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Schweiz holt sich überlegen den SwissBoxing-Nationen-Cup

Auch wenn der zweitägige Nationencup in Horgen mit einer rauschenden Samstagnacht vor ausverkauftem Haus einen fantastischen Auftakt erlebte und die Organisatoren ein positives Fazit ziehen dürfen: Der Sonntagmorgen lockte nur noch wenig Publikum an. Dabei erlebten die wenigen Unentwegten einen erneuten Triumph der Schweizer Boxerinnen und Boxer und mehrheitlich hochstehenden Boxsport in den letzten sechs Matches dieses EUBC-Turniers. Die Schweizer Auswahl gewann den EUBC-Nationen-Cup am Zürichsee mit 9 Punkten vor Italien (6), Österreich (5) und Deutschand (4).
 

Gérald Kurth, 27.09.2015

Ein besonderes Kränzchen ist dabei dem Organisationsteam um Tobias Kron, den Präsidenten des BR Zürichsee, zu winden. Die Horgener Equipe musste nicht nur Teams aus vier Ländern unterbringen und versorgen, sondern garantierte auch einen reibungslosen Ablauf. Der wurde auch nicht dadurch gestört, dass das österreichische Team am Sonntagmorgen etwas länger brauchte, um sich zum Abspielen der Nationalhymnen und der Begrüssungszeremonie in den Ring zu begeben...

v.l.n.r.: Federico "Fede" Beresini (Sport-Manager), Andreas Anderegg (Präsident SwissBoxing), Sandra Brügger, Matthias "Sir Henry" Luchsinger (Trainer), Davide Faraci, Enis Amiti, Egzon Maliqaj und Ringsprecher Jack Schmidli

Die Kämpfe

Frauen

60 kg

Sandra Brügger (CH) vs. Melanie Fraunschiel (A)

Die von Michi Sommer gecoachte beste Schweizer Amateurin präsentierte sich wie üblich sehr bewegungsfreudig Sandra Brügger verfügt mittlerweile über so viel Routine, dass sie sich durch kaum eine Gegnerin aus der Ruhe bringen lässt. Auch gegen die durchaus solide Österreicherin Fraunschiel steckte sie regelmässig zwei, drei Hände oben durch die Deckung und sammelte so konsequent und unaufgeregt ihre Punkte. Herausragende Athletik, Fussarbeit und Beweglichkeit im Oberkörper gestatten es Brügger auch, öfters aus der Rückwärtsbewegung oder gar in Rücklage zu treffen. Umgekehrt streckt sie ebenso erfolgreich zu Täuschungszwecken ihre Rechte schräg nach vorne, um sofort über links anzugreifen. Vielleicht vernachlässigt sie deshalb ihren an sich wirkungsvollen Jab ein wenig, was sich gegen eine aggressivere Gegnerin rächen könnte. Fraunschiel war aber zu keinem Zeitpunkt nicht in der Lage, Brügger in Verlegenheit zu bringen. Die Baslerin liess nichts mehr anbrennen und gewann nach vier überlegen gestalteten Runden den Kampf eindeutig und verdient mit 3:0 Richterstimmen. Auf diesem Weg steht am Ende die Qualifikation für Olympia...

Männer

69 kg

Brian Hellwig (D) vs. Egzon Maliqaj (CH)

Der Gebenstorfer Maliqaj ist mittlerweile trotz seiner erst 24 Jahre ein für Schweizer Verhältnisse überdurchschnittlich routinierter Boxer. In Horgen gewann er seinen mittlerweile 83. Kampf durch Mehrheitsentscheidung. Wie gewohnt arbeitete er von Beginn an aggressiv nach vorne und schloss verschiedentlich seine Kombinationen mit guten Kopfhaken und Schwingern ab. In der zweiten Runde boxte ihn aber sein deutscher Gegner vermehrt aus der Distanz, was Maliqaj dazu verleitete, die Brechstange hervorzuholen. Nun verpufften diverse Schwinger oder Aufwärtshaken im Leeren, Hellwig hatte plötzlich seine langen Hände im Ziel. Maliqaj riss aber in der letzten Runde das Heft noch einmal an sich und agierte gleichzeitig weniger ungestüm. So holte er sich die nötigen Punkte für seinen knappen, aber verdienten Sieg.

Yasim Gachaev (A) vs. Nicolas Esposito (I)

Ein absolutes Highlight: Der für Österreich kämpfende Tschetschene Gachaev lieferte sich mit dem Mailänder Esposito ein Gefecht auf höchstem Niveau: Die beiden bulligen, eher klein gewachsenen Boxer feuerten in einer Choreographie der permanenten Abwechslung drei Runden ohne Unterlass. Der offene Schlagabtausch zeichnete sich durch exzellente Technik und vorbildliche Fairness gleichermassen aus. Gachaev war in den ersten beiden Runden optisch überlegen, Esposito schlug aber immer mit und konterte wirkungsvoll. In der letzten Runde wurde der Mailänder offensiver und landete die für die Mehrheitsentscheidung zu seinen Gunsten Ausschlag gebenden wenigen Punkte. Der denkbar knappe Entscheid hätte auch umgekehrt ausfallen können. Ein toller Kampf, der zurecht wiederholt Szenenapplaus bekam.

75 kg

Simone Brusa (I) vs. Enis Amiti (CH)

Der Kampf endete nach Disqualifikation des Italieners mit einem weiteren Sieg für die Schweizer Auswahl. Viel mehr Positives gibt es nicht zu berichten: Ringrichter Reza Müller forderte Amiti und Brusa schon in der ersten Runde unmissverständlich auf zu boxen, als diese permanent in der Deckung verharrten und Schläge kaum einmal andeuteten. Auch wenn sich die Gegner in der Folge zu etwas weniger Passivität durchrangen, die boxerische Qualität blieb bescheiden. Der Italiener hätte mit seiner Linken Amiti problemlos auspunkten können, verlegte sich aber auf Unsauberkeiten und wurde nach der dritten Verwarnung per Disqualifikation aus dem Kampf genommen.

81 kg

Ammar Abdoljabbas (A) vs. Federico Minorini (I)

In diesem Kampf wurde sofort das Feuer entfacht: Das für Österreich startende Muskelpaket Abdoljabbas rannte an wie ein wilder Stier und feuerte schwere Hände gegen Minorini ab, die dieser allerdings ohne grösseren Schaden abwehren konnte. Möglich machte ihm dies Abdoljabbas, der fast ohne Deckung nach vorne preschte und sich so vorsätzlich wieder abgekontern liess. Schon bald musste Abdoljabbas seinem furiosen Beginn Tribut zollen und legte sich immer öfter auf Minorini. Eher überraschend kam er aber in der letzten Runde noch einmal auf und schaffte es, den konsequenter angreifenden Minorini zu  neutralisieren.  Ein fürs Publikum zwar attraktiver Kampf. Nachhaltig ist aber Abdoljabbas’ Strategie nicht: Zu oft wird er getroffen, bevor er seine brachialen Schläge über die Aussenbahnen ins Ziel bringt und dabei bestimmt auch mal einen Lucky Punch landet.

Davide Faraci (CH) vs. Athanasios Kazakis (D)

Ein Kampf mit eher unerwartetem Ausgang: Auch wenn viele Faraci vorne gesehen hatten, der Schweizer kam insgesamt nicht auf sein gewohntes Rendement. Er stach zwar wie üblich aus der kontrollierten Defensive mit seinem Jab und einzelnen Händen zu und entschied so die erste Runde für sich. Die beim Gegner erzielte Wirkung blieb aber gering. Vielmehr gelang es Kazakis sehr bald, die kraftvoll vorgetragenen Aktionen des Badeners besser zu neutralisieren und eigene Konter abzuschliessen.

Faraci tauchte zwar regelmässig wirkungsvoll weg, prallte aber beim Hochkommen oft in den Gegner, wo die beiden Boxer klammerten. Die optische Ausgeglichenheit zeigte sich auch darin, dass in der letzten Runde beide Kämpfer angezählt wurden. Nach einem unabsichtlichen Kopfstoss Faracis klaffte über Kazakis’ linkem Auge plötzlich ein stark blutender Cut. Obwohl dieser die Sicht des Deutschen trübte, überlebte er die Runde. Dass er am Ende als Sieger durch Mehrheitsentscheid aus dem Ring stieg, war dennoch  eine Überraschung.

 

 




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