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Boxmeeting Luzern – fast wie eine Spaghettata

Jakob Humm, 11.10.2015

Bei einer Spaghettata werden, wie der Name es ja schon sagt, Spaghetti als Basis mit verschiedenen Saucen angeboten. Auf einige freut man sich (weil man sie kennt; und dann doch vielleicht enttäuscht ist), auf einige ist man gespannt (weil sie Neues versprechen) und bei den anderen weiss man, dass man voraussichtlich nicht so begeistert sein wird. Ähnlich war es auch gestern beim Boxmeeting Luzern – Boxen war der gemeinsame Nenner, die Art der Ausführungen allerdings variierte stark.

Der Einheimische Robin Jäggi greift seinen Gegner Nazari Khan beherzt an, muss sich aber dem Basler äusserst kanpp mit 2:1 Richterstimmen geschlagen geben

Um es vorweg zunehmen, die bekannten Boxer, welche sich auch schon an anderen Wettkämpfen positiv in Szene zu setzen wussten, vermochten über weite Strecken hinweg zu überzeugen. So zeigte Urim Smajli einen sehr überlegten Kampf trotz eines Handicaps am Knie, oder auch Fabian Hartmann wusste sich mit sehr druckvollem und technisch gutem Boxen sehr gut in Erinnerung zu halten.

Zu den Newcomern gehören sicher die Frauen, welche sich am Meeting ausnahmslos mit sehr guten Leistungen und einer oftmals technisch feinen Klinge positionieren konnten. Offenbar scheint der Boom des Frauenboxens in der Schweiz etwas abgeflacht zu sein, aber diejenigen Boxerinnen, welche sich nun der Auseinandersetzung im Ring stellen, verfügen über sehr gute Kampfqualitäten. Emma Payne konnte sich dank harten und schnellen Händen durchsetzen, und auch Nicole Von Känel konnte ihren Kampf dank geschicktem Einsatz ihrer Physis für sich entscheiden. Einen Kampf aus Messers Schneide schliesslich lieferten sich Mehtap Üestundag und Julia Bauer, wobei Letztgenannte das bessere Ende für sich behalten konnte. Bei den Männern überzeugten Celso ‚El Fenomeno’ Das Neves oder Florin Bistrian zumindest in der Anfangsphase mit sehr variablem Boxen oder auch Fuat Zenuni im Duell mit Arnes Lukac. In die Kategorie der Überraschenden vermochten sich aus Sicht des Veranstalters auch die Luzerner Boxer einzureihen, welche dank sehr guten kämpferischen Leistungen über weite Strecken zu überzeugen vermochten. So setzten sich Thomas Odermatt und Augusto Mecaroni erfolgreich nach harten Auseinandersetzungen durch – Robin Jäggi und Pajtim Berisha verloren ihre Begegnungen nach intensiven Gefechten jeweils sehr knapp nach Punkten. Trotz aufopferungsvollem Einsatz keine Chance hatte Edgar Mis gegen seinen Gegner.

Thomas Odermatt vom Boxing-Club Luzern (links im Bild) setzt sich nach kämpferischer Leistung gegen Mirco Bolfing (BC March) erfolgreich durch

Zu den erfahrungsgemäss eher delikaten Paarungen gehören im Amateurboxen die Schwergewichte. Diesen Kämpfen fehlt in vielen Fällen aus Sicht des Beobachters die Schnelligkeit oder Variabilität der Aktionen. So gestaltete sich die Kampfführung beim Superschwergewichtler Nawshirwan Barzinje als sehr schwierig – es war viel Klammern und Halten und weniger ein Schlagabtausch. Ebenfalls heikel sind Kämpfe, bei welchen Boxer zwar über eine sehr grosse Erfahrung verfügen, mental oder physisch zum Zeitpunkt des Kampfes aber nicht vollständig fokussiert auf die Aufgabe sind. Maziar Housseinpour, ein Kämpfer mit grossem Herz und grosser Erfahrung, schien gestern zumindest nicht ganz bei der Sache zu sein und verlor seinen Kampf deutlich gegen Ali Adili.

v.l.n.r. stehend: Pajtim Berisha, Anis Ben Hadi, Masssimo de Filippo und Nawshirwan Barzinje.
Kniend v.l.n.r.: Augusto Mecaroni, Maziar Hosseinpour, Thomas Odermatt, Robin Jäggi

Eine Sgaghettata ist nichts ohne die Küchenmannschaft und das Servierpersonal – Der Boxing Club Luzern hat unter der Leitung von Massimo de Filippo für einen reibungslosen Ablauf gesorgt. Ebenfalls hervorzuheben ist die sehr gute Arbeit der Offiziellen am Ring – die Verdikte waren eindeutig, die Kampfführungen durch die Ringrichter klar und präzise und auch der Arzt war sofort und kompetent zur Stelle.

Spaghetti sind immer gut – in diesem Sinne auf das nächste Boxmeeting in Luzern 2016!




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