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Romandie-Meisterschaften auf bescheidenem Niveau – Tavarez siegreich

Gregor Stadelmann und Jack Schmidli, 11.05.2016

GS - Einmal mehr bewies der umtriebige Trainer und Veranstalter Ben Fouad Saoud, dass er es versteht, Boxer auszubilden. Sein Club holte sich mit vier Gold- und einer Silbermedaille klar den Meisterschaftstitel. 74 Boxerinnen und Boxer hatten sich angemeldet, um an den Westschweizermeisterschaften um den Titel zu boxen.

v.l.n.r.: Jack Schmidli (Delegierter), Ben Fouad (Präsident und Trainer Boxing Club lausannois de boxe), Anaïs Kistler (Romandie-Meisterin 2016 im Weltergewicht, Kategorie Frauen), Amir Orfia (Romandie-Meister 2016 im Halbschwergewicht, Kategorie Elite), Meuterlos Matisse (Romandie-Meister 2016 im Halbweltergewicht, Kategorie Junioren) und Florin Bistrian (Romandie-Meister 2016 im Halbweltergewicht, Kategorie Elite)

Leider war die Meisterschaft aus Sicht der Zuschauer eher schwach besetzt. Viele Anfänger erhielten so jedoch die Möglichkeit, in ihrer ersten Meisterschaft um einen Titel zu boxen. Für Lichtblicke sorgten Amir Orfia (CLB), Julien Calvete (BC Nyon), Gabriel Toma (BC Martigny) und Davide Borraccino (FR Biel).

81 KG Elite Amir Ofia (CLB) vs. Jonathan Borraccino (FR Biel)

Der Bieler Borraccino überzeugte in drei Kämpfen mit seiner Athletik und guten Schlagkombination. Hinter einer guten Deckung marschierte er konsequent nach vorne und zermürbte seine Gegner. Doch Amir Orfia, welcher bereits über 50 Kämpfe auch auf internationalem Niveau bestritten hatte, war zu jeder Zeit für einen Gegenangriff bereit oder er entzog sich geschickt den Angriffen des Bielers. Verheerend war der linke Haken des Lausanners, welcher immer wieder einschlug. Am Schluss entschieden sich die Punktrichter einstimmig für Amir Orfia.

60 KG Edison Zeqiri (BC Martigny) vs. Julien Calvete (BC Nyon)

In seinem dritten Kampf stellte sich Edison Zeqiri dem Schweizermeister aus Nyon. Der Mann aus dem Wallis liess schnell erkennen, dass er über gute Ansätze verfügt. Doch Calvete zermürbte ihn mit einem unermüdlichen Pressing und der Kampf wurde mit einem TKO-H. abgebrochen. Die weitere Gegnerauswahl von Calvete wird interessant sein. Seit April 2012 hatte er keinen ausländischen Boxer mehr vor den Fäusten. Es wäre langsam wieder Zeit dafür.

Profikampf Halbschwergewicht Bruno Tavares Schweiz vs. Norbert Szekeres Ungarn

JS - Nach dem ersten Tag der Romandie-Meisterschaften gingen an gleicher Stätte vor leider nur wenigen Zuschauern ein Amateur- und ein Profiboxkampf über die Bühne.

Einer der besten Boxer aus der Westschweiz, Dat Tai Pham (BC Nyon), duellierte sich mit dem Polen Sebastian Stasiacek (Sporting Club Riviera Chablais) auf boxerisch beachtlichem Niveau. Der technisch versierte Dat Tai Pham brachte in überlegener Manier zahlreiche präzise Treffer ins Ziel und gewann verdient und einstimmig nach Punkten.

Nach vierjähriger Ringabstinenz und sechs Siegen als Professional wagte der Fribourger Bruno Tavarez (BC Villars-sur-Glâne) ein Comeback. Als Gegner wurde nicht etwa ein Neo-Profi, sondern ein erfahrener Routinier aus Ungarn verpflichtet. Der Kampfrekord von Norbert Szekeres ist zwar nicht „das Gelbe vom Ei“ (18 Siege, 49 Niederlagen, 3 Unentschieden); der Ungare stand aber vor dem Duell mit Tavarez nicht weniger als 70 Mal im Preisring. Tavarez verstand es, seinen aufsässigen Gegner während des Kampfes mit langen Händen auf Distanz zu halten und klare Treffer zu landen. Sein Sieg war in keinem Zeitpunkt des Kampfes in Frage gestellt und die Leistung des beweglichen und hochkonzentrierten Einheimischen liess die lange Ringabstinenz nicht erahnen. Zwar fehlt dem sympathischen Romand die ultimative Knockout-Power; seine weitere boxerische Entwicklung darf aber mit Interesse weiterverfolgt werden. Nach diesem Sieg bleibt Tavarez weiterhin ungeschlagen (7 Kämpfe, 7 Siege).

Fazit zur Romandie-Meisterschaft

GS - In der Westschweiz am Lac Léman liegen die Wurzeln des Schweizer Boxsports. Tradition verpflichtet bekanntlich. Leider waren die diesjährigen Westschweizermeisterschaften auf einem bescheidenen Niveau. Eine Steigerung, kann nur durch die Trainer erfolgen. Die Athletinnen und Athleten müssten vermehrt gemeinsame regionale Trainings absolvieren, um ideale und wechselnde Trainingspartner zu haben. Gleichzeitig müssen die Athletinnen und Athleten zu mehr Einsätzen kommen. Zwei bis drei Kämpfe pro Jahr sind ideal für einen Freizeitboxer, damit werden aber keine Kaderathleten aufgebaut. Auch dürfen die Gegner ein gewisses Format haben. Essentiell ist, dass die Trainer auch einmal einen Kampf rechtzeitig aufgeben. Auch an dieser Meisterschaft gab es zu viele Trainer, die den Kampf nicht lesen und damit die schlechte Lage ihres Athleten im Ring nicht richtig einschätzen konnten.

Resultate Romandie-Meisterschaft

Resultate Abendveranstaltung




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