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Schweizermeisterschaften Elite 2015

Stehend: SwissBoxing-Präsident Andreas Anderegg, Ukë "The Wolf" Smajli, Stefan Rumpold, Anaïs Kistler, Fabian "The Hitman" Hartmann, Knieend: Sarah-Joy Rae, Andrea Bunge, Vahram Khudeda, Sava Kostic (auf dem Bild fehlen Julien Calvete und Elbasan Kqiku)


Bericht (Text und Fotos) Ueli E. Adam, 30.11.2015

Nachdem bereits die Ausscheidungskämpfe (66 Männer, 16 Frauen) in Thun vielversprechende Perspektiven zuliessen, durfte man auf die Endausmarchung in St. Gallen gespannt sein. Publikum und Funktionäre wurden nicht enttäuscht: die Kämpfe waren teilweise spektakulär und die Finals ganz allgemein durchaus beeindruckend.

Elite Frauen 54 kg: Sarah-Joy RAE, BR Basel vs. Lea RYTZ, Fight Right Biel



Die Baslerin hatte in den Halbfinals Vorjahresmeisterin Nicole Von Känel nach Punktegleichstand durch Stichentscheid eliminiert und traf im Final auf eine hochmotivierte Kämpferin aus Biel. Die Erfahrung gab den Ausschlag: Sarah-Joy RAE setzte sich mit präzisen Geraden und solidem Boxen durch und entschied den Final mit 3:0 Richterstimmen für sich. Schweizermeisterin 2015: Sarah-Joy RAE

Elite Herren 60 kg: Julien CALVETE, BC Nyon vs. Hugo MENDES, BC Riazzino

Die beiden Puncher sorgten für einen ersten Höhepunkt des Tages: bereits in den Halbfinals hatten sie demonstriert, dass mit kompromisslosem Angriffsboxen um den Titel gekämpft werden würde. So kam es: der Final wurde zur Schlacht. Beide Boxer kannten nur eine Richtung: vorwärts. Sie deckten sich mit Schlagserien ein und liessen keinen Zweifel an ihren Plänen erkennen.



Beide beeindruckten mit unglaublicher Kondition und setzten Treffer, die früher oder später zum Resultat führen mussten. Nachdem der Kampf in einer ersten Phase ausgeglichen war, setzte sich Calvete (links im Bild) in der 2. Runde mit einem TKO durch. Der Ringrichter nahm den angeschlagenen Mendes zu Recht aus dem Kampf, nachdem auch die Ecke Aufgabe signalisiert hatte.  Schweizermeister 2015: Julien CALVETE

Elite Frauen 57 kg: Andrea BUNGE, BC Rheintal Au vs. Eva ABATE, BC d’Octodure

Mit einem sehr guten Kampf machten Bunge (rechts im Bild) und Abate beste Werbung für das Frauenboxen. Die Walliserin war mit grossen Ambitionen angetreten und ein Sieg wurde ihr durchaus zugetraut.



Andrea Bunge durchkreuzte ihre Pläne: dank ihrer Erfahrung aus internationalen Kämpfen und einer beeindruckenden athletischen Physis liess sie rasch erkennen, wo der Hammer hängt. Sie besiegte Eva Abate mit einem klaren Verdikt von 3:0 Richterstimmen. Schweizermeisterin 2015: Andrea BUNGE

Elite Herren 64 Kg: Florin BISTRIAN, CLB Lausanne vs. Sava KOSTIC SR St. Gallen

Zu einem ersten Drama kam es im Kampf um den Titel in dieser Gewichtsklasse. Beiden Boxern wurden im Vorfeld Titelchancen eingeräumt. Sowohl Bistrian als auch Kostic (rechts im Bild) lassen eine erstklassige Ausbildung erkennen. Das bestätigte sich in der ersten Runde: mit einem sehr guten Gefecht, dessen Ausgang noch nicht absehbar war, wussten die Finalisten zu überzeugen.



Das Blatt wendete sich in der zweiten Runde: Bistrian musste mit einer Verletzung aus dem Kampf genommen werden und das Verdikt der Kampfrichter im Stichentscheid war für den talentierten Waadtländer und Erfolgstrainer Fouad Ben Saoud eine böse Enttäuschung. Kostic siegte mit 3:0 Richterstimmen. Schweizermeister 2015: Sava KOSTIC

Elite Frauen 64 kg: Anaïs KISTLER, CLB Lausanne vs. Yasmine EL ABSHINY, BC Genevois



Vorjahresmeisterin Anaïs Kistler (rechts im Bild) verteidigte ihren Titel erwartungsgemäss souverän. Sie dominierte ihre zierliche Gegnerin aus Genf, konnte den Sieg aber nicht im Schongang erringen. El Abshiny überzeugte mit einer Willensleistung und Kampfkraft, die durchaus beeindruckend war. Das Verdikt war aber eindeutig: Kistler siegte mit 3:0 Richterstimmen. Schweizermeisterin 2015: Anaïs KISTLER

Elite Herren 69 kg: Ali ADILI, BG Bern vs. Vahram KHUDEDA, NAB Frenkendorf

Vorjahresmeister Khudeda (rechts im Bild) war auf der Hut. Er wusste, dass mit Ali Adili kein einfacher Gegner zu bezwingen war. Adili ist ein erstklassig ausgebildeter Boxer, der im Ring auch umzusetzen weiss, was er gelernt hat. Die Voraussetzung für ein hochklassiges Gefecht war gegeben. Mit einem wirklich attraktiven Kampf wussten beide Titelaspiranten das Publikum zu begeistern.



Dabei zeigte sich, das Khudeda erneut an Klasse zugelegt hat. Er erkämpfte sich einen Sieg mit boxerischen Qualitäten, die absolut bemerkenswert sind. Variantenreich, stark im Angriff, mit Fussarbeit und reaktionsschnellen Meidbewegungen wusste der alte Meister im Mittelgewicht (Khudeda qualifizierte sich im Weltergewicht für den Final) gegen einen starken Gegner zu überzeugen. Khudeda siegte mit 3:0 Richterstimmen. Schweizermeister 2015: Vahram KHUDEDA

Elite Herren 75 kg: Egzon MALIQAJ, BS Gebenstorf vs. Fabian HARTMANN, NAB Frenkendorf

Der souveräne Vorjahresmeister Egzon Maliqaj (rechts im Bild) war gefordert. Mit Fabian "The Hitman" Hartmann kämpfte ein Mann um den Titel, der seit 2013 keinen Kampf mehr verloren hat. Es wurde die Ringschlacht des Tages: mit einem horrenden Tempo, präzisen Treffern und beeindruckendem Siegeswillen schenkten sich die Gegner nichts.



Es war absehbar, dass diese Abnützungsschlacht ein Opfer fordern würde. Bis zum letzten Moment war nicht klar, wen es treffen würde. In einem Schlussspurt hatte Hartmann die besseren Karten: obschon beide den Sieg verdient hätten siegte der Frenkendorfer mit vertretbaren 2:1 Richterstimmen. Vorjahresmeister Maliqaj nahm das Urteil souverän entgegen und bewies damit seine Klasse. Schweizermeister 2015: Fabian HARTMANN

Elite Herren 81 Kg: Ukë Smajli, BC SR Zürich vs. Davide FARACI, BC Zürich

Die beiden Top-Athleten der Schweiz, beide mit Olympiaperspektiven, lieferten sich ein Gefecht auf hohem Niveau. Vorjahresmeister Smajli (rechts im Bild), der im Halbfinal durch eine lässige Kampfführung nur bedingt überzeugt hatte, zeigte dafür im Final, dass er zu den ganz grossen Boxern der Schweiz zählt.



Von Beginn weg lieferte er dem anderen grossen Schweizer, Davide Faraci, einen Kampf auf Biegen und Brechen. Faraci liess sich aber nicht beeindrucken. Er kämpfte mit seiner ganzen Klasse und ein möglicher Ausgang des Duells war nur schwer absehbar.  Ein erstklassiger Kampf wurde schliesslich fast zur griechischen Tragödie: mit einer Verletzung musste Faraci aus dem Kampf genommen werden und die Jury entschied mit Stichentscheid von 2:1 zu Gunsten von Smajli. Damit verlor Faraci im Hinblick auf Olympia mehr als den Schweizermeistertitel: mit dieser Wertung kann in den letzten beiden Qualifikationsturnieren von Sofia und Baku nur noch Smajli mitmischen. Schweizermeister 2025: Ukë „The Wolf“ SMAJLI

Elite Herren 91 kg: Sherif OSMANI, BK BR Bern vs. Stefan RUMPOLD, BC Brugg

Auf den Ausgang dieses Kampfes durfte man gespannt sein. Mit Rumpold (2012, links im Bild) und Osmani (2013) kämpften zwei ehemalige Schweizermeister um Titelehren. Dabei schien Osmani, der in seinen letzten Kämpfen  überzeugt hatte, leicht favorisiert, obschon auch Rumpold im Halbfinal seinen Gegner Per Mendes aus Genf mit einem TKO souverän eliminiert hatte.



Es wurde ein hartes Gefecht, dessen Ausgang lange ungewiss schien. Dank seiner Coolness setzte sich aber schliesslich Stefan Rumpold verdient durch. Osmani wollte mit dem Kopf durch die Wand und wurde vom geschickt boxenden Rumpold gekonnt ausgekontert. Die Jury wertete den Kampf mit 2:1 Richterstimmen für Rumpold. Schweizermeister 2015: Stefan RUMPOLD

Elite Herren +91 kg: Elbasan KQIKU, BTO Thun vs. Mazium GOEMEC, Fight Right Biel

Der Titelkampf der Superschweren durfte sich sehen lassen. In höheren Gewichtsklassen wird öfter meist statisch und unattraktiv geboxt. In diesem Meisterschaftskampf war dies eindeutig nicht der Fall. Der junge Thuner (links im Bild) bewies von Beginn weg, dass er der kommende Mann in dieser Gewichtsklasse sein wird.



Dabei darf die Leistung von Goemec keineswegs unterschätzt werden. Er hatte sich durchaus überzeugend gegen Collins und Fatnassi in den Final gekämpft und liess seine Gefährlichkeit ansatzweise auch gegen Kqiku erkennen. Dass dies nicht reichen würde, ist dem Talent und der guten Grundausbildung des Thuners zu verdanken. Kqiku schickte den Bieler in der zweiten Runde mit einem TKO in die Ecke. Schweizermeister 2015: Elbasan KQIKU

Der Titel des Mannschaftsmeisters ging auch in diesem Jahr an den Club Lausannois de Boxe CLB mit Coach Fouad Ben Saoud.

Der "Club lausannois de boxe" ist Mannschaftsmeister 2015. v.l.n.r: Amir Orfia, Anaïs Kistler, Steve Baudin, Ben Faoud (Trainer) Gjamajl Ibishi und Moudayen Mounir

Die Schweizermeisterschaften 2015 bestätigten den Trend: das Elite-Boxen ist besser geworden. Ausbildung ist erkennbar und unprofessionelle Schlägereien wurden eliminiert. SwissBoxing-Präsident Andreas Anderegg fasst es so zusammen: Ausbildung, Weiterbildung, Athletik und praktisches Können sind dafür verantwortlich. Eine erfreuliche Entwicklung, die es zu fördern gilt. Die Unterschiede zur Konkurrenz aus umliegenden Ländern ist klar erkennbar kleiner geworden. Ein gutes Zeichen!
 

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