News

Bärn boxt: Anspruch erfüllt

Ueli E. Adam, 28.02.2016

„Boxen zur Bildung“: so heisst der Berner Club, der in der ausverkauften Matte-Halle bewiesen hat, dass Boxen auch ohne Glamour für ein volles Haus sorgen kann. Unter der Regie von Pascal Brawand und Hervé Kellenberger wurde jungen Athletinnen und Athleten eine Plattform geboten, um den individuellen Bildungsstand auszuloten. Das Resultat lässt sich sehen: alle Kämpfe zeigten ein gutes Niveau und boten spannenden Sport.

Anfänger konnten sich in einem ersten Block im Ernstkampf beweisen und bereits bekannte Namen im zweiten Block des Programms ihr Können beweisen. Natürlich mussten die Veranstalter auch Absagen gemeldeter Boxer zur Kenntnis nehmen, was besonders in einem Fall sehr störend war: der amtierende Schweizermeister (60 kg) Julien Calvete, Nyon, war nicht bereit, gegen einen aus Düsseldorf angereisten Gegner anzutreten, weil dieser auf der Waage die Gewichtslimite geringfügig überzogen hatte. Natürlich sind Gewichtslimiten da, um konsequent und korrekt eingehalten zu werden. Im Fall eines eher freundschaftlichen Treffens ist die punktgenaue Auslegung der Regel mindestens verhandelbar. Das Publikum kam aber ohnehin voll auf die Rechnung.

Klasseboxer aus Deutschland: Morad Möllenbeck (l.) besiegt Ali Adili (BG Durante) einstimmig nach Punkten


Im besten Kampf des Abends traf der Berner Ali Adili (DurantesGym) auf einen Klassemann aus Düsseldorf, Morad Möllenbeck (BCMühlheimDuempten). Der Deutsche siegte in einem begeisternden Fight mit 3:0 Richterstimmen, aber eigentlich nur, weil Adili oft noch die Präzision hinter den Schlägen fehlt. Für das zweite Highlight sorgte der junge Schützling von Christina Nigg: Andri Beiner (BTO Thun) setzte sich gegen einen keineswegs inferioren Franzosen durch. Er besiegte Eliott Blazavic mit 3:0 – ein absolut verdientes Glanzresultat für den Youngster, das auch das Umfeld des Franzosen verblüffte, der zum Siegen angereist war. Von Beiner dürfen wir noch viel erwarten!

Er ist ein Versprechen für die Zukunft: Andri Beiner (BTO Thun) lässt Eliott Blazavic keine Chance und gewinnt glasklar nach Punkten

Für spannenden Sport sorgten auch der Bieler Mossab Boujnah (BC Biel-Bienne), der den Berner Ahmed Aziz (Boxen zur Bildung) in einem harten Gefecht mit 2:1 besiegen konnte.

Für grosse Begeisterung sorgte einmal mehr auch die grosse Hoffnungsträgerin des veranstaltenden Clubs: Fiona Wyss besiegte die Deutsche Michelle Hatari mit einem klaren 3:0 – ein Resultat, das bemerkenswert ist. Hatari, technisch und physisch voll auf der Höhe, war nicht einfach zu boxen. Fiona Wyss hat  hat bewiesen, dass sie noch eine grosse Zukunft vor sich hat.

Jungtalent Fiona Wyss (Boxen zur Bildung, r.) liess nichts anbringen und besiegte die Deutsche Michelle Hatari mit 3 zu 0 Richterstimmen

Ein Profikampf mit Viviane Obenauf (59,9 kg) rundete die Veranstaltung ab. Die Frau aus Interlaken, die ihre Karriere gegenwärtig in Eigenregie weiterverfolgen muss, traf auf die Polin Bojana Liviszweska (57.8 kg). Für Obenauf war dieser Kampf von grösster Bedeutung, da ihr die Unterstützung durch ein verantwortungsvolles Management zur Zeit fehlt. Der Veranstalter hat ihr erfreulicherweise spontan Gastrecht gewährt. Trainer Pascal Brawand bereitete Viviane Obenauf sorgfältig mit einer klaren Strategie  auf den wichtigen Kampf vor. Obenauf setzte in ihrem achten Profikampf (6-1-0) die Vorgaben diszipliniert um, ohne sich auf unkontrollierte Schlägereien einzulassen.

Die gleichermassen mit Temperament und Energie ausgestattete Schweiz-Brasilianerin Viviane "The Golden Girl" Obenauf (r.) konnte ihr Können gegen die destruktiv boxende Polin Bojana Liviszweska nicht wunschgemäss zur Entfaltung bringen

Bojana Liviszweska hatte 2014 ihren ersten Profikampf gegen Obenauf verloren und war vorgewarnt. Mit reiner Defensivtaktik hinderte sie Obenauf an der Entfaltung ihres Könnens. Dafür war der Coach, eine resolute Frau in der Ecke der Polin, zuständig. Mit klaren Anweisungen gab sie die Marschrichtung vor. Wer polnisch versteht, wusste um was es ging. Wenn Obenauf angreifen oder in den Infight gehen wollte, kam umgehend der Befehl aus der Ecke: „KLAMMERN“! Viviane Obenauf siegte mit einem klaren Verdikt der Jury. Beat Hausammann, Domenico Gottardi und Thomas Zimmermann werteten den Kampf einstimmig mit 40:36. Obschon dem Kampf der Glanz fehlte, freute sich Viviane Obenauf über ihre gelungene Rückkehr ins Profigeschäft.

Spendenaufruf

 

 




Weitere News


© 2017, Swiss Boxing Federation