefasst kann ich ohne zu zögern behaupten,  das hier war ganz grosses Kino. Da kommt mir das Klitschko-Pressetraining, mit einem weinenden und schreienden Shannon Briggs im Hintergrund, gerade irgendwie provinziell vor.

Beim genauen Hinschauen wird die ganz grosse Boxwelt wieder zu einer ganz normalen. Beim Wettkampfposter an der Wand entdecke ich wie die Augen des Gegners abgeklebt wurden oder auch der Mitarbeiterkuchen im Nebenraum zeugt von einer guten Baseline in der Mayweater-Zone.

Ja und fast vergessen.... Floyd kämpft heute Nacht gegen Andre Berto seinen 49. Profikampf. Berto ist die Nummer 21 der Weltrangliste und hat 3 seiner 6 letzten Kämpfe verloren. Sollte alles nach Plan verlaufen, geht die Erfolgsgeschichte wie vorgesehen weiter. Und wer weiss, ob es nach dem Rückzug noch einen 50. Kampf geben wird...  dann wäre auch der Marciano-Rekord auch noch in den Schatten gestellt.  




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