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Klitschko vs. Fury aus einer etwas anderen Optik

Angelo Gallina, 26.11.2015

Diesen Samstag kommt es in Düsseldorf zum Shodown im Schwergewicht. Die Weltnummer 1 Wladimir Klitschko  trifft auf die ungeschlagene Nummer 3 Tyson Fury.

Grosse Ehre: Arnold "THE COBRA" Gjergjaj (l.) im Sparring mit Wladimir Klitschko

Seit langem wieder ein spannendes Duell im Schwergewicht wo bestimmt die Mehrheit aller Boxexperten und Boxaffecionados, mit mindestens einem Auge, hinschauen werden. Auch geht es diesmal wieder um einen richtigen Weltmeisterkampf und nicht um einen fingierten Marketing-WM-Kampf mit einem unglaubwürdigen Verband, wo ein Mittelfeld-Boxer zum ebenbürtigen Gegner medial aufgepusht wird um mit geringen Chancen gegen die Nummer 1 anzutreten. Das Argument, dass nur ein einziger Schlag den Kampf für beide Seite zum Sieg reich, zieht immer und irgendwann auch nicht mehr. 

Gemeinsam mit Arnold THE COBRA Gjergjaj waren wir drei Mal bei der Vorbereitung der beiden Kontrahenten dabei. Einmal bei Klitschko in Kitzbühl und zweimal bei Fury. Der Fury-Clan war letztes Jahr beim Boxclub Basel Gast  und wir waren gemeinsam im Trainingscamp in Belgien. Wir kennen beide Boxer und deren Umfeld und freuen uns auf den Kampf. Zum Besuch in Dortmund reicht es nicht. Arnold steht in der Endphase der Vorbereitung auf seinen nächsten Kampf vom 5.Dezember in Spreitenbach gegen Kroatiens Nummer eins, Marino Goles.

Angelo Gallina, Wladimir "Stealhammer" Klitschko und Arnold "THE COBRA" Gjergjaj

Am Samstag geht’s rund. Auf der einen Seite der seit bald 11 Jahren unbesiegt und seit 9 Jahren amtierende Weltmeister, Wladimir Klitschko, der alle Gegner die sich ihm in den Weg gestellt haben weggeboxt hat, als seien sie durchschnittliche Trainingspartner. Darunter auch die zurzeit bestplatzierten Alexander Povetkin oder Kubrat Pulev aber auch einige unattraktive Zwischenkämpfe wo die sportlicher Relevanz nicht im Mittelpunkt stand wie bei den Kämpfen gegen Alex Leapai oder Francesco Pianeta, u.a.. Klitschko ist einer der erfahrensten Boxer in der Szene. Olympiasieger bei den Amateuren, lange Jahre mit dem verstorbenen Fritz Sdunek im Porfiboxen aufgewachsen, dann der Wechsel 2004 zu Emanuel Steward, der u.a. Lennox Lewis zuvor betreute und vor 3 Jahren verstarb. Heute steht Johnathan Banks in der Ecke, ein noch aktiver Profiboxer der ebenfalls von  Steward betreut wurde. Viel Imputs braucht Klitschko nicht mehr, er kennt Alles und kann sich die besten Trainingszonen und Sparringspartner aussuchen, hat ein gutes Setting an Betreuung um sich und ist in Europa der Topverdiener  in seiner Sportart. Weltweit rangiert er jedoch weit weg von Gagen die Mayweather (160 Mio. Dollar)  oder Alvarez (30 Mio Dollar)  verdienen. Auch vertraut Klitschko in Sachen Physio Aldo Vetere, der erst 25-jährige zeigt doch auch, dass hier das Wissen und das spezifische Engagement im Vordergrund stehen und nicht das Alter. Keiner der Topleute ist so fit wie Klitschko und niemand kann zurzeit der Schlagfrequenz und Härte von Klitschko über die volle Kampfdistanz standhalten. Da lautet die vermeintlich einfache Devise für den Weltmeister: Keine auf’s Kinn kriegen.

Auf der anderen Seite ein ambitionierter, selbstbewusster, extrovertierter und hungriger Tyson Fury der seit Jahren unerbittlich und kompromisslos hart arbeitet, und durch seinen Onkel Peter Fury, seinen Brüdern und jetzt auch wieder durch seinen Vater trainiert und begleitet wird. Letztes Jahr hätte er gegen David Haye kämpfen sollen, welcher den Kampf zweimal wegen einer Verletzung verschieben musste. Nur die allerwenigsten können sich annähernd vorstellen was es bedeutet einen Kampf zweimal zu verschieben. Eine gute und durchschnittliche Vorbereitung dauert bei Spitzenboxern in der Regel 3 Monate davon 2 Monate intensives Training mit Sparring. Zwei bis drei Einheiten am Tag, wo einem täglich alles abverlangt wird, wiederkehrend und fast nicht mehr enden wollend, abgeschottet vor der Öffentlichkeit und Familie mit immer und nur einem Fokus vor Augen: den nächsten Kampf. Und dann die Absage. Kein Kampf, kein Geld alles „für die Katz‘“. Auch der Klitschko-Kampf wurde wegen einer Verletzung um Wochen verschoben. Was für Fury bestimmt keine guten Gefühle ausgelöst hat. Nochmals Alles neu aufziehen und vertagen, nochmals dieselben Torturen über sich ergehen lassen. Kein einfaches Dasein, auch wenn man es sich selber ausgesucht hat.  Da kann einem doch auch mal der Kragen platzen. Fury pflegt in dieser Zeit sein „bad guy Image“, wo und wann er immer auch kann auf allen Kanälen. Er beleidigt gerne, macht sich über alle und alles lustig, und nun singt er auch noch Ständchen für seine Gegner.  

Boxerisch hat Fury noch keine Topleute geboxt. Seine bisherigen Kämpfe zeigten eine Aufwärtstendenz. Beim Cunningham- Kampf ging Fury in der zweiten Runde nach einem Treffer auf das ungedeckte Kinn zu Boden und erholte sich wie fast durch ein Wunder von diesem Niederschlag. Spannend ist auch die Tatsache, dass Fury in beiden Auslagen boxen kann, was ganz wenige auf diesem Niveau beherrschen, auch Arnold THE COBRA beherrscht diese Eigenschaft. Er schlägt hart und kann auch einstecken. Mit 2.02 Meter ist er leicht grösser als Klitschko und hat 10 cm mehr Reichweite, was eigentlich ein guter Vorteil wäre.  Ob er Klitschko’s Hammer standhält, muss ich bezweifeln und trotzdem ist er mit Ausnahme von Deontay Wilder zurzeit der einzige, der ihm noch im Wege steht. Die Frage lautet am Samstag nur, wie lange.

Die Spitzenkämpfe kommen leider selten zustande. Auch bei Fury ging man einen sorgenfreien Weg. Dass er keine „Grossen“ gekämpft hat liegt auch in der derzeitigen Boxentwicklung, wo man keine Niederlage riskieren möchte und dafür immer schön nach hinten in die Rangliste greift um dann bei einem Spitzenkampf ein wenig Kasse zu machen. Es fehlen die mächtigen TV Gelder oder Sponsoren,  welche solche Kämpfe garantieren würden. So hätten alle was davon. Die Zuschauer die sich Spannung und gute Kämpfe wünschen, die Boxer die ihren Lohn bekommen und der Sport der an Glaubwürdigkeit gewinnen würde.  So wie das früher war als Ali gegen Frazier, Foreman, Norton, Liston kämpfte oder auch heute im Mittelgewicht mit Golovkin, Mayweather, Alvarez und eventuell auch Sturm und Abraham, wenn sie sich hier auch noch einbringen. 

Am Samstag heisst es Showdown im Heavyweight und die Floskeln fallen wieder....der bessre gewinnt und es gibt nur einen Sieger.

Ich freu mich für beide und für das Profiboxen im Schwergewicht.

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26.11.2015 (JS) – Der Weltmeisterschaftskampf im Schwergewicht zwischen Titelträger Wladimier „Stealhammer“ Klitschko vs. Tyson Fury wird am nächsten Samstag ab 22:10h auf RTL live übertragen.

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